Trumps Vorwürfe gegen WHO: Der unglaubwürdigste Kritiker

Trumps Kritik an der Weltgesundheitsorganisation ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver – mit falschen Fakten und Unterstellungen.

Profilaufnahme von Donald Trump

Selbst erklärter Viren-Experte: Donald Trump Foto: Patrick Semansky/ap

Es gibt durchaus Anlass zur Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Bevor sie am 30. Januar eine „internationale Gesundheitsnotlage“ ausrief, war sie zu gutgläubig gegenüber der Informationspolitik der chinesischen Regierung, deren „Vertuschungsmanöver“ damals schon von Ärzt*innen des Landes offengelegt wurde. Der Präsident der USA ist allerdings aus aktuellen wie historischen Gründen der denkbar unglaubwürdigste Kritiker der WHO: Wer wie Trump die Coronapandemie noch Mitte März als „harmlose Erkältungskrankheit“ oder „Wahlkampf-Erfindung“ der Demokratischen Partei abtat, der sollte schweigen zu Fehlern der WHO im Januar, als gerade einmal 15 Länder von dem Virus betroffen waren.

Für seine Unterstellung, die WHO habe zu Beginn der Pandemie „mehr gewusst, als sie offenlegte“, blieb der US-Präsident jeden Beweis schuldig. Falsch ist auch Trumps mit der Drohung von Beitragskürzungen verbundene Behauptung, die USA seien der „größte Finanzier“ der WHO. Größter Finanzier ist die private Stiftung von Bill und Melinda Gates. Deren Vermögen besteht überwiegend aus Aktien der zehn weltgrößten Pharmakonzerne, darunter vier aus den USA. Das Budget der WHO stammt heute kaum noch aus demokratisch kontrollierten Beiträgen der Mitgliedsregierungen, sondern zu 80 Prozent von privaten Stiftungen oder unmittelbar aus der Pharma- und der Nahrungmittelindustrie.

Ursache dieser fatalen Privatisierung der WHO und anderer Organisationen des UNO-Systems ist die politisch motivierte finanzielle Strangulation der UNO durch Trumps drei republikanische Vorgänger seit den 80er Jahren: Ronald Reagan, George Busch und George W. Bush.

Mit ihrem erheblichen Einfluss bewirkten die Wirtschaftskonzerne in den letzten 30 Jahren die weitgehende Abkehr der WHO von der Förderung von Basisgesundheitssystemen in den ärmsten Ländern. Sie sabotierten auch Empfehlungen für Gesundheitsversorgung und Ernährung in den reichen Industriestaaten.

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Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte. Von 1988-2020 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz,Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere:UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan... BÜCHER: Reform oder Blockade-welche Zukunft hat die UNO? (2021); Globales Chaos-Machtlose UNO-ist die Weltorganisation überflüssig geworden? (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995) AUSZEICHNUNGEN: 2009: Göttinger Friedenspreis 2004:Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg 1997:Goldpreis "Excellenz im Journalismus" des Verbandes der UNO-KorrespondentInnen in New York (UNCA) für DLF-Radiofeature "UNO: Reform oder Kollaps" geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.

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