Rechte Krawalle zur EM 2016 in Lille: Sächsischer Beamter suspendiert
Bei der Fußball-EM 2016 in Frankreich randalierten deutsche Neonazis in Lille. Mit dabei: ein sächsischer Beamter, der nun freigestellt wurde.
Ein zwei Jahre altes Foto aus dem nordfranzösischen Lille hat laut einem Medienbericht dazu geführt, dass ein Beamter des sächsischen Finanzministeriums vom Dienst freigestellt wurde.
Das Foto zeigt Männer, die während der Fußball-Europameisterschaft 2016 vor dem Bahnhof in Lille posieren – mit Reichskriegsflagge und dem Banner „Dresden-Ost“. Wie die Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) berichtet, ist auf dem Foto offenbar auch ein junger Beamter der sächsischen Finanzverwaltung zu sehen. Das Ministerium hat bereits auf die Vorwürfe reagiert und den Beamten suspendiert.
Offengelegt hatte die brisante Personalie laut DNN bereits Ende 2017 das Antifa-Rechercheteam Dresden in einem Blog-Eintrag. Die Beobachter der rechtsextremen Szene hatten den Beamten aus dem sächsischen Finanzministerium, der auch auf dem Bild zu sehen sein soll, nach eigenen Angaben zuvor schon bei ausländerfeindlichen Demos gesehen und rechnen ihn der rechten Fangruppierung „SGD (Sportgemeinschaft Dynamo) Supporters Bautzen“ zu. Er gelte als Aktivist der ostsächsischen Naziszene, so die DNN.
Nach Bekanntwerden des Fotos sei der Mann zum Jahresbeginn zunächst in eine andere Behörde versetzt worden. Zugleich sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Inzwischen, so bestätigt Ministeriumssprecher Stephan Gößl der DNN, sei der betroffene Beamte „vorläufig vom Dienst freigestellt worden“. Seine Bezüge seien teilweise einbehalten worden.
Französische Ermittler kontaktierten deutsche Behörden
Nach DNN-Recherchen beschäftigt sich mittlerweile auch die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf mit dem Fall. Diese wurde als zentrale Anlaufstelle für Behörden aus dem Ausland geschaffen – bereits nach der Fußballweltmeisterschaft 1998, als ebenfalls in Frankreich deutsche Hooligans den Bereitschaftspolizisten Daniel Nivel beinahe zu Tode geprügelt hatten.
Auch nach den Ausschreitungen in Lille im Juni 2016 hatten französische Ermittler die Behörde in Düsseldorf kontaktiert. Dabei sei es zwar nicht um den sächsischen Finanzbeamten gegangen, jedoch um zwei weitere Vorgänge, die ebenfalls nach Sachsen führen. Konkret um einen Mann, der auf dem Bild die Hand zum Hitlergruß hebt, sowie um einen anderen, der beschuldigt wird, in Lille ein Bengalo in ein Café geworfen zu haben.
Beide Fälle blieben laut DNN bislang ohne Konsequenzen. Im ersten Fall, weil ein Hitlergruß in Frankreich nicht strafbar ist. Im zweiten Fall – einem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz – aus bisher nicht bekannten Gründen.
Etwa 40 Deutsch griffen ukrainische Fans an
Bei der Fußball-EM 2016 in Lille hatten etwa 40 Deutsche vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft Anhänger der ukrainischen Mannschaft angegriffen und dabei zwei Menschen leicht verletzt.
Die Deutschen hätten am Nachmittag in der Innenstadt eine Gruppe von Ukrainern mit Dosen beworfen, berichtete damals ein Sprecher der Polizei in der nordfranzösischen Stadt. Dabei wurden zwei Ukrainer verletzt, die sich später in einem Krankenhaus behandeln ließen. Schon damals kursierten im Internet Bilder aus Lille von einer Reichskriegsflagge und Männern, die den Hitlergruß zeigten.
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