Öffentlicher Nahverkehr in Hamburg: Busticket verschlechtert den Schufa-Score
Wer sich in der Ticket-App des Hamburger Verkehrsverbundes anmeldet, schadet seiner Kreditwürdigkeit. Die Alternative hat ihre Tücken.
Bus und Bahn zu fahren, kann Ihre Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Wie die Bild berichtete, fragt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa an, wenn man sich bei seiner Mobilitäts-App Switch anmeldet. Im Bewertungsschema der Schufa führen solche Anfragen zu einem Punkteabzug und damit zu einer Verschlechterung der Bonität. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass man etwa einen Mietvertrag nicht bekommt oder nicht online einkaufen kann.
Die Schufa hat seit März dieses Jahres ihr Bewertungsschema umgebaut und transparent gemacht: Aus zwölf Kriterien, die jeder nachsehen kann, lassen sich maximal 999 Punkte generieren, was nach Rechnung der Schufa das geringstmögliche Risiko eines Zahlungsausfalls anzeigt.
Ob die Kriterien positiv oder negativ wirken, ist nicht immer unmittelbar einleuchtend. So wirkt sich ein Rahmenkredit, also ein flexibler Abrufkredit, eher negativ aus, ein Immobilienkredit dagegen positiv. Vorteile hat, wer lange an derselben Adresse wohnt und schon lange Zeit die gleiche Kreditkarte besitzt.
Schlecht für den Score sind „Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten“: Bei einer oder keiner Anfrage tut sich nichts, ab zwei Anfragen verschlechtert sich der Score um bis zu 99 Punkte, was zehn Prozent der Gesamtpunktzahl entspricht. Auch eine Anmeldung bei der Switch-App des HVV führt zu so einer Anfrage, kann also dazu beitragen, den Punktestand zu senken.
Flexibilität birgt Risiko
Die städtische Hamburger Hochbahn AG, die die Apps des HVV managt, weist darauf hin, dass die Schufa bei einfachen Fahrkartenkäufen nicht angefragt wird. Das gilt für Kartenkäufe ohne Registrierung über das Online-Portal ebenso wie für die HVV-App. Letztere dient allein der Fahrplanauskunft und dem Fahrkartenkauf, während die Switch-App verschiedene Mobilitätsangebote miteinander verbindet: Mit ihr lässt sich per Fingertipp auch ein Roller oder ein Auto mieten.
„Bei der Switch-App steht zum Zeitpunkt des Leistungsbeginns nicht der Preis fest“, sagt Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst. Es habe schon den Fall gegeben, dass sich jemand ein Auto lieh und eine weite Strecke damit fuhr, ohne bezahlen zu können. „Das ist der Fall, wo das Bonitätsrisiko eintritt“, sagt Ernst.
Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg kann nachvollziehen, dass sich der HVV damit absichern will. Das sei normal und üblicherweise werde bei der Registrierung auch auf die Schufa-Abfrage hingewiesen – so auch bei der Switch-App. Außerdem werde die Schufa nur bei der ersten Anmeldung bemüht, sagt Hochbahn-Sprecher Ernst. Wenn etwa eine neue Kreditkarte angegeben wird, werde die Bonität nicht erneut geprüft.
Menschen ohne Smartphone oder solche, die nicht willens sind, sich ständig neue Apps aufs Telefon zu laden, können im HVV-Gebiet an Automaten noch bar bezahlen oder auch eine Prepaid-Karte kaufen. Diese ist nötig, weil es nicht an allen Haltestellen Automaten gibt, und die Busfahrer kein Bargeld mehr annehmen.
Rainer Vohl, Pressesprecher des HVV
Niedrigschwellig im Sinne einer möglichst einfachen Nutzung der umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel ist das allerdings nicht, denn die Automaten sind nicht gerade intuitiv gestaltet. Es ist unklar, wo die Karte reingesteckt oder rangehalten werden soll. Und wenn man sie an die richtige Stelle hält, passiert nichts – genauer gesagt dauert es sechs Sekunden, bis der Apparat reagiert. Das ist in Zeiten von Instagram und Tiktok ein bisschen lang.
Der HVV sei dabei, die Automaten nutzerfreundlicher zu gestalten und die Zeit zu verkürzen, versichert Rainer Vohl, der Sprecher des Verkehrsverbundes. „Wir sind auf verschiedenen Ebenen dabei, den Vertrieb deutlich zu modernisieren.“ Nicht zuletzt wegen des Deutschlandtickets zahle nur noch eine Minderheit bar. Bei einer Umfrage vor Einführung der Prepaid-Karte seien es weniger als vier Prozent gewesen.
Ein Teil der Modernisierung wird sein, dass Tickets direkt mit der Bank- oder Kreditkarte gekauft werden können, wie es andernorts schön möglich ist. Ein Pilotprojekt dazu sei im Landkreis Lüneburg geplant.
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