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Trumps „Friedensrat“ für GazaWenig stabil

Judith Poppe

Kommentar von

Judith Poppe

Der „Board of Peace“ für Gaza nimmt Gestalt an – es ist ein Produkt der Trump’schen Egomanie. Man sollte wenig auf ihn wetten.

US-Präsident Donald Trump in Sharm El Sheikh, Ägypten, am 13. Oktober 2025 Foto: Eliot Blondet/Pool/imago

D onald Trumps neues Konstrukt nennt sich Friedensrat. Bis vor Kurzem dachten die meisten, dass es dabei um Gaza geht, doch spätestens seitdem die Charta des Rates veröffentlicht wurde, ist klar: Es geht nicht um Gaza. Und natürlich genauso wenig um Frieden (gerade erst hat Trump dem norwegischen Premier erklärt, ohne Friedensnobelpreis fühle er sich überhaupt zu keinem Frieden verpflichtet).

Worum es Trump wirklich geht, ist – Überraschung – die Zerstörung der alten Weltordnung, inklusive der UNO, die ihm schon lange ein Dorn im Auge ist, und der Aufbau einer neuen. Unter seiner absoluten Führung. Das letzte Wort in diesem Rat hat der Vorsitzende – natürlich Trump. Der bestimmt auch darüber, welche Staaten Mitglied werden können und welche es bleiben. Wer einen ständigen Sitz will, zahlt einfach eine Milliarde Dollar. Rechenschaftspflicht? Ach wo. Das avisierte Projekt scheint wie die Wahrwerdung eines langgehegten politischen Trump’schen Traums.

Die große Frage lautet nun: Wird dieses Projekt erfolgreich sein? Das hängt vor allem davon ab, wer Trumps Einladung folgt und seinem Club beitritt. Bisher gingen Einladungen an diverse Staatschefs raus: an den türkischen Präsidenten Erdoğan, Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, Javier Milei aus Argentinien – und auch ihn: Putin. Orbán hingegen hat nicht lang gefackelt und gleich zugesagt. Der neue Friedensrat – eine Achse autoritärer Staaten? Auch Deutschland hat mittlerweile eine Einladung erhalten. Die Reaktion war bisher eher kühl – und das ist auch gut so. Denn wer beitritt, kapituliert vor Trump und seinem erträumten milliardenschweren Machtclub, in dem ohnehin nur einer das Sagen hat.

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Am wahrscheinlichsten wird sein: Der Friedensrat – wenn er denn ins Leben gerufen wird – zerbröselt von selbst. Denn am Ende dürfte die Staaten, die tatsächlich beitreten, wenig verbinden, und eine Weltordnung, die nur vom Ego ihres Gründers zusammengehalten wird, hält nicht auf Dauer. Das bleibt zumindest zu hoffen.

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Judith Poppe
Auslandsredakteurin
Jahrgang 1979, Auslandsredakteurin, zuvor von 2019 bis 2023 Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebiete.
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4 Kommentare

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  • Manchmal ist es verständlich, dass man bei politischen Akteuren wie Trump wütend oder fassungslos reagiert. Aber was machen wir eigentlich als Gesellschaft mit Menschen, die wir als „psychopathisch“ oder „irre“ abstempeln? In einer Demokratie brauchen auch die Unbequemen einen Platz – oder wollen wir wirklich Stimmen verbieten, weil uns ihre Haltung nicht passt? Ich finde, das ist eine gefährliche Richtung. Demokratie lebt gerade davon, dass sie auch Zumutungen aushält, dass wir streiten und widersprechen – aber nicht, dass wir andere einfach zum Schweigen bringen oder ausschließen. Das gilt auch für absurde oder provokante Ideen, sonst bleibt am Ende wenig übrig von demokratischer Streitkultur. Für mich ist Demokratie die Fähigkeit, Unterschiedlichkeit und Widerspruch auszuhalten – nicht die Suche nach der perfekten Gemeinschaft. Vielleicht liegt gerade darin ihre Stärke.

  • Neben den von Ihnen genannten Volldemokraten Trump, Putin, Orban usw. dürfen auch ausgewiesen höchstqualifizierten Mitglieder wie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte und Immobilieninvestor Steve Witkoff nicht unerwähnt bleiben.

    Nebenbei: An wenn ist eigentlich die Beitrittsgebühr von einer Milliarde zu bezahlen? Und bezahlt Orban das aus EU-Geldern?

  • Mann-O-Mann - haben die eingeladenen Herren denn alle Platz im Anus ihres Herrn und Meisters?

  • Trump ist ein Psychpath und dieser Friedensrat und seine Satzung ist das Werk eines Irren- oder ein Beitrag, den man im politischen Kabarett erwarten würde. Man sollte darüber nicht schreiben und niemand sollte dort aufkreuzen und damit Ganze auch nur ansatzweise ernst nehmen.