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Öffentlicher Nahverkehr in HamburgBusticket verschlechtert den Schufa-Score

Wer sich in der Ticket-App des Hamburger Verkehrsverbundes anmeldet, schadet seiner Kreditwürdigkeit. Die Alternative hat ihre Tücken.

Macht vielfältig mobil und birgt daher auch größere Risiken: HVV-Switch-App Foto: David Hammersen/dpa

Bus und Bahn zu fahren, kann Ihre Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Wie die Bild berichtete, fragt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa an, wenn man sich bei seiner Mobilitäts-App Switch anmeldet. Im Bewertungsschema der Schufa führen solche Anfragen zu einem Punkteabzug und damit zu einer Verschlechterung der Bonität. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass man etwa einen Mietvertrag nicht bekommt oder nicht online einkaufen kann.

Die Schufa hat seit März dieses Jahres ihr Bewertungsschema umgebaut und transparent gemacht: Aus zwölf Kriterien, die jeder nachsehen kann, lassen sich maximal 999 Punkte generieren, was nach Rechnung der Schufa das geringstmögliche Risiko eines Zahlungsausfalls anzeigt.

Ob die Kriterien positiv oder negativ wirken, ist nicht immer unmittelbar einleuchtend. So wirkt sich ein Rahmenkredit, also ein flexibler Abrufkredit, eher negativ aus, ein Immobilienkredit dagegen positiv. Vorteile hat, wer lange an derselben Adresse wohnt und schon lange Zeit die gleiche Kreditkarte besitzt.

Schlecht für den Score sind „Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten“: Bei einer oder keiner Anfrage tut sich nichts, ab zwei Anfragen verschlechtert sich der Score um bis zu 99 Punkte, was zehn Prozent der Gesamtpunktzahl entspricht. Auch eine Anmeldung bei der Switch-App des HVV führt zu so einer Anfrage, kann also dazu beitragen, den Punktestand zu senken.

Flexibilität birgt Risiko

Die städtische Hamburger Hochbahn AG, die die Apps des HVV managt, weist darauf hin, dass die Schufa bei einfachen Fahrkartenkäufen nicht angefragt wird. Das gilt für Kartenkäufe ohne Registrierung über das Online-Portal ebenso wie für die HVV-App. Letztere dient allein der Fahrplanauskunft und dem Fahrkartenkauf, während die Switch-App verschiedene Mobilitätsangebote miteinander verbindet: Mit ihr lässt sich per Fingertipp auch ein Roller oder ein Auto mieten.

„Bei der Switch-App steht zum Zeitpunkt des Leistungsbeginns nicht der Preis fest“, sagt Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst. Es habe schon den Fall gegeben, dass sich jemand ein Auto lieh und eine weite Strecke damit fuhr, ohne bezahlen zu können. „Das ist der Fall, wo das Bonitätsrisiko eintritt“, sagt Ernst.

Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg kann nachvollziehen, dass sich der HVV damit absichern will. Das sei normal und üblicherweise werde bei der Registrierung auch auf die Schufa-Abfrage hingewiesen – so auch bei der Switch-App. Außerdem werde die Schufa nur bei der ersten Anmeldung bemüht, sagt Hochbahn-Sprecher Ernst. Wenn etwa eine neue Kreditkarte angegeben wird, werde die Bonität nicht erneut geprüft.

Menschen ohne Smartphone oder solche, die nicht willens sind, sich ständig neue Apps aufs Telefon zu laden, können im HVV-Gebiet an Automaten noch bar bezahlen oder auch eine Prepaid-Karte kaufen. Diese ist nötig, weil es nicht an allen Haltestellen Automaten gibt, und die Busfahrer kein Bargeld mehr annehmen.

Wir sind auf verschiedenen Ebenen dabei, den Vertrieb deutlich zu modernisieren.

Rainer Vohl, Pressesprecher des HVV

Niedrigschwellig im Sinne einer möglichst einfachen Nutzung der umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel ist das allerdings nicht, denn die Automaten sind nicht gerade intuitiv gestaltet. Es ist unklar, wo die Karte reingesteckt oder rangehalten werden soll. Und wenn man sie an die richtige Stelle hält, passiert nichts – genauer gesagt dauert es sechs Sekunden, bis der Apparat reagiert. Das ist in Zeiten von Instagram und Tiktok ein bisschen lang.

Der HVV sei dabei, die Automaten nutzerfreundlicher zu gestalten und die Zeit zu verkürzen, versichert Rainer Vohl, der Sprecher des Verkehrsverbundes. „Wir sind auf verschiedenen Ebenen dabei, den Vertrieb deutlich zu modernisieren.“ Nicht zuletzt wegen des Deutschlandtickets zahle nur noch eine Minderheit bar. Bei einer Umfrage vor Einführung der Prepaid-Karte seien es weniger als vier Prozent gewesen.

Ein Teil der Modernisierung wird sein, dass Tickets direkt mit der Bank- oder Kreditkarte gekauft werden können, wie es andernorts schön möglich ist. Ein Pilotprojekt dazu sei im Landkreis Lüneburg geplant.

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17 Kommentare

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  • Warum ein ehemaliger Verein (früher war's ja die Schufa e.V.) in Deutschland quasi als Monopolist aufgrund vollkommen intransparenter (weil als "Geschäftsgeheimnis" geschützt) Kriterien und Algorithmen den Stab der Kreditwürdigkeit über einzelnen Personen brechen kann, ist ohnehin ein Thema für linke Politik.

    Vor allem, weil - wie Projekt OpenSCHUFA bewies - auch ganz ohne Zahlungsdaten der Score allein aufgrund von Geschlecht und Alter runtergeht.

  • Wer seinen Schufa-Score verbessern möchte, tritt also am besten in den nächsten Golfclub ein und schließt ein großes Abo beim Staatstheater seiner Wahl ab, oder wie jetze ?

  • Das Problem ist, dass man das Deutschlandticket nur in der speziellen hhv-switch-App erhält, diese App bietet auch noch den Zugang zu E-Scooter, Carsharing und Ridesharing in Hamburg. In der regulären HVV-App gibt es das Deutschlandticket nicht. Einzige Alternative wäre halt noch die Chipkarte.

    Übrigens kann man beim Konto für hvv switch seine E-Mail-Adresse nicht ändern, ohne ein neues Konto aufzumachen. Ist vielleicht ein Nischenfall aber trotzdem nervig.

  • Der Geschäftszweck der Schufa sind Auskünfte über Bonität und wenn sie nach Bonität gefragt wird, verschlechtert das die Bonität? Klingt überzeugend.

  • Ich frage mich immer, wie ist das eigentlich umgekehrt, wie viele Plus Punkte kriegt man bei erfüllten Verträgen usw?



    Ich hab nämlich vor einiger Zeit gesehen das mein Score ziemlich gut ist, besser als er eigentlich sein dürfe denke ich, und ich hab nur eine Idee was das möglicherweise erklären würde.



    Ich hab einen eher ungewöhnlichen Handy Vertrag für Internet, der geht immer nur 1 Tag, verlängert sich automatisch jeden Tag um einen weiteren und kostet 99 Cent für ne unbegrenzte Flatrate. Jeden Monat erfülle ich damit also im Prinzip 30 mal einen Vertrag, und das seit etwa 10 - 12 Jahren.



    Könnte ich da vielleicht auf einen Trick gestoßen sein, wie man für wenig Geld seinen Score verbessern kann?

  • "Öffentlicher Nahverkehr in HamburgBusticket verschlechtert den Schufa-Score

    Wer sich in der Ticket-App des Hamburger Verkehrsverbundes anmeldet, schadet seiner Kreditwürdigkeit. Die Alternative hat ihre Tücken."

    [...] Die Anmeldung auf der HVV-App, über die auch Fahrkarten gekauft werden können, führt nicht zu einer Meldung an die SCHUFA und einer möglichen Senkung des Bonitäts-Score.

    Dies passiert nur bei einer Anmeldung auf der "HVV-Switch-App", die verschiedene Mobilitätsangebote miteinander verbindet: Mit ihr lässt sich per Fingertipp auch ein Roller oder ein Auto mieten.

    [...] Kommentar gekürzt. Bitte halten Sie sich an die Nettiquette.

  • Die Schufa ist eine höchst fragwürdige Firma, dass sie überhaupt derart viele persönliche Daten der Bürger speichern und auswerten darf, ist an sich schon ein Skandal. Dass sie diese in gänzlich intransparenter Weise auswertet, setzt dem Ganzen die Krone auf.

  • Netter Artikel, somit hätten wir mal geklärt, wie es ein regionaler Verkehrsbetrieb handelt.



    Ich hätte es trotzdem aber sinnvoll gefunden, wenigstens mal darauf hinzuweisen, dass beim Deutschland-Ticket ebenfalls eine Schufa-Abfrage statt findet und ich dort auch keinen Schalterverkauf, Prepaid oder eine andere Alternative habe.

  • "üblicherweise werde bei der Registrierung auch auf die Schufa-Abfrage hingewiesen" Solange man nicht weiß, daß diese Anfrage zu einer Verschlechterung des Scores führen kann und fast immer auch wird nützt dieser Hinweis nicht das geringste.

  • Ich bin es leid, auf Reisen in jedem Kackdorf eine andere App herunterladen und mühsam mit der Zahlfunktion verbinden zu müssen, nur um mal mit dem Bus zum Kino fahren zu können. Dass man in der "Weltstadt" Hamburg nicht mit der kontaktlosen Zahlfunktion im Bus ein Ticket lösen kann, ist einfach beschämend.

    Stattdessen basteln da irgendwelche Computeramateure an hochkomplizierten Lösungen, die fernab der gesetzlichen Anforderung an Datenminimierung operieren! Schufa-Anfrage für ein Busticket -- gehts eigentlich noch?!

    • @Rudi Lipp:

      Die Niederländer sind da weiter. Mit der OV-ChipCard (inzwischen als App) haben die schlicht per Gesetz alle Verkehrsanbieter gezwungen, sich an ein einheitliches System anzuschließen. Übrigens unter Einbeziehung auch der Bahn (Nederlandse Spoorwegen). Charmanter Effekt: Man checkt auf dem Bahnsteig ein, fährt an sein Ziel und checkt dort wieder aus. Abgerechnet wird dann auch nur noch die Fahrt. Kein Blödsinn mit Ticketkaufen, Zugbindung wegen Super-Sparpreis oder sonstigem Mumpitz. In den Bussen kann man auch ein- und auschecken.

      Im Zug wird vom Personal auch nur noch geprüft, ob die betreffende Person für das Verkehrsmittel valide eingecheckt ist.

      Das von List auf Sylt bis Lörrach und von Görlitz bis nach Herzogenrath wäre doch ein Traum.

      Die Bewegungsdaten werden übrigens zwar ausgewertet, was aber von den Bezahldaten und Personendaten getrennt erfolgt. Also den vollen statistischen Nutzen für die Anbieter bei gleichzeitiger Wahrung der Persönlichkeitsrechte.

    • @Rudi Lipp:

      " Schufa-Anfrage für ein Busticket -- gehts eigentlich noch?!"

      Polemische Vereinfachung. Bei der reinen Nutzung der HVV-App für den Fahrkartenkauf erfolgt, wie im Artikel steht, keine Schufa-Anfrage, sondern erst bei Anmeldung an der "Switch-App", mit der auch Autos gemietet werden können etc.



      Das Problem ist ja eigentlich nicht der HVV, der sich entsprechend gegen Zahlungsausfälle absichert, sondern die Schufa, die aus der Anfrage, ob man ein guter oder schlechter Schuldner ist, unabhängig vom Ergebnis einen Punktabzug macht.

      • @Django:

        Genau, das ist der Punkt! Das müsste man klarer sagen.

  • Ja in der kapitalistischen Welt sind diejenigen, die sich kein Auto leisten können oder wollen grundlegend suspekt.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Nicht suspekter als Leute, die einen Handyvertrag oder beim falschen Anbieter auf Raten kaufen. Wobei diese "falschen Anbieter" immer weniger werden, weil man als Online-Händler besser seine Forderungen (mit Abschlag) an einen Zahlungsdienstleister abtritt - oder das gleich selbst als Geschäftsmodell auch für Andere betreibt wie beispielsweise Otto - womit die Schufa-Anfrage nicht mehr von "außerhalb des Bankenbereichs" kommt...

      • @FriedrichHecker:

        Die Praxis der Schufa ist nicht zu rechtfertigen. Wo man was kauft, kann denen egal sein, hat nichts mit der Kreditwürdigkeit zu tun. Solche Anfragen, die aus Sicht des abfragenden Unternehmens ja völlig ok sind, zum Anlass für Punktabzüge zu nehmen, ist irrational und für die Endkunden, die nichts davon ahnen und genauso wenig dafür können, ein Riesenärgernis. Da gibt es nichts zu verteidigen und der Schuldige steht sehr deutlich fest.

        • @Günter Picart:

          "Nichts davon ahnen" hat dann aber recht oft was mit "beim Datenschutz-Hinweis nicht aufgepasst" zu tun.

          Nicht falsch verstehen, die Schufa ist ein mieser Finger, aber gegen Verbraucher, die jede Warnung ungelesen wegklicken, ist halt nix zu machen. Irgendwo fängt die Eigenverantwortlichkeit an.