Siedlergewalt im Westjordanland: Mehr als zwei Angriffe pro Tag
Das israelische Militär selbst dokumentierte im Jahr 2025 insgesamt 867 Angriffe von Siedlern auf Palästinenser. Selten werden die Täter verurteilt.
Foto: Ohad Zwigenberg/ap
Die Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland nimmt zu. Das sagen nicht nur Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen – sondern jetzt auch das israelische Militär. Die Zahlen wurden von israelischen Medien, unter anderem Times of Israel, veröffentlicht. Demnach gab es 2025 eine Steigerung bei sogenannten „nationalistischen Verbrechen“ um 27 Prozent. Genau 867 Zwischenfälle zählten das Militär und der Geheimdienst Schin Bet, das sind etwa 2,4 Fälle pro Tag. Im Jahr 2024 waren es noch insgesamt 682 Fälle.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Tendenz – vor allem, wenn man auf die Daten der Jahre 2019 bis 2021 zurückblickt: Damals registrierten die israelischen Behörden etwa zwischen 340 und 450 Fällen pro Jahr. Noch deutlicher ist der Trend bei besonders schweren Verbrechen wie Brandstiftung und bewaffneten Überfällen: Diese haben seit 2024 um mehr als 50 Prozent zugenommen.
Das Militär zeigt auf eine Gruppe von etwa 300 extremistischen Siedlern, die in illegalen Außenposten leben. Ein anonymer Offizier erklärte gegenüber der Zeitung Ha'aretz hingegen, die Attacken hingen mit der zunehmenden Zahl von illegalen israelischen Farmen im Westjordanland zusammen. Etwa 100 seien seit dem 7. Oktober 2023 entstanden.
Die aktuelle, rechte Regierung wird oft beschuldigt, bei selbst nach israelischen Recht illegalen Außenposten ein Auge zuzudrücken. Sie treibt außerdem den Ausbau von nach israelischem Recht legalen und internationalem Recht illegalen Siedlungen aktiv voran. Weiter hat sie mehrere Außenposten nachträglich legalisiert – selbst solche, aus denen laut Aktivist*innen Gewalt gegen Palästinenser*innen hervorgegangen ist.
Deutlich weniger palästinensische Terrorangriffe
Kritiker*innen und NGOs werfen zudem israelischen Sicherheitsbehörden vor, nicht genug gegen israelischen Terrorismus zu unternehmen. Selten werden gewalttätige Siedler*innen verurteilt. Gegen 39 von ihnen sind inzwischen einstweilige Verfügungen anhängig, die jedoch bislang wenig Wirkung gezeigt haben.
Außerdem wurde vergangenes Jahr die Verwaltungshaft für Israelis de facto abgeschafft, während sie für Palästinenser*innen weiterhin besteht. Dabei folgt palästinensische Gewalt im Westjordanland dem entgegengesetzten Weg der israelischen: Laut Militär gab es 2025 lediglich 57 Terrorangriffe, 2024 waren es 258 und im Jahr 2023 sogar 847.
Die Zahlen der IDF unterscheiden sich von denen der Vereinten Nationen. Das kann mehrere Gründe haben: Einerseits ist die Hemmschwelle bei Palästinenser*innen hoch, wenn sie Israelis bei israelischen Behörden anzeigen sollen. Andererseits werfen die IDF den UN-Zahlen immer mal wieder vor, nicht verifizierte Berichte und doppelt gezählte Zwischenfälle zu enthalten.
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