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Ruhm und GeldNon olet – oder doch?

Alle hängen am Geld: Eine Ökoaktivistin klebt sich an einer Münzvitrine fest, ein Schüler findet Geld und Herr Gold will nicht, dass Trump sein Lied singt.

Geld oder Ruhm, das ist hier die Frage Foto: Jan Woitas/dpa

Pecunia non olet – Geld stinkt nicht. Das berühmte Bonmot soll vom römischen Kaiser Vespasian stammen, der eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Dass man Geld seine Herkunft aus unsauberen Quellen nicht nachweisen kann, weswegen man mit ihm allerhand reinwaschen kann, wollen bis heute viele nicht akzeptieren.

Ob die Aktivistin der Ökotruppe Letzte Generation laut „Olet!“ rief, als sie sich an eine Vitrine im Münzkabinett des Berliner Bodemuseums klebte, ist nicht überliefert. Nur, dass sie sich bei ihrer Aktion als Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verkleidet hatte. Damit wollte sie laut Letzte Generation eine mangelnde Distanz Reiches zur Wirtschaft und damit zum großen Geld anprangern.

Kostengünstig war die polizeiliche Loslösung der Angeklebten von der Vitrine bestimmt nicht. Ob sie genug Aufmerksamkeit auf die fragwürdige Energiepolitik der fossillastigen Ministerin zu lenken vermag, sei dahingestellt.

Ein 13-jähriger Berliner Schüler, der sich nach der Devise non olet nach einer im Acker liegenden Münze bückte, hat dagegen mit dieser kleinen Aktion für ein Riesenaufsehen gesorgt: Das auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in Spandau gefundene Geldstück soll laut Archäologen aus der griechischen Antike, genauer: dem 3. Jahrhundert vor Christus, stammen und besitzt Seltenheitswert. Es zeigt, deutlich zu erkennen, die Göttin Athene mit Helm und Speer.

Athene ist die griechische Göttin der Weisheit und des Kampfes – und fast wünschte man sich, Trump mit seiner Vorliebe für alles, was glänzt, hätte sie im Golfrasen von Mar-a-Lago gefunden. Er hätte sie in eine Privatvitrine stecken können und in Ruhe betrachten. Statt sich die eigene Biografie mit synthetischem Goldstaub zu überpudern, konkret: mit dem Wunsch nach ewiger Jugend. Dagegen wehrt sich jetzt die Münsteraner Synthiepop-Band Alphaville, mit deren 80er-Jahre-Hit „Forever Young“ Trump einen biografischen Bilderreigen auf seinem Social-Media-Kanal hinterlegt hat.

Gezeichnet: Herr Gold

Gegen diesen Missbrauch wehrt sich die Band nun auf Instagram: „Da wir, die Band Alphaville, Trumps politischen Ansichten in keiner Weise zustimmen und sie sogar weitgehend verabscheuen, werden wir dafür sorgen, dass dieser Beitrag unverzüglich aus dem Internet entfernt wird.“ Unterschrieben hat der Songschreiber der Band mit dem passenden Namen: Marian Gold.

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