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Rücktritt der Regierung in BulgarienKein Ausweg aus der Krise

Kommentar von

Barbara Oertel

Der Staat im Balkan fällt immer wieder mit Korruptionsfällen und anderen politischen Krisen auf. Die aktuelle Regierung ist nun zurückgetreten.

S o schnell kann es gehen: Mit ihrem Rücktritt,und das kurz vor einem geplanten Misstrauensvotum, ist die Regierung in Bulgarien Geschichte – wieder einmal. Erreicht haben das Tausende, darunter viele junge Bulgar*innen, die auf die Straßen gingen und das gefordert hatten. Auch ein strittiger, schließlich zurückgezogener Haushalt für 2026 – nicht viel mehr als ein Placebo – konnte die Proteste nicht stoppen.

Die Frustration der Menschen ist verständlich. Nach wie vor ist der Balkanstaat, seit 2007 Mitglied der EU, ein Hort der Korruption, und das bis in die höchsten Etagen der Macht. Die Personalisierung für dieses scheinbar unausrottbare Übel, gepaart mit Intransparenz und der Arroganz der Mächtigen, ist zuvörderst mit den Namen zweier Männer verbunden: Bojko Borissow und Deljan Peewski.

Borissow, langjähriger Premier und aktuell Chef der regierenden Mitte-rechts-Partei Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens (Gerb), hat nichts dafür getan, diese offensichtlichen Defizite in Bulgarien zu beheben. Im Gegenteil: Die bisherige Regierung verantwortet die Schwächung demokratischer Institutionen, die Politisierung der Justiz sowie die Inhaftierung politischer Gegner. Hinzu kommen Borissows Flirtversuche mit US-Präsident Trump und die Ablehnung der Nutzung russischer Aktiva zur Unterstützung der Ukraine. Der international sanktionierte Oligarch Deljan Peewski, dessen Partei Bewegung für Rechte und Freiheiten die Regierung stützte, weiß nur zu gut in die eigene Tasche zu wirtschaften.

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Dieses Gebaren ist jungen Leuten nicht mehr zu vermitteln. Sie blicken in Richtung Europa. Deshalb adressieren sie ihre Proteste auch an die EU. Doch die ist bislang passiv. Die EVP, der die Gerb angehört, hält ebenfalls ihre schützende Hand über Borissow. Nun dürften Bulgarien wieder Neuwahlen ins Haus stehen – die achten seit 2020. Einen Ausweg aus der politischen Krise werden auch sie nicht weisen. Am 1. Januar tritt Sofia der Eurozone bei. Keine guten Aussichten!

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Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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3 Kommentare

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  • Real korrupt vrs. korruptionsanfällig

    Was dieser Bericht vornehm verschweigt, ist der unmittelbare Anlaß der Proteste, der Haushaltsplan für 2026 mit drastischen Erhöhungen von Steuerrn und Sozialversicherungsbeiträgen. Das Oppositionsbündnis „Wir setzen den Wandel fort - Demokratisches Bulgarien“ hatte den Entwurf als korruptionsanfällig kritisiert und zu den Protesten aufgerufen.

    Folglich war es nicht etwa die plötzliche Aufdeckung eines ganz konkreten 100-Mio-$-Korruptionsskandals in der Bel Etage der Macht-Pyramide wie einige hundert Kilometer weiter östlich, was die Massenproteste auslöste, sondern schon der als „korruptionsanfällig“ kritisierte Haushaltsentwurf. In Sofia ist obdessen also die gesamte Regierung zurückgetreten.

    Finde den Unterschied.

  • Am schrägsten fand ich ja letzte Woche im WDR die Behauptung, dass die Leute allein des Euros wegen protestiert hätten. Bin froh, wenigstens hier die tatsächlichen Gründe lesen zu dürfen.

  • Zumindest haben die Bulgaren scheinbar begriffen, dass mit Rechtskonservativen kein Staat zu machen ist. Auch mit "freien Märkten" nicht. Der Euro, an den die bulgarische Währung ohnehin gebunden war, wird nun noch weiteres Unheil in der heimischen Wirtschaft anrichten.



    Eine Lösung für Bulgarien und Bulgaren? Natürlich nicht in Sicht. Läuft!!!