Russischer Drohnenangriff: Brand in der Sperrzone um Tschornobyl
Bei einem Drohnenangriff auf ein Atommülllager 15 Kilometer vom Reaktor brach ein Brand aus. Die Strahlenbelastung blieb innerhalb der zulässigen Grenzwerte.
Ein russischer Drohnenangriff hat das Zentrale Lager für abgebrannte Brennelemente in der Sperrzone von Tschornobyl getroffen. Es befindet sich rund 15 Kilometer von der Reaktoranlage entfernt. Nach Angaben des ukrainischen staatlichen Unternehmens Enerhoatom, Betreiberin aller ukrainischer AKW, wurde dabei ein Gebäude auf dem Gelände beschädigt. Verletzt wurde niemand. Die ukrainischen Behörden betonten, dass die Strahlenbelastung auf dem Gelände weiterhin innerhalb der zulässigen Grenzwerte liege. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe derzeit nicht.
Der Angriff ereignete sich in der Nacht zu Sonntag. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich dort jedoch kein abgebranntes Kernbrennmaterial. Nach dem Einschlag brach ein Brand aus, der sich auf etwa 40 Quadratmeter ausdehnte. Einsatzkräfte konnten das Feuer innerhalb kurzer Zeit unter Kontrolle bringen und vollständig löschen.
Mitteilung der ukrainischen Behörde Enerhoatom
Am Ort des Einschlags wurden nach Angaben des Generalstabs Überreste einer russischen Drohne vom Typ Shahed gefunden. Das Lager dient der Aufbewahrung abgebrannter Brennelemente aus drei ukrainischen Kernkraftwerken.
„Der jüngste Angriff auf eine kerntechnische Anlage hat der ganzen Welt einmal mehr das wahre Gesicht des Kreml-Regimes vor Augen geführt, das bewusst die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz gefährdet“, kommentiert Enerhoatom den Angriff. „Russland agiert weiterhin als Terrorstaat und Nuklearterrorist, missachtet das Völkerrecht und die Sicherheit von Millionen von Menschen.“
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
IAEA-Experten wollen Schäden untersuchen
Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Angriff auf ein Objekt der kritischen Infrastruktur. „Derzeit liegen die Werte der Hintergrundstrahlung nicht über den Grenzwerten. Aber was angestiegen ist, ist die ohnehin schon himmelhohe russische Unverschämtheit“, zitiert focus.ua den Präsidenten.
Nach Angaben des Telegram-Kanals von Enerhoatom wollen Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) das Zentrale Lager für abgebrannte Kernbrennelemente in der Ukraine inspizieren, um das Ausmaß der Schäden nach dem jüngsten Drohnenangriff zu bewerten.
Gleichzeitig hatte Generaldirektor Rafael Grossi seine Besorgnis über den Vorfall geäußert. Das Zentrale Lager für abgebrannte Brennelemente in der Tschornobyl-Sperrzone wurde errichtet, um Brennstoff aus ukrainischen Kernkraftwerken langfristig zu lagern. Die Anlage ging Anfang der 2020er Jahre in Betrieb und ersetzte die frühere Praxis, abgebrannte Brennelemente zur Aufbereitung nach Russland zu transportieren.
AKW Saporischschja hat eigenes Atommülllager
Von Anfang an ausgenommen aus den Planungen war das AKW Saporischschja. Dieses lagert seinen Atommüll direkt vor Ort. Auch Saporischschja ist immer wieder Ziel russischer Drohnenangriffe. Im Umfeld des Reaktors von Tschornobyl, der 30-Kilometer Sperrzone, gibt es mehrere Lagerstätten für Atommüll. Hier lagert hochaktiver Müll, der durch die Katastrophe vom 26. April 1986 angefallen ist. Hinzu kommen abgebrannte Brennstäbe aus dem laufenden Betrieb von drei weiteren ukrainischen AKW und strahlender Müll aus medizinischen Einrichtungen.
Auf einer Pressekonferenz am 9. April dieses Jahres berichtete der Direktor des AKW Tschornobyl, Serhij Tarakanow, auf dem Areal der 30-Kilometer-Zone lagerten 18.536,26 Kubikmeter flüssiger und 2.502 Kubikmeter fester Atommüll. Gleichzeitig hatte Tarakanow auch Angriffe auf das Areal als gefährlich eingestuft, die nicht direkt in eine Anlage einschlagen.
Einschlag könnte Folgen „wie ein lokales Erdbeben“ haben
Ein Einschlag in direkter Nähe zu einem Objekt der Atomanlagen könne wie ein lokales Erdbeben mit entsprechenden Folgen wirken, hatte er gewarnt. Der jüngste Angriff reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, bei denen nukleare Einrichtungen in der Ukraine von den Auswirkungen des Krieges betroffen waren.
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