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Pistorius' Bundeswehr-StrategieDurchwurschteln zur konventionell stärksten Armee Europas

Cem-Odos Gueler

Kommentar von

Cem-Odos Gueler

Mit einem neuen Konzept möchte die Bundeswehr ihre künftige Ausrichtung definieren. Dass die Dinge schwammig bleiben, sei so gewollt.

Zurück in die Vergangenheit? Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, hier beim Abzug 2021 Foto: Bundeswehr via dpa

M ehrfach betont der Verteidigungsminister das Neue an seinem Vorhaben. Mit einem strategischen Konzept möchte die Bundeswehr erstmals Leitlinien für ihre zukünftige Ausrichtung definieren. Man fragt sich: Auf welcher Grundlage haben langfristige Überlegungen denn bisher stattgefunden? Unabhängig davon sind die Ideen, die Boris Pistorius präsentiert, so schwammig wie überambitioniert.

Mit dem Dokument, das nur in Teilen veröffentlicht ist, schreibt der SPD-Verteidigungsminister einen alten Anspruch von Friedrich Merz fest: Die Bundeswehr soll die stärkste konventionelle Armee Europas werden. All diejenigen, die darauf verwiesen, wie geschichtsvergessen dieser Anspruch ist, sind gescheitert.

Warum ein deutscher Militärapparat mehr Frieden schafft, wenn er explizit stärker ist als der seiner Nachbarstaaten – mit Ausnahme von Frankreichs Atomwaffen –, bleibt fraglich. Zumal ein gegenseitiges Wettrüsten in Europa wirklich das Letzte ist, was uns gerade noch fehlt.

Auch in einer anderen Sache agiert der Verteidigungsminister geschichtsvergessen. Es gab schon mal neue Zielsetzungen für die Bundeswehr, auch wenn sie damals nicht so hochtrabend angekündigt wurden. Anfang der 2000er-Jahre sollte die deutsche Armee zu einer modernen Einsatzmacht werden, die schlank und schlagkräftig auf der ganzen Welt dienstbereit wäre.

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Es war auch dieser Anspruch, der zur Teilnahme am Afghanistankrieg führte, der als blutigster und teuerster Einsatz in die Geschichte einging und zudem alle Ziele verfehlte.

Was hat die Bundeswehr daraus gelernt? Wo sollen ihre künftigen Schwerpunkte liegen: in der Verteidigung von Bündnis- und Landesgebiet oder in abenteuerlichen Einsätzen mit zweifelhaftem Nutzen von Hormus bis in den Nordatlantik? Das neue Konzept liefert darauf keine Antwort, außer tolle Sätze wie, dass Deutschland für die USA ein „noch stärkerer militärischer Verbündeter“ werden müsse. Von strategischer Weitsicht kann hierbei wohl keine Rede sein.

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Cem-Odos Gueler
Redakteur
Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
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4 Kommentare

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  • Danke für die klaren Worte. Die Geschichtsvergessenheit des neuen Kurses und das ungedeckelte Aufrüsten zulasten einer zivilen Zukunft unseres Landes dürfen wir nicht hinnehmen. Zukünftige Generationen werden massiv belastet, während die Rüstungsindustrie ihre Gewinne vervielfacht - wo bleibt der Aufschrei? Von denen, die wirtschaftlich von den Kriegen dieser Welt profitieren, wird er nicht kommen… einige unserer Entscheidungsträger würde ich gern fragen, welches ihrer Wertpapiere gerade durch die Decke geht…

  • So, so. Die Bundeswehr soll die stärkste konventionelle Armee Europas werden. Also allein schon stärker als die Russische. Und das, obwohl wir jede Menge Verbündetet haben. Nach Verteidigung klingt das nicht mehr.

    Übrigens. Polen hat ähnliche Ambitionen...

  • „Wenn das Sondervermögen weg ist, brauchen wir ab 2028 mindestens 85 Milliarden Euro. Das sind 30 Milliarden mehr als heute“, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).

    Und wo soll das Geld herkommen? Sparen wieder im Sozialen? 162 Milliarden Euro mehr als heute wären im Haushalt fällig, wenn Trumps Forderung von 5 Prozent Veteidigungskosten am Haushalt verwirklicht würde. Absurd.

    Die Rechnung für bestellte neue Rüstung wird zum größten Teil erst dann fällig, wenn die Unternehmen in ein paar Jahren liefern. Diese riesige Finanzsumme wäre nur mit massiv gestiegener Steuer im Haushalt zu decken.



    Sparen bei der Bundeswehr ist unmöglich. denn die Bundeswehr kann noch nicht einmal benennen, wie hoch ihre Verwaltungskosten für Bürokratie sind.

    Bevor Pistorius weitreichende Ansagen macht, sollte er erst einmal den bürokratischen Moloch Bundeswehr reformieren. Der Rechnungshof bescheinigte Pistorius hier lediglich "kosmetische" Effekte.



    Die Bundeswehr ist ein Bürokratiemonster, wo Geld in rauen Massen verbrannt wird,

  • Also, von PIstorius und den anderen SPDlern strategische Weitsicht zu erwarten das wäre zuiel verlangt. Wenn man den Zustand der SPD sieht, dann kann man nur konstatieren dass mit der Strategie dort anscheinend fast alles nicht stimmt..



    Ausserdem müsste Pistorius erstmal die eklatanten Schwächen der Bw angehen, bevor man anderen Hilfe anbietet. Warum kostet die japanische Armee mit 240000 Soldaten (Bw: 186.000) verglichen mit der Bw gerade mal die Hälfte? Obwohl Japan drei Flugzeugträger hat, das sind nach Atomwaffen wohl die teuersten Waffensysteme?



    Und die neuen Konzepte für die Bw, da müsste man wohl erstmal damit anfangen wo die Regierung die Rolle Deutschlands in der Welt sieht. Erst dann kann man anfangen die Rolle des Militärs zu definieren. Auch da sehe ich keinerlei Diskussion oer vorwärtsweisende Gedanken der Regierung. Immer mehr Geld in ein Fass ohne Boden (Ukraine) zu schütten in der Hoffnung dass ein Wunder passiert, das scheint das Höchste der Gefühle zu sein. Aber, um auf die Bw zurückzukommen: das Ganze schöne Geld wird von Pistorius zum Fenster hinausgeschippt, ohne Sinn und Verstand.