Prämie für Elektroautos: Der bessere Tankrabatt
Für die neue E-Auto-Kaufprämie hat die Bundesregierung ausnahmsweise Lob verdient. Denn sie ist wesentlich sinnvoller als andere Entlastungsmaßnahmen.
A usnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Und so ist nicht alles schlecht an der Bundesregierung. Für die neue Kaufprämie für Elektroautos hat sie ausnahmsweise mal Lob verdient, auch wenn Kanzler Merz und sein Team sie nicht mal an die große Glocke hängen. Sowohl aus sozialen als auch ökologischen Gründen sind die drei Milliarden Euro, die Schwarz-rot dafür ausgeben will, weitaus besser angelegtes Geld als der umstrittene Tankrabatt, mit dem die Bundesregierung die autofahrende Bevölkerung vor hohen Spritpreisen schützen will.
Seit Dienstag können Interessierte die Prämie beantragen, wenn sie ein Elektroauto leasen oder kaufen wollen. Bis zu 6.000 Euro sind drin – abhängig vom Autotyp und dem Haushaltseinkommen. Bei einem Jahreseinkommen von maximal 90.000 Euro ist Schluss. Dadurch wird sichergestellt, dass nur Familien mit mittleren und geringen Einkommen in den Genuss dieser Förderung kommen. Unter dem Schlagwort Social Leasing fordern die Gewerkschaften ein solches Programm schon länger.
Nun kommt die Förderung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Republik über zu hohe Spritpreise stöhnt. Da wird die Prämie bei den einen oder anderen Autofahrer*innen der letzte entscheidende Stupser sein, jetzt endlich auf die klimafreundliche Alternative zum Verbrenner umzusteigen. Zumal mittlerweile neue, erschwinglichere Elektromodelle auf dem Markt sind. Das elektrische Tanken ist sowieso günstiger als das fossile. Wird der E-Flitzer zu Hause geladen, kosten 100 Kilometer deutlich unter 10 Euro, während beim Benziner locker das doppelte fällig ist.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Mehr Geld für Nahverkehr!
Natürlich ist die Kaufprämie nicht die Lösung aller Probleme. Der schwächelnden hiesigen Automobilindustrie wird sie nur sehr bedingt helfen, was auch deren eigene Schuld ist. Schließlich sind VW & Co. nicht gerade dafür bekannt, erschwingliche E-Autos zu bauen. Mit der Prämie werden vermutlich eher französische oder asiatische Modelle gekauft.
Und klima- sowie sozialpolitisch noch sinnvoller wäre mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr. Denn für viele Menschen ist auch noch ein günstiges Auto unerschwinglich, sie sind allein schon wegen ihres klammen Geldbeutels auf den Nahverkehr angewiesen. Gleichzeitig zwingt der gerade oft auf dem Land schlecht ausgebaute Nahverkehr viele Menschen, mit dem Auto zu fahren.
Würde die Bundesregierung dies angehen, dann würde bei ihr die Ausnahme zur Regel werden, sie klimapolitisch doch nicht so schlecht sein. Doch vielleicht hat Merz mit seiner Bundesregierung vor einer Sache am meisten Angst: Als Klima-Kanzler zu gelten.
Nur noch 460 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert