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Regionaler WohlfahrtsindexWie wohlhabend ist Berlin?

Erstmals wurde der Regionale Wohlfahrtsindex (RWI) für das Land Berlin berechnet. Ungleichheiten bestehen vor allem beim Einkommen.

Die Lebensqualität der Ber­li­ne­r*in­nen steigt nicht im gleichen Maße wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zu diesem Schluss kommt die Studie zur Berechnung des Regionalen Wohlstandsindex (RWI) Berlin des Institutes für Interdisziplinäre Forschung Heidelberg (Fest), die die Grünenfraktion am Dienstagvormittag im Abgeordnetenhaus vorstellten.

Das BIP misst die reine wirtschaftliche Leistung eines Landes, während der Wohlfahrtsindex auch die Lebensqualität erfassen will und neben Konsumverhalten auch Komponenten wie Hausarbeit und Ehrenamt hinzuzieht. Auf nationaler Ebene gibt es den Wohlfahrtsindex schon seit 2009. Erstmals wurde der Index nun auch für das Land Berlin gesondert berechnet. Der Bericht dazu ist öffentlich einsehbar.

„Das Bruttoinlandsprodukt wird nur auf dem Merkmal Wachstum beschrieben – das ist ein Fehler“, kritisierte Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen Berlin. Deswegen ergänzt der RWI das BIP um soziale und ökologische Komponenten. Wohlfahrtsstiftende Komponenten, die im BIP nicht erfasst werden, sind Haus- und Familienarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Digitalisierung und Ökosystemleistungen, also monetäre Vorteile, die aus einem intakten Ökosystem entstehen.

Als wohlfahrtsmindernd werden zum Beispiel die Kosten berechnet, die durch Ungleichheit, Verkehrsunfälle, Kriminalität, Luftverschmutzung oder Naturkatastrophen entstehen. Am Ende steht eine Punkteskalierung, ähnlich wie beim BIP. Im Erhebungszeitraum der Studie von 1999 bis 2024 ist der RWI von 105 auf 120 Punkte gestiegen. Was erstmal positiv wirkt, relativiert sich im Vergleich zum BIP, das von 99 auf 152 Punkte gestiegen ist, und damit dreimal so stark wie der RWI.

Große Einkommensungleichheit in Berlin

Ein Grund ist die Einkommensungleichheit, die in Berlin noch stärker gestiegen ist als im bundesweiten Vergleich. So liegt der Gini-Koeffizient, eine Maßgröße für Einkommensungleichheit, für Berlin bei 0,32, während er deutschlandweit nur bei 0,3 liegt. Das größte Potenzial für die Erhöhung des Wohlstands sieht Benjamin Held, Leiter des Arbeitsbereichs „Nachhaltige Entwicklung“ beim Fest, in der Verringerung der Einkommensungleichheit.

In einer hypothetischen Rechnung der For­sche­r*in­nen würde der RWI um 17 Punkte ansteigen, wenn die Einkommensungleichheit auf dem gleichen Niveau wie 1999 wäre. Damals betrug der Gini-Koeffizient nur 0,26. Um weitere 9 Punkte könnte man den RWI außerdem steigern, wenn die Energie- und Klimaziele, die sich Berlin bis 2030 gesetzt hat, auch tatsächlich erreicht würden. Held sieht den Nutzen des RWI vor allem darin, dass er Debatten anstoßen kann.

„Die Zahl ist nicht allumfassend, aber der RWI spiegelt wider, was das Bestreben von Politik sein muss“, sagte Graf. Aus den vorliegenden Zahlen zieht er drei Schlüsse für Berlin: Wirtschaft stärken, Einkommensunterschiede verringern, Klimaneutralität erreichen. Für diese Ziele will er zum Beispiel Erbschafts- und Vermögenssteuer reformieren, Gebäude für eine größere Klimaanpassung sanieren und die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen.

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