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Olympische Spiele in HamburgOlympia-Bewerbung ist noch kein Schreckensprojekt

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Wer sich bei der Frage, ob Hamburg sich für Olympia bewerben soll, nicht entscheiden kann, dem bleibt nur Würfeln – oder die Sache mit dem Altpapier.

Drohnen bilden einen Radrennfahrer: Diese Lichtshow lief in Hamburg unter dem Motto „Eine Chance für alle“ Foto: Bodo Marks/dpa

B unt leuchtende Drohnen am schwarzen Nachthimmel über dem Hamburger Hafen sehen eher irritierend aus, als dass sie „Lust auf Zukunft“ machen. Und doch treffen Befürworter der Spiele-Bewerbung mit diesem Slogan einen Punkt. Die Olympischen Spiele in Hamburg, eröffnet nicht in einem Riesenstadion, sondern auf der Hamburger Alster, sind zumindest ein friedliches Zukunftsprojekt. Es ist, wie es in der Ja-Broschüre heißt, „eine Einladung an die Welt, in Respekt und Freundschaft zusammenzukommen“.

Mit dem Slogan „Sag Nein zu Goliath-Spielen!“ warb zuletzt die Gegenkampagne. Der Senat wolle sich sein Abstimmungsergebnis für Olympia kaufen mit einem 2 Millionen Euro Werbeetat. „Wir lassen uns nicht verschaukeln. Nein zu Olympia!“. Die Kritiker weisen zu recht auf die Risiken hin, so wie es im Jahr 2015 schon die damals überraschend erfolgreiche NOlympia-Kampagne tat. Und doch setzt dieser Protest dem kein eigenes Zukunftsprojekt entgegen.

Braucht eine Stadt das? Also, wenn wir davon ausgehen, dass auch die Stimmung in einer Stadt wichtig ist und dass es positiv wirkt, etwas Schönes wie ein großes Sportfest vor sich zu haben, dann wandert die Hand auf dem Stimmzettel schon ein paar Millimeter Richtung „Ja“. Denn wer zum Beispiel einen Urlaub plant, erholt sich auch schon durch die Vorfreude. Ein positives Ziel mit verbindenden Momenten vor Augen zu haben, so argumentieren Befürworter, täte vor allem der jungen Generation gut, die seit Corona viel Belastendes erlebte.

taz Salon über Hamburgs Olympiabewerbung

Bis Ende Mai stimmen die Ham­bur­ge­r:in­nen darüber ab, ob sich die Stadt für die Olympischen Spiele bewerben soll. Was spricht dafür und was dagegen?

Im taz Salon diskutieren wir darüber und begrüßen auf dem Podium diese Gäste:

🐾 Alske Freter, sportpolitische Sprecherin der Grünen

🐾 Christoph Holstein, Sportstaatsrat SPD

🐾 Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative Nolympia

🐾 Heike Sudmann, Fraktionschefin Die Linke Hamburg

Moderation: André Zuschlag, taz-Redakteur

Wann: Mo., 25.05.2026, 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr

Wo: Haus 73, Saal (2. OG), Schulterblatt 73, 20357 Hamburg

Bitte kontaktieren Sie uns über salon@taz.de für einen barrierefreien Zugang.

Eintritt frei. Wir freuen uns über einen solidarischen Beitrag an taz zahl ich. Weitere Informationen gibt es hier.

Welche Vision bietet NOlympia? Die Frage ist nicht ganz fair, die sind ja nicht an der Regierung. Aber brauchen wir zum Beispiel überhaupt diese eine neue U-Bahnlinie 5 tief unter der Erde, die dank Olympia jetzt schneller kommen und sicherer finanziert sein soll?

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Oder wäre es nicht viel günstiger und attraktiver, auch für Gäste, ein oberirdisches Straßenbahnnetz mit Blick auf unsere schöne Stadt zu bauen? Und wollten wir nicht alles dran setzen, Obdachlosigkeit zu bekämpfen? Wenn das wirklich gelänge, dann müsste man Vertreibung nicht befürchten.

Vielleicht gäbe es ja doch einen Kompromiss

Und vielleicht gäbe es ja doch einen Kompromiss beider Lager, einen Weg, die Olympischen Spiele so auszurichten, dass sie sich wirklich an die Stadt anpassen und sozial und klimafreundlich sind? Das wäre dann statt „NOlympia“ eine „Nur so geht Olympia“-Kampagne. Immerhin brachten die Grünen ja schon mal temporäre Mietschutzregelungen ins Gespräch.

Nicht möglich mit diesem Internationalen Olympischen Committee (IOC)? Mag sein. Auch wenn die Befürworter sagen, das habe sich reformiert. Aber ein Risiko bleibt. Und unter Sparpolitik leidet zum Beispiel die Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg schon heute. Das schwächt das Vertrauen. Und es sind ja wirklich nur 30 Tage, um die der ganze Rummel geht. Also rutscht der Stift wieder in Richtung „Nein“. Wirklich?

Dieses „Nein“, das wirkt so endgültig. Und eine Olympia-Bewerbung ist noch kein Schreckensprojekt. Also Würfeln, und jede gerade Zahl ist dafür. Oder der Zettel wandert ins Altpapier. Dann kann es sein, dass die Abstimmung an fehlender Beteiligung scheitert. Dann ist es halt so.

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Kaija Kutter
Redakteurin taz-Hamburg
Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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2 Kommentare

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  • Angeblich werden laut Informationsheft 100 Millionen € Mehreinnahmen erwartet. Weil 4,9 Mrd. € an Einnahmen erwartet werden und 4,8 Mrd. € an Ausgaben.

    Wenn man sich die Kostenschätzungen von Olympia in Paris, London, Rio etc. anschaut, so lagen die Erwartungen an die Ausgaben vorher immer so bei 4-5 Mrd. € und die Einnahmen auch. Die Einnahmen kamen dann immer so ungefähr hin. Aber die Ausgaben waren immer mehr als 100% höher, in Paris sind sie beispielsweise von ca. 4 auf 8,7 Mrd. € gestiegen.



    In der „The Oxford Olympics Study 2024: Are Cost and Cost Overrun at the Games Coming Down?“ von Alexander Budzier und Bent Flyvbjerg und der Vorläuferstudie von 2016 wird darauf hingewiesen, die durchschnittliche Kostensteigerung bei Olympia zwischen 1960 und 2016 bei 156% liegt und da sind Infrastrukturprojekte wie Straßen und U-Bahnen oft noch nicht einmal drin enthalten.



    Also sollte in dem Informationsheft eigentlich stehen, dass zu diesem Zeitpunkt immer Mehreinnahmen erwartet wurden, aber nach den Spielen immer Mehrausgaben in mehrfacher Milliardenhöhe unterm Strich standen. Und dieses Geld wird bestimmt irgendwo fehlen, wo man es für viel sinnvollere Dinge hätte ausgeben können.

  • "Also Würfeln, und jede gerade Zahl ist dafür. Oder der Zettel wandert ins Altpapier. Dann kann es sein, dass die Abstimmung an fehlender Beteiligung scheitert. Dann ist es halt so."



    Bei wdr.de steht, wie man sich Hilfe für "die Wahrheit" suchen kann:



    "Fragt man ChatGPT nach einer Satire über Olympia an Rhein und Ruhr, ist die Antwort eindeutig. "Was wäre inspirierender als Weltklasse-Sport in einem Bundesland, das aussieht wie der Endgegner eines Verwaltungsplanspiels?", antwortet die Künstliche Intelligenz. Und es stimmt schon - die ganze Vielfalt der kommunalen Zergliederung findet sich in der Bewerbung wieder."



    Das dürfte auch "ganz im Ernst" gehen.🤔