Politiker und WM-Kolumnist: Bundestagsvizepräsident als „Kicker“-Lyriker
Omid Nouripour von den Grünen glaubt, das Land mit seiner Fußballexpertise beglücken zu müssen. Warum eigentlich nur?
Warum sollte ein Berufspolitiker nicht eine Kolumne über die Fußball-WM schreiben? Das könnte man freilich fragen. Naheliegender ist aber die Frage: Warum nur, Omid Nouripour? Sollen die Zeilen des Vize-Bundestagspräsidenten zur WM eine Art Kicker- oder Sport-Bild-Ersatz sein? Dieser Verdacht drängt sich bei der Lektüre der bislang hinterlegten 13 Kolumnen auf. Da informierte der einstige Parteivorsitzende der Grünen seine Leserschaft, dass Boss und Motor von Ecuadors Team ohne Frage Moisés Caicedo sei. Mit Blick auf die Elfenbeinküste warf er die Frage auf: „Doch funktionieren die ‚Elefanten‘ auch als Team?“
Ein guter Schuss Patriotismus darf bei einem Mitglied einer Partei, die sich in der Mitte verortet, nicht fehlen: „Aber wir sind Deutschland, natürlich wollen wir den fünften Stern.“ Frank und frei bekennt er, in Sachen Spanien nachtragend zu sein, des Handspiels von Cucurella beim EM-Viertelfinale wegen, was den Deutschen das Ausscheiden beschert hat. Mainstreamiger kann ein deutscher Fußballfan kaum schreiben.
Darüber hinaus lässt das Mitglied des Deutschen Bundestages vor dem WM-Halbfinale wissen, dass seine Liebe zum spanischen Fußball mittlerweile erkaltet ist, weil die Grundstruktur der Mannschaft nicht auf Kreativität, sondern auf reinste Effizienz ausgelegt sei.
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„Kicker“-Lyrik von Nouripour
Sendungsbewusstsein mag für Parlamentarier nichts Besonderes sein. Aber weshalb der „glühende Eintracht-Fan“ scheinbar glaubt, das Land mit seiner Fußballexpertise beglücken zu können, bleibt rätselhaft. Dass er zwischendurch auch Sportpolitisches zum Thema macht, nimmt dem Ganzen nur wenig an Peinlichkeit.
Gut, man könnte einwenden, dass sein Pendant in Spanien, der frühere Regierungschef Mariano Rajoy, seine WM-Kolumnen nutzt, um rechtspopulistische Themen zu setzten. Dann doch lieber Kicker-Lyrik von Omid Nouripour, der wohl vor allem auch als Fußballfan gemocht werden will. Er ist nicht der erste Politiker, der glaubt, dass das für die alltägliche Arbeit nicht von Schaden sein kann, wenn man sich die Popularität des Fußballs zunutze macht.
Dass diese WM nur so kurze Zeit angedauert hat, ist gewiss bedauerlich für Nouripour. Möglicherweise hofft er, in den Kreis der Kicker-Kolumnisten berufen zu werden. Er könnte weiter über Fußball schreiben – vielleicht im Wechsel mit Julian Nagelsmann.
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