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Unbequeme KlimaschutzvorgabenÖlkonzern will EU verklagen

Dem Energiekonzern ExxonMobil passen die EU-Vorgaben zum Klimaschutz nicht. Nun droht das US-Unternehmen, die EU vor einem privaten Schiedsgericht zu verklagen.

Der US-amerikanische Ölkonzern ExxonMobil will offenbar die EU vor einem privaten Schiedsgericht verklagen. Das berichtet das Medienportal IAReporter, das auf Investor-Staats -Schiedsverfahren spezialisiert ist. Hintergrund sind demnach Klimaschutzvorgaben für Unternehmen im Rahmen des Net-Zero Industry Act der EU. Das Gesetz verlangt von Öl- und Gasförderern in Europa, dass sie in die unterirdische Speicherung von CO2 investieren als Beitrag zu den europäischen Klimazielen.

Die beiden Exxon-Töchter ExxonMobil Producing Netherlands und Mobil Erdgas-Erdöl in Deutschland haben dagegen bereits Klage vor dem Gericht der Europäischen Union eingelegt. Nun will ExxonMobil offenbar den Druck erhöhen. Die sogenannte Streitanzeige sei der erste Schritt. Danach habe die Europäische Kommission drei Monate Zeit, um auf Exxon einzugehen, ansonsten könne der Konzern ein Investor-Staat-Schiedsverfahren einleiten, erklärt Lukas Schaugg, der zu Investitionen und Energie bei der Denkfabrik International Institute for Sustainable Development (IISD) arbeitet.

Für Schaugg ist das Vorgehen von Exxon eine klare „Botschaft an die Regierungen, dass keine Klimaverpflichtung für diese Branche der Konfrontation mit Investitionsschiedsverfahren standhält“. Denn ExxonMobil hat selbst jahrelang für die Speicherung von Kohlendioxid geworben als zentrale Maßnahme für Klimaschutz. Mit den Regelungen würden die beiden Tochtergesellschaften nun verpflichtet, weniger als 1,5 Prozent – insgesamt 730.000 Tonnen des Jahresziels von 50 Millionen Tonnen – zu speichern.

ExxonMobil findet Klimavorgaben zu kostspielig

Weder die Europäische Kommission noch ExxonMobil wollten den Vorgang gegenüber der taz bis Redaktionsschluss bestätigen. IAReporter zitiert einen Sprecher des Ölkonzerns, der beklagt, dass die Einhaltung der Vorschriften zur CO2-Speicherung „extrem kostspielig“ sei, Unternehmen benachteilige und „Lebenshaltungskosten für alle Europäer in die Höhe“ treibe. „Bei diesem Streit geht es ebenso sehr darum, Europa vor sich selbst zu bewahren, wie darum, dass die Öl- und Gasindustrie gegen ein weiteres irrationales Gesetz aus Brüssel kämpft.“ Die Kommission habe nun „die Chance, dies zu korrigieren“.

Schaugg fordert hingegen die EU auf, die „Verfahrensprivilegien der Ölkonzerne“ zu beseitigen. Laut IAReporter klagt ExxonMobil auf Basis des Energiecharta-Vertrags, ein Investitionsschutzabkommen speziell für die Energiebranche, das vielfach von Ölkonzernen genutzt wurde, um gegen Klimaschutzvorgaben vorzugehen.

Die EU ist aus dem Vertrag 2024 ausgetreten, laut einer Klausel dürfen Konzerne jedoch auch noch 20 Jahre nach Vertragsende klagen. Unklar ist aktuell noch, welche Exxon-Gesellschaft die Anzeige tatsächlich eingereicht hat, denn die Vereinigten Staaten gehören dem Energiecharta-Vertrag gar nicht an. EU-Tochtergesellschaften aber dürfen nicht gegen die EU klagen.

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8 Kommentare

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  • Was für ein geiler Vertrag !



    Aber von der EU muss den ja irgend jemand unterschrieben haben ...

  • Der entscheidende Punkt bei der Debatte um Sunset-Verträge ist: Deutschland muss verhindern, dass heutige Energieentscheidungen zukünftige Generationen fesseln. Wenn wir langfristige fossile Lieferverträge oder Investitionsgarantien abschließen, können spätere Klimaanpassungen teuer werden, weil Investoren Entschädigungen fordern. Gleichzeitig verlieren wir jedes Jahr Milliarden durch den Import von Öl, Gas und Kohle ins Ausland.

    Die Alternative ist eine Energiepolitik, die Investitionen in heimische Erzeugung, Netze und Speicher absichert – aber mit klaren Ausstiegsklauseln und ohne dauerhafte Abhängigkeiten. Planungssicherheit für Unternehmen ist wichtig, politische Handlungsfähigkeit für den Staat ebenso. Die günstigere Energiezukunft entsteht nicht durch neue fossile Bindungen, sondern durch weniger Importabhängigkeit.

  • Die Debatte um sogenannte Sunset-Verträge wird oft als theoretisch abgetan. Tatsächlich geht es um eine reale juristische Problematik: Wenn Staaten langfristige Investitionen absichern und später ihre Klima- oder Energiepolitik verschärfen, können Investoren unter bestimmten Investitionsschutzabkommen Entschädigungen verlangen. Der aktuelle Fall um ExxonMobil zeigt genau dieses Spannungsfeld. Das bedeutet nicht, dass jede Reform automatisch unzulässig ist oder dass bereits entsprechende Verträge mit Katar existieren. Es zeigt aber, warum langfristige fossile Bindungen und weitreichende Investitionsschutzrechte politische Handlungsspielräume künftig erheblich einschränken können. Die eigentliche Frage lautet daher: Wie gestaltet man die Energiewende so, dass Investitionssicherheit besteht, ohne spätere demokratische Entscheidungen durch milliardenschwere Schiedsverfahren zu erschweren?

  • Kann man ExxonMobil nicht für seinen Anteil am Klimawandel verklagen?

  • Kann man nachvollziehen, welche Parteien und Regierungen für solche "Investitionsschutzabkommen" gestimmt haben?



    Gibt es das auch z.b. gegenüber den USA, so dass durch Trumpismus benachteiligte europäische Unternehmen die Regierung vor ein Schiedsgericht zerren können?

  • Diese Investitionsschutz-Klauseln waren von Anfang an ein Anschlag auf die Demokratie. Jeder Politiker, der sie jemals gutgeheißen hat, sollte sich schämen und vor der Bevölkerung um Verzeihung bitten.

  • Die Bürger der EU sind doch viel weiter als die Dinosaurier der Ölindustrie. Solaranlagen , E-Auto und Wärmepumpe finden immer weiter Verbreitung und reduzieren langsam aber stetig die Abhängigkeit von Öl und Gas.

    • @ganzjahres Reichweite:

      Langsam aber statig wird nicht reichen. Wenn man sich die Abhängigkeit von Erdöl mal in Zahlen anschaut, wird das sehr deutlich.

      Solarenergie in der EU: momentan ca. 370 TWh jährlich



      Energie aus Erdöl in der EU: ca. 5200 TWh jährlich



      Energie aus Erdgas in der EU: ca. 3200 TWh jährlich

      Wir werden noch Jahrzehnte von fossilen Energien abhängig sein. Weltweit gesehen sowieso, der Verbrauch ist seit Beginn der Förderungen nur am steigen und ein Ende ist nicht in Sicht.