Reformvorschläge für Krankenhäuser: Im Notfall nicht gleich Klinik
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will die überlastete Notfallmedizin reformieren. Dafür sollen unter anderem Leitstellen aufgebaut werden.
Zu wenig Personal, zu viele Patient*innen, zu lange Wartezeiten: Die Notaufnahmen an Krankenhäusern kommen deutschlandweit immer wieder ans Limit. Eine Reform soll nun Abhilfe schaffen. „Das Krankenhaus muss im Notfall nicht immer die erste Adresse sein“, sagte Karl Lauterbach (SPD) bei der Vorstellung erster Reformvorschläge am Montagnachmittag.
Es ist die nächste große Baustelle, die der Bundesgesundheitsminister anzugehen verspricht. Bereits im Dezember hatte eine Regierungskommission einen Vorschlag für die Reform der unter Personalnot und Wirtschaftlichkeitsdruck ächzenden Krankenhäuser vorgestellt. Auch in der Notfallmedizin beklagen Beschäftigte seit Jahren eine massive Überlastung, die das Patien*innenwohl gefährde.
Damit künftig gar nicht erst so viele Patient*innen in der Notaufnahme landen, sieht der Reformvorschlag unter anderem den Aufbau Integrierter Leitstellen vor. Wer die Notfallnummern wählt, erhalte dann eine Ersteinschätzung durch medizinische Fachkräfte – unter anderem per Telemedizin und mit Empfehlung für die Weiterbehandlung.
Eigene Notfallzentren für Kinder und Jugendliche
Außerdem solle die Notfallversorgung an den Krankenhäusern selbst neu organisiert werden. In Integrierten Notfallzentren würden die Patient*innen je nach Dringlichkeit in die klassische Notaufnahme oder in eine Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung verwiesen. Für Kinder und Jugendliche soll es eigene Notfallzentren geben. Der Bedarf war zuletzt in der Infektwelle im November und Dezember deutlich geworden.
Laut Bundesgesundheitsministerium soll sowohl die Reform der Notfall- als auch der Krankenhausversorgung „noch in dieser Legislaturperiode“ gesetzlich umgesetzt werden.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert