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Tierische WM-PrognosenDas taz Bestiarium der WM-Orakel

Tiere haben von Fußball keine Ahnung. Trotzdem gelten sie als wahre Seher. Die taz stellt elf Wesen vor, die mal mehr, mal weniger daneben liegen.

Wachtel Walter

Er gilt seinem Wesen nach als reserviert, tippt aber wie ihm der Schnabel gewachsen ist und freut sich schon aufs Wachtelfinale. Die Deutschen sind garantiert dabei, denn bevor er nicht vom deutschen Napf pickt, lassen ihm seine Betreuer vom Zoo Nordhorn keine Ruhe. Gegen Ecuador gewinnt die DFB-Elf natürlich auch irgendwie. Sein Bonustipp: Wird ein Kackspiel. Anders sind die Zeichen auf dem Holztisch kaum zu deuten.

Elefantenbulle Tarak

Der asiatische Elefantenbulle lebt im Kölner Zoo und tippt auf hohem Niveau. Bislang hat das Schwergewicht alle deutschen Spiele richtig vorhergesagt und liegt damit gleichauf mit diesem komischen Vogel aus dem Bundestag in Berlin. Gegen Ecuador hat er den Deutschen eine Niederlage prophezeit. Das ist natürlich sein Vorteil im Spitzenduell mit Klöckner. Er muss sich bei niemandem anbiedern. Tarak gilt ohnehin als unabhängiger Geist.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Goldfisch Swimbappé

Ein als Fußballfeld designtes Bassin in der Innenstadt von Toronto. Darin ein Winzling, der hier wie ein ganz Großer behandelt wird. Vorbeikommende Gruppen skandieren „Swimbappé, Swimbappé“. Der Goldfisch trifft sogar öfter als sein französischer Beinahe-Namensvetter – sowohl ins Netz als auch mit seinen schnörkellosen, für jedermensch verständlichen Prognosen: Nach einem Countdown erschwimmt er in Zeitlupe Tor für Tor. Zu deuteln gibt’s da nichts. Wie er das macht? „Seine Verrücktheit hat Methode“, sagte Bassinbesitzer Tim Glenn. „Wir müssen einfach vertrauen und an Swimbappé glauben.“ Das fällt leicht: Die Trefferquote ist enorm.

Krake Paul 2.0

Ein polarisierender Abklatsch des einstigen Kultkraken, vielleicht nicht mehr als ein Social-Media- oder schlimmer noch RTLII-PR-Gag. Zu sehen jedenfalls dort nach den Nachrichten (!). Paul 2.0 ist ein KI-genierter Tintenfisch, der für seine Prognosen weder auf tierische Intuition noch auf klassische Fußballstatistiken zurückgreift, sondern auf partytalktaugliche Infos wie: Wer hat mehr Tattoos? Welches Team hat die meisten verheirateten Spieler? Und welche Nation bringt die außergewöhnlichsten Rekorde mit? Was das hilft, wie das geht, wie gut er trifft? Weiß nicht mal die befragte KI.

Klöckner Julia

Hält sich meistens im Regierungszoo von Berlin auf, ist weder wasser- noch weinscheu und reagiert auf Regenbogenfarben wie ein Stier auf das rote Tuch. In einem speziell für sie eingerichteten Instagram-Account malt sie sich aus, wie die Spielszenen aussehen könnten, die zu deutschen Toren führen. In Berlin war man so zufrieden mit ihren Prognosen, dass man ihr ein Ticket für das Spiel der Deutschen gegen Ecuador spendiert hat.

Wal Timmy

Deutschlands liebster Meeressäuger war früh für die Rolle als WM-Orakel ausersehen. Vor der Ostseeküste ließ er sich von einer Vielzahl fußballverückter Walfanatiker auf eine Prognosereise vorbereiten. Er sollte tippen, wer Weltmeister wird. Als er an der dänischen Küste strandete, waren die Walhelfer ratlos. Dänemark als Weltmeister? Das Land hatte sich doch gar nicht qualifiziert. Weitere Tipps kann der Buckelwal nicht abgeben. Er ist tot.

Huhn Elfriede

Fünf Jahre ist das Tier alt, das man getrost als stinknormale Henne bezeichnen darf, und ein eher gemütliches Wesen – wie es in einem Fernsehbericht des Senders RegioTV Schwaben heißt. Sie soll sich zwischen zwei mit den Fahnen der Konkurrenten markierten Futtertöpfen entscheiden und gibt so ihren Tipp ab. Beim WM-Auftakt hatte sie auf einen Sieg Curaçaos gegen Deutschland getippt. So blöd kann wirklich nur ein Huhn sein.

Ameisenbär Taio

„Taio bringt die besten Voraussetzungen mit“, heißt es im Allwetterzoo Münster. Das klingt vielversprechend – bis man sieht, wie der Ameisenbär zwischen drei mit Würmern gefüllten Plastikflaschen wählt. Sein Vorgänger, Tapir Theo, lag bei der EM mit seinen Tipps stets daneben. Taio setzt diese Tradition fort: Remis gegen Curaçao, Niederlage gegen die Elfenbeinküste. Oder, frei aus dem Ameisenbärischen übersetzt: „Nagelsmann, pack endlich Undav in die Startelf!“

Trampeltier Gaya

Die Gute stammt aus derselben Stadt wie Fritz Walter – perfekte Voraussetzungen für ein zuverlässiges Fußballorakel. Bis jetzt hat die Trampeltierstute Gaya aus dem Kaiserslauterer Zoo auch immer richtig vorhergesagt. Wie? Indem sie immer den richtigen von zwei identischen Futternäpfen mit Wurzelgemüse und Heu leer gefressen hat. Und zwar den mit der Deutschlandfahne. Gaya ist ein sogenanntes „Futterorakel“. Was viele nicht wissen: Es gibt auch schon Orakelnachwuchs – Khalessi.

Kuh Frieda

Zwei große Haufen Heu, zwei verschiedene Fähnchen, eine Kuh, eine Entscheidung. Das ist das „Muhrakel“. Es heißt Frieda, ist ein weibliches Jungrind mit klassischer Kuhglocke und lebt im Allgäu. Wenn sie nicht orakelt, chillt sie meist wiederkäuend auf den Weideflächen der Jugetalpe. Beim Spiel gegen die Côte d’Ivoire lag das Muhrakel leider falsch. Ist Frieda vielleicht doch etwas zu entspannt? Darauf gibt es für Frieda nur eine Antwort: „Muh.“

Orang-Utan Walter

Der 37-jährige Orang-Utan Walter gilt als Routinier. Seit seinem Umzug zur Heim-WM 2006 nach Dortmund traf er mit seinen Deutschland-Tipps meist ins Schwarze – auch diesmal. Doch vor der Partie gegen Ecuador machte er es spannend: Erst griff er nach beiden Säcken, entschied sich dann für den deutschen. Den durchwühlte er gründlich – wohl auf der Suche nach Bratwurst und Bier. Gefunden hat er beides nicht. Nur ein paar Früchte, Wasser und Eis. Tierpfleger waren auch schon mal cooler.

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