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Über Klimaanpassung nach Bürgerwillen„Auf den Schottergarten verzichten“

Wie umgehen mit Hitze und Starkregen? Pinneberg setzt auf Bürgerräte, die Maßnahmen erarbeiten. Milan Bogojević über das Projekt „Klima trifft Kommune“.

Interview von

Rida Agha

taz: Herr Bogojević, der Bürgerrat Pinneberg findet im Kontext des Projekts „Klima trifft Kommune“ statt. Worum geht es bei diesem Projekt?

Milan Bogojević: Im Bürgerrat werden Maßnahmen zur Klimaanpassung erarbeitet, die in ein Gutachten gefasst werden. Die Ratsversammlung erhält dieses Gutachten anschließend. Es ist geplant, dass die Empfehlungen des Bürgerrats zu einem Bürgerentscheid münden, der parallel zur Landtagswahl im April 2027 stattfinden soll.

Im Interview: Milan Bogojević

31, hat in Lübeck Stadtplanung studiert und ist Mitarbeiter der Stabsstelle „Stadtentwicklung und Klima“ in Pinneberg.

taz: Warum ist es wichtig, dass es einen Bürgerrat zu diesem Thema gibt?

Bogojević: Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen in Deutschland unzufrieden sind mit einigen Ergebnissen der parlamentarischen Demokratie. Es gibt vor allem bei kontroversen Themen häufig Bedenken, ob Maßnahmen richtig gewählt werden. In dem Moment, in dem die Zivilgesellschaft einbezogen wird und – nachdem sie umfassend informiert wurde – selbst Maßnahmen beschließt, hat das eine andere Wirkung, als wenn einzig die Politik entscheidet.

taz: Sie sagen, dass Klimaanpassung mit großen Herausforderungen einhergeht. Was ist die größte Herausforderung?

Bogojević: Bei Klimaanpassungsmaßnahmen handelt es sich in der Regel um bauliche Maßnahmen, für die es Geld braucht. Geld, das die Kommunen heute kaum haben. Andere Themen sind Konflikte aufgrund unterschiedlicher Interessen oder Ansprüche an den öffentlichen Raum.

taz: Ein Beispiel?

Bogojević: Das Thema Entsiegelung, also wenn wir die Wasserdurchlässigkeit des Bodens erhöhen. Die Fläche geht dann unter Umständen verloren für andere Dinge, wie beispielsweise eine Straße. Das führt dazu, dass einzelne Gruppen sich dagegen wehren.

taz: Welche Maßnahmen halten Sie im Zusammenhang mit der Klimaanpassung noch für wichtig?

Bogojević: Dach- und Fassadenbegrünung. Das sind Maßnahmen, die dafür sorgen können, dass sich nicht nur die Stadt, sondern auch die Gebäude nicht so stark aufheizen. Das Grün sorgt dafür, dass Räume kühler bleiben. Außerdem haben wir in Pinneberg ein Bauprojekt, bei dem wir auch Schwammstadt-Elemente mit aufführen. Das bedeutet, dass wir Regenwasser nicht in die Kanalisation abführen, sondern in unsere Grünflächen einleiten. Dort wird es gespeichert und verdunstet. Die Schwammstadt verfolgt den Anspruch, dass durch diese Verdunstung auch Kühlung erfolgt. Das sind Elemente, die wichtig, aber teuer sind. Es ist aber etwas, das bei Neubauprojekten immer mitgedacht werden sollte.

Austausch

Der Bürgerrat Pinneberg tagt am 11. und 12. sowie am 25. und 26.9., dazwischen liegt die Woche der Klimaanpassung des Bundesumweltministeriums. Weitere Infos zum Projekt unter www.klimatrifftkommune.de

taz: Was können Einzelpersonen tun, um zur Klimaanpassung beizutragen?

Bogojević: Wenn wir vom typischen Einfamilienhausbesitzer sprechen, geht es zum Beispiel darum, auf den Schottergarten zu verzichten und die Fläche stattdessen zu begrünen. Außerdem kann man sich an die Kommunalpolitik wenden, um etwas zu tun. Das Thema Klimaanpassung ist im Fachraum nicht neu, es ist aber sozusagen der kleine Bruder vom Klimaschutz. Es ist sehr wichtig, dafür Bewusstsein zu schaffen und auch außerhalb der Fachwelt darüber zu sprechen.

taz: Wie macht sich die Klimaanpassung in Städten für Einzelpersonen bemerkbar?

Bogojević: Wir haben in Pinneberg einen Trinkbrunnen im öffentlichen Raum installiert, in einem Bereich, den wir gerade umfangreich im Sinne der Klimaanpassung umgestaltet haben. Dort haben wir entsiegelt und jede Menge grün gepflanzt. Das führt zu kühleren Orten und sorgt für eine deutlich verbesserte Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus haben wir mit den Einzelhändlerinnen und -händlern gesprochen, um in der Innenstadt ein Netzwerk an Räumen zu schaffen, in die sich die Menschen bei Hitze zurückziehen können – das kann beispielsweise ein klimatisierter Raum sein. Das haben wir zu einer Kühle-Orte-Karte zusammengefasst und auf unserer Website veröffentlicht.

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1 Kommentar

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  • Philippo1000

    Grundsätzlich gut!



    In unserem eher ländlichen geprägten Land sind allerdings Stadtbegrünungen nur Insellösungen.



    Was negativ auffällt, ist die zunehmende Fällung von Bäumen und Sträuchern an Autobahnen und anderen Straßen.



    Zusammen genommen werden hier Wälder zerstört, die durch einzelne Bäume im Stadtbereich kaum ausgeglichen werden.



    Im Regelfall fällen auch die Städte mehr, als sie neu pflanzen.



    Das Verhältnis 1:1 beim Neupflanzen entspricht übrigens kaum der ökologischen Bewertung des Altbestandes.



    Natürlich begrüße ich die Bemühungen, denen ich auch selbst nachgehe.



    Es nützt allerdings wenig, wenn neue Bebauungspläne Begrünungen vorsehen, die Vorgaben letztlich aber nicht überprüft werden. Dann passiert nämlich: nichts!



    Bei Fassadenbegrünungen sehe ich praktische Probleme.



    Während man*frau mit Wespen und Spinnen leben lernt, hört der Spaß bei Mäusen und Ratten meist auf. Nicht versiegelte Flächen als Einfahrten und Gründächer auf Carports sind hingegen leicht umzusetzen.



    Vorhandene Flachdächer und Gewerbedächer zu begründen wäre durch ganz andere Größenordnungen effizient.



    „Innenverdichtung“ widerspricht übrigens der Kühlungsfähigkeit der Städte.



    Aber: gerne selbst machen!