Vermenschlichung von KI: Ach, eine KI hat Hitler gelobt? Nein, hat sie nicht!
Elon Musks KI Grok lobt auf Nachfrage „Hitler“. Dabei kann eine KI nicht loben. Denn sie hat kein „Ich“.
L ösungsvorschläge, ja? Okay. Zuallererst würde ich es verbieten, „ich“ zu sagen. Den Maschinen. Denn spätestens wenn so ein Programm „Hallo“ und vor allem „ich“ sagt, fangen alle an, das Ding zu vermenschlichen. Was erwartet man aber auch von einer Welt, in der selbst noch Pkws, Kaffeemaschinen und andere Konsumgüter Kosenamen bekommen. Die Idee, den ganzen technischen Helferlein ein Gesicht zu geben, war vielleicht ganz gut gemeint. Nimmt den Leuten die Angst, so ein lächelnder Roboter. Ja, okay, aber eben auch die schützende Distanz.
Es sind Maschinen. Die sollen uns bei der Automatisierung unterstützen, Hilfestellung sein bei der Erledigung gleichbleibender und ermüdender Tätigkeiten. Das ist gut und praktisch, aber die permanente Antropomorphisierung dieser Werkzeuge ist ein Fehler. Selbst in der Kritik entkommen wir dem oft nicht.
Ach, eine KI hat Hitler gelobt? Nein, hat sie nicht! Schaltkreise loben niemanden, können das überhaupt nicht, denn sie haben kein Konzept von Gut und Böse, Lob und Tadel. Sie haben vor allem kein Bewusstsein eines Selbst. Ihr „ich“ ist die Ausgabe einer Kombination elektrischer Impulse, ihre „Meinung“ genauso. Diese Apparaturen halluzinieren nicht, sie geben einfach unnützen Datenmüll aus.
Keine Identifikationsfläche vorhalten
Ich würde so eine Mumpitz-Maschine nicht mal zu möglichen Urlaubszielen befragen, nicht zu Hämorrhoidenmitteln und schon gar nicht zu Depressionen. Obwohl, wenn ich mir am Strand vorm AKW Fukushima liegend Essigreiniger zwischen die Arschbacken schmierte, würde sich der akute Fokus meiner Sorgen wohl wirklich neu justieren.
Ach, jetzt mal ernsthaft, allein diese menschenfeindlichen Nutzerinterfaces sind doch sowieso kaum bedienbar und zeitigen mit all dem Werbedreck dazwischen keine brauchbaren Ergebnisse. Man sollte sie gleich richtig hässlich machen. Sprachausgaben, die ohnehin nur Unsinn enthalten, zu Buchstabensalat zertrümmern! Deine Kundenbeschwerde hier nimmt sowieso kein Mensch zur Kenntnis. Auf jeden Fall aber das „ich“ verbieten. Keine Identifikationsfläche vorhalten. Die Blödsinnigkeit so offensichtlich machen, dass auch einfältigste Naturen sie erkennen können.
Als künstlerisches Experiment eine KI die Nachbildung eines Textes, eine Kolumne zum Beispiel, berechnen lassen? Was für ein schlechter Witz. Stattdessen einfach mal eine Seite unlesbar verschmieren, gerne von einem robotergeführten Pinsel. Da hast du deine Denkanregung, deine maschinelle Zusammenfassung der Suchergebnisse, deinen automatischen Reiseplaner, deine KI-Psychotherapeutin.
Übrigens, wenn du 57 mit 129 auf dem Taschenrechner malnimmst und den dann umdrehst, hat er nicht in herabwürdigender Absicht „ESEL“ zu dir gesagt. Wenn du aber glaubst, dass ein paar überdimensionierte, noch dazu mit wiederbelebten Atomkraftwerken betriebene Schaltkreise kurz davor sind, Lösungen für alle Menschheitsprobleme zu finden, dann vielleicht doch.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert