Reiche zu Besuch in China : Fairtrade ist aussichtslos
Bei Xi Jinping bemüht sich Katherina Reiche um faireren Wettbewerb. Aber um Deutschlands drohende Deindustrialisierung schert sich dort keiner.
Foto: Johannes Neudecker/dpa
V iele der deutschen Firmenmanager in China leiden wohl unter selektiver Wahrnehmung, gepaart mit Gedächtnisschwund. Noch vor wenigen Jahren forderten sie von ihrer Regierung, sich bloß mit Kritik während ihrer Peking-Besuche zurückzuhalten. Die Harmonie der bilateralen Beziehungen sollte schließlich nicht gestört werden. China sei die Zukunft, hieß es immer wieder.
Nun haben wir den Schlamassel – zumal einen, bei dem die Wirtschaftsvertreter plötzlich doch die Politik zu Hilfe rufen. So sehen laut einer Befragung der deutschen Handelskammer in China immer mehr Unternehmen die Bundesregierung in der Pflicht, sich für fairen Wettbewerb einzusetzen.
Kritik gegenüber der chinesischen Regierung kommt der Handelskammer nach wie vor nur äußerst indirekt über die Lippen. Zu sehr wirkt die Selbstzensur.
Doch im Zuge der China-Reise von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigt sich: Die kurzfristigen Geschäftsinteressen deutscher Unternehmen decken sich keineswegs immer mit den volkswirtschaftlichen Interessen. Im Falle Chinas ist manchmal das Gegenteil der Fall: Denn ähnlich wie deutsche Konzerne ihre massive Russland-Abhängigkeit spätestens seit Februar 2022 bereuen, könnte sich ein ähnlicher Super-GAU in wenigen Jahren erneut wiederholen.
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„Interessen nicht klar genug benannt“
Nur ist die Gravitas der chinesischen Wirtschaftsmacht ungleich stärker. Als Putin seine Panzer gen Kyjiw rollen ließ, zogen sich die meisten deutschen Firmen aus Russland zurück. Wenn aber Xi seine Volksbefreiungsarmee in Taiwan einmarschieren lassen sollte, wie würde sich dann etwa Volkswagen entscheiden? VW verkauft nach wie vor über 30 Prozent seiner Neuwagen im Reich der Mitte.
„Wir haben unsere Interessen in der Vergangenheit nicht klar genug benannt“, sagte Katherina Reiche vor ihrer China-Reise. Aber Staatschef Xi Jinping hat nie einen Hehl aus seinen strategischen Interessen gemacht, und dass er auf die Deutschen höchstens am Rande Rücksicht nimmt. Doch die haben sich viel zu lange geweigert, genau hinzuhören.
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