Rechte Gewalt in Brandenburg: Pfarrer in Cottbus von Neonazis bedroht
Neonazis sind in Cottbus in ein Wohnhaus eingedrungen und haben dort randaliert. Im Visier: ein Pfarrer, der sich gegen Rechtsextremismus einsetzt.
Ein evangelischer Pfarrer in Cottbus ist von mutmaßlichen jungen Neonazis bedroht worden. Das teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montag mit: „Der Angriff auf die Wohnung, und damit auf unseren Pfarrer in Cottbus, hat mich schwer schockiert“, erklärte Bischof Christian Stäblein. „Stark und leidenschaftlich“ engagiere sich der Pfarrer „mit seiner christlichen Haltung für die Rechte der Menschen in Brandenburg und für die Liebe Gottes“, sagte Stäblein weiter.
Bei dem Betroffenen handelt es sich nach taz-Informationen um den Pfarrer Lukas Pellio, der als Studierendenseelsorger in Cottbus tätig ist. Pellio setzt sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus in der Lausitz ein und ist unter anderem einer der Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg. Auf taz-Anfrage wollte sich Pellio am Montag nicht äußern.
Der Vorfall hatte sich bereits am Donnerstag ereignet. Nach Angaben der Beratungsstelle Opferperspektive waren zwei Neonazis am späten Nachmittag in das Wohnhaus des Pfarrers eingedrungen. Demnach traten die Angreifer die Haustür ein, drangen über mehrere Stockwerke zur Wohnung vor und randalierten vor der Tür.
Zudem hätten sie rechte Aufkleber am Briefkasten hinterlassen. Darunter war auch ein Sticker mit der Aufschrift „Piss dich nach Berlin“, der bereits im Zusammenhang mit einer rechtsextremen Hetzkampagne gegen zwei Lehrer*innen in Burg im Spreewald verwendet worden war.
Superintendant Georg Thimme
Bereits vergangene Nacht hatte der Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Cottbus/Chóśebuz, Georg Thimme, Stellung genommen: „Dass ein Pfarrer, der sich klar positioniert und Verantwortung in unserer Gesellschaft übernimmt, bedroht wird, ist ein Angriff auf uns alle“, schrieb Thimme auf Instagram.
Zweiter Angriff in der Nähe
Für Aufsehen sorgt zudem ein zweiter rechter Angriff, der sich beinahe gleichzeitig mit dem Einbruch in das Wohnhaus des Pfarrers – und in derselben Straße – ereignete. Laut Opferperspektive wurde dabei eine antifaschistisch aktive Person, die mit dem Fahrrad unterwegs war, von einem ebenfalls Fahrrad fahrenden jugendlichen Neonazi bedrängt.
Dieser habe die Betroffene aufgefordert, die Tasche herauszugeben, an der unter anderem ein Antifa-Button befestigt war. Anschließend habe er sie ausgebremst, verhöhnt und den Button abgerissen. Zeugen berichten, am Bein des Angreifers sei ein Reichsadler-Tattoo sichtbar gewesen.
Die Polizei Brandenburg bestätigte am Montag gegenüber der taz, dass der für politische Motive zuständige Staatsschutz mittlerweile in beiden Fällen die Ermittlungen übernommen hat. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch und illegales Plakatieren sowie Nötigung und Diebstahl.
Angesichts der beiden Angriffe sprach Dorina Feldmann vom Verein Opferperspektive von einer „traurigen Realität, die niemals hingenommen werden darf“. Erst vor Kurzem hatte die Initiative in Brandenburg einen alarmierenden Höchststand rechter Gewalt festgestellt – auch in Cottbus. Darunter listet sie zahlreiche Angriffe von Rechtsextremisten auf politische Gegner*innen.
Ricarda Budke von der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg warnte, die extreme Rechte versuche weiterhin, ihren Dominanzanspruch in Cottbus zu demonstrieren und Menschen einzuschüchtern, die sich für den Erhalt der Demokratie engagieren. „Dass dabei gezielt bis ins Wohnumfeld vorgedrungen wird, ist besonders erschreckend“, sagte Budke.
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