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Suche nach GlückOkay, ok, Ok, o.k., O.K.

In Dokus und Ratgebern wird das Streben nach einem glücklichen Leben propagiert. Dabei ist es doch völlig okay, einfach bloß okay zu sein.

Sie tut was sie soll – und das ist doch ok, oder? Foto: Jochen Tack/imago

D ie Suche nach Glück ist allgegenwärtig. So gibt der Glücksforscher Arthur C. Brooks in einer Online-Kolumne Tipps für ein glücklicheres Leben. Die Autorin Ronja von Rönne beschäftigt sich in der Arte-Sendung „Unhappy“ mit unterschiedlichen Aspekten des Glücklichseins. Und heute Morgen erfahre ich, kaum habe ich das Radio eingeschaltet, wie ich mir eine „Pause vom Pflichtgefühl“ nehmen kann und auf die „Spur der Freude“ komme.

Puh! Ehrlich gesagt verursacht die allgegenwärtige Suche nach dem Glück genau das bei mir: Pflichtgefühl. Denn vielleicht möchte ich ja gar nicht das Glück finden: Ich finde und fühle mich okay.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Das Wort „okay“, oder auch ok, Ok, o.k., O.K. kommt aus dem Amerikanischen und wird im deutschen Sprachgebrauch mit „in Ordnung“ oder „einverstanden“ übersetzt. Zugegeben: Es ist vielleicht nicht das aufregendste aller Gefühle. Aber ich finde, dass das Mittelmaß zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. Es mutet zwar etwas langweilig an, dafür vermittelt es Beständigkeit und Zuverlässigkeit.

Ein gutes Bild dafür ist mein Besuch im Supermarkt. Dort bin ich körpergrößenbedingt nämlich näher an den unteren Regalfächern als an den oberen mit den Luxusprodukten. Meine Augen erreichen trotzdem die sogenannte „goldene Zone“, in der Supermarktbetreibende solide Markenprodukte platziert haben. Doch manchmal sind angebotshalber auch die De-luxe-Produkte runtergerutscht und damit greifbar. Überkommt mich da etwa ein Glücksgefühl?

Als jemand, der nimmermüde unglückliche Gedanken hegt, verstehe ich das Okaysein als dankbares Gut

Na sicher, denn ich habe schließlich gar nichts gegen das Glück. Als jemand, der nimmermüde auch unfreiwillig unglückliche Gedanken hegt, verstehe ich das Okaysein aber als dankbares Gut. Um im Bild des Supermarktregals zu bleiben: Ich befinde mich in der unteren Mitte, aber manchmal geschieht etwas Exquisites. Hätte ich das Glück ständig um mich herum, wüsste ich es vermutlich nicht richtig zu schätzen und würde schnell mehr erwarten.

Das Glück wird im Kapitalismus aber nicht nur mit freudigem Wohlergehen, sondern auch mit Fortschritt, Erfolg und Anerkennung synonymisiert. Nach diesem Maßstab habe ich es von unten (hier können klassistisch-rassistische Erfahrungen eingefügt werden) nach oben (ein Hochschulabschluss) geschafft. Aber dann habe ich aufgehört, mehr erreichen zu wollen. Kein Master, kein Volontariat, keine Auslandsaufenthalte.

Ich mache noch immer die Arbeit, die ich in meiner Studienzeit angefangen habe. Und ein paar andere Dinge auch. Ich mag meine Arbeit, sie ist okay. Manchmal ist sie nur mein Broterwerb, manchmal auch die bretonische Butter oben drauf. Aber vor allem erlaubt sie mir den großen Luxus, nicht in Vollzeit arbeiten zu müssen. Mehr möchte und brauche ich nicht.

Ist es okay, sich damit zufriedenzugeben? Ich frage eine Suchmaschine. Sie empfiehlt mir, mich auf die Recherche nach der Ursache für meine Genügsamkeit zu begeben. Laut dem Suchergebnis gelten meine Symptome als antriebslos. Okay, vielleicht ist „okay“ doch nicht so okay.

Ein anderes Ergebnis zitiert hingegen die beliebte Podcast-Psychologin Stefanie Stahl, nach deren Ansicht „okay“ etwas Positives ist, es bedeute Selbstakzeptanz. Und genauso sehe ich das auch. Für mich bedeutet es Zufriedenheit. Ich möchte nicht (mehr) ständig an meinen Gefühlen und in meinem Leben herumreparieren.

Nach einem langen Tag, an dem ich mit Freun­d*in­nen an Fahrrädern geschraubt habe, holen wir uns der Einfachheit halber eine Pizza von nebenan. Während sie einigen nicht schmeckt, sagt eine Bekannte trocken: „Sie tut, was sie soll.“ Und das ist doch total okay, oder?

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11 Kommentare

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  • youtu.be/5HLv1SZyP...i=LUAeoXbhz7iETv7J

    Und noch eine Empfehlung:



    „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg" von Alexandra Reinwarth.

  • „Und er spricht: ,Die größte Freud



    ist doch die Zufriedenheit.' "



    (Wilhelm Busch - Lehrer Lempel)

  • Wenn einem nicht okay zumute ist, kann man sich, wie bei mir gerade zwischen dem Text angezeigt, „mit den besten Massagepistolen für Tiefgewebetherapie“, nun ja, „erholen“ (?). Sachen gibt’s.

    Gegen persönliches Wachstum ist nichts einzuwenden, z.B. hat man als Stadträtin mehr Hebel in der Hand, den ökologischen und sozialen Umbau der Gesellschaft voranzutreiben als auf einem Studentenjob (wobei der Vergleich ein wenig hinkt, man kann durchaus beides sein).



    Die meisten dieser mentalen Wellnessangebote und Selbstoptimierumgen laufen aber letztlich auf nur noch mehr Konsum hinaus (siehe Wellnessmassagepistole). Insofern mein Rat an die Autorin: besser doch den Radiosender wechseln.

  • Spricht mir aus der Seele. Das ganze Streben nach einem "optimalen" Leben ist für mich das Gegenteil von Glück.

  • Das Wort "okay" ist ja gruselig, ansonsten sehe ich ein Recht darauf, nicht "glücklich", "euphorisch", "total happy", "echt gut drauf" oder ärger drauf sein zu müssen.



    Schön, wenn jemand solche großen Ausschläge hat oder auch nur glaubt demonstrativ äußern zu müssen. Schön dabei auch, wenn nicht.



    Eine Prise Stoa tut's manchmal auch.

  • Das Glück – kein Reiter wird's erjagen.



    Es ist nicht dort und ist nicht hier.



    Lern überwinden, lern entsagen,



    und ungeahnt erblüht es dir.



    Theodor Fontane

  • Wenn du okay damit bist okay zu sein, dann hast du dein Glück bereits gefunden und es nichtmal gemerkt ;)

  • Oh je, dass die Autorin nicht in Vollzeit arbeitet, wird Friedrich Merz nicht gefallen.

  • Genügsamkeit gilt in nicht wenigen Gesellschaften tatsächlich als Ideal. Mit dem Kapitalismus ist das wohl nicht so kompatibel.

    Wenn ich meiner Umgebung nicht ambitioniert genug erscheine, sage ich: Ist Euer Problem, nicht meins.



    Und mümmle weiter mein völlig ausreichendes Brot.

  • Von John Donne ( Death’ Duell, 1631) für ein glückliches Leben lernen :



    „Zuerst betrachten wir diesen exitus mortis als liberatio a morte, dass bei Gott, dem Herrn, die Ausgänge des Todes sind; und deshalb dürfen wir in all unserem Tod und in allen tödlichen Widrigkeiten dieses Lebens zuversichtlich auf ein gutes Ende von ihm hoffen. In all unseren Übergängen und Übergangszeiten im Leben gibt es so viele Passagen vom Tod zum Tod; unsere Geburt und der Eintritt in dieses Leben sind ein exitus a morte (ein Ausgang vom Tod), denn im Mutterleib sind wir tot, so dass wir nicht wissen, dass wir leben, nicht mehr als wir es im Schlaf wissen. Und kein Grab ist so eng oder so verrottet wie das Gefängnis des Mutterleibs, wenn wir zu lange darin bleiben oder dort vor der Zeit sterben würden. Im Grab töten uns nicht die Würmer; wir vermehren und nähren sie und töten dann die Würmer, die wir selbst hervorgebracht haben.“

  • Vermutlich ist es ein Ausdruck unser gesellschaftlichen Zurichtung, wenn okay nicht okay ist für uns.

    Der Kapitalismus ist auf Wachstum fixiert. Das Wachstum stabilisiert ihn. Wenn nämlich für die Leute am unteren Ende der Nahrungskette nicht mehr ständig ein paar Krümel zusätzlich abfallen, weil die am oberen Ende gar nicht so viel verkonsumieren können, wie sie in den Rachen gesteckt kriegen, wird es ungemütlich. Und zwar nicht nur ganz unten. Mehr Wachstum aber gibt es nur, wenn Adam und Eva Westmensch ständig an sich herumoptimieren - am besten, in dem sie immer mehr immer teureres Zeug konsumieren, das immer billiger hergestellt wird. Dazu braucht es das dumme Gefühl, okay wäre schlicht nicht in Ordnung.

    Sicher, man kann dieses Spiel mitspielen. Man kann sich zu dem Zweck sogar von einer KI lenken lassen, die Menschen verantworten, die nie reich genug werden können aus ihrer eigener Sicht. Nur: Okay wäre das nicht. Auch nicht O.K. oder ok. Es wäre das Gegenteil von in Ordnung. Es wäre schlicht doof.