Neues Design bei Bibliothek Suhrkamp: Feiern mit Farben
Die Bibliothek Suhrkamp wird rundumerneuert. Die Coveridee von Olaf Nicolai lässt die alte Designstrenge hinter sich und führt die Tradition doch fort.
Die Bibliothek Suhrkamp bietet eine repräsentative Bühne, gerade auch für Texte, die es gar nicht von vornherein auf Repräsentation abgesehen haben. Seit 75 Jahren gibt es diese Reihe nun also schon, gegründet wurde sie 1951 noch von Peter Suhrkamp, gleich kurz nach dem Anfang des Verlags, 1.565 Bücher umfasst sie mittlerweile. Klassiker finden sich darunter, von Rilke („Malte Laurids Brigge“), Joyce („Porträt des Künstlers als junger Mann“), Thomas Bernhard („Frost“), viele, viele andere.
Doch den spezifischen Charme der Reihe machen eher andere Bücher aus: die Nebenwerke, die sich als die eigentlichen Schmuckstücke erweisen, die kleinen Meisterwerke, die riskanten Versuche, die Entdeckungen. Auch davon gibt es in der Bibliothek Suhrkamp eine Menge. Siegfried Kracauers Roman „Georg“ ist hier noch einmal verlegt worden, von Jürgen Habermas die kleine, auch im Abseitigen belesene Sammlung „Vom sinnlichen Eindruck zum symbolischen Ausdruck“ oder von Amos Oz die Erzählung „Herr Levi“.
Es ging und geht in dieser Reihe eben keineswegs um Kanonisierung, jedenfalls geht es in ihr nicht nur darum, sondern um Empfehlungen von Leser*innen für Leser*innen, so wird einem implizit vermittelt. Schau mal her, das könnte sich zu lesen lohnen, scheinen einem die Ausgaben zu sagen, nicht laut, nicht marktschreierisch, sondern sachlich und mit Bestimmtheit.
Fast ein Sakrileg
Das mag etwas idealistisch geträumt klingen, und selbstverständlich spielt bei der Auswahl der Reihe immer wieder auch das Verlagskalkül eine Rolle, aber im Ganzen atmet die Bibliothek Suhrkamp etwas im guten Sinn Bibliophiles: Nicht verstaubt, sondern anwendungsorientiert wirkt sie. Um es mit Wolfgang Herrndorf zu sagen (auch wenn er kein Suhrkamp-Autor ist): Man sieht die Sorgfalt und denkt sich die Liebe dazu – die zum Lesen.
Wie feiert man das Jubiläum so einer Reihe? Die Lösung, die der Suhrkamp Verlag gefunden hat, klang, als man zuerst davon hörte, waghalsig, fast wie ein Sakrileg. Doch nun, da man das Ergebnis in Händen halten kann, stellt sie sich als überaus geglückt heraus: Der Verlag feiert es mit Farben. Das ist neu. Man schaue sich etwa den Schuber an, den Suhrkamp zum 50. Jubiläum herausgebracht hat; rein weiß glänzen alle 15 Bände, dezent geschmückt mit nur jeweils einer farbigen Leiste auf dem Cover.
Die nun zum 75. Jubiläum herausgekommenen 10 Bände, plus dem von Katharina Rabe und Frank Wegner herausgegebenen Sammelband „Leben der Bücher“ mit Texten über Schreiben und Lesen haben stattdessen jeweils gleich sechs Farben (plus das Weiß der Schrift), wenn man Vorder- und Rückseiten des Covers zusammennimmt. Die Neugestaltung ist auf der einen Seite also ein deutlicher Bruch mit der Tradition, Einfarbigkeit gehörte bislang zur Identität der Reihe.
Auf der anderen Seite führt diese Neugestaltung die Tradition aber auch fort, denn der vom legendären Designer Willy Fleckhaus gesetzte Ernst vermittelt sich weiter. Die unterschiedlichen Farbkombinationen bei sich wiederholenden Aufteilungen der Flächen haben wie die strengen Fleckhaus-Entwürfe auch etwas von Bauhaus – und sie sehen schön aus.
Gewiss nicht billig
Nun sind es nicht irgendwelche Farben. Der Verlag hat sich das Konzept zusammen mit dem Künstler Olaf Nicolai überlegt und lässt es sich nun in der Herstellung der Bücher auch einiges kosten, billig sind diese Cover gewiss nicht. Olaf Nicolai hat aus den fast 2.500 Farben des Pantone-Farbspektrums vor Jahren einmal 30 Farben für eine Ausstellung zusammengestellt, aus denen jetzt jeweils die Cover der Bände kombiniert werden.
Wie schon bei Fleckhaus wollen diese Cover keineswegs den Inhalt des Buches illustrieren. Zugleich stellen sie die Wiedererkennbarkeit der Reihe auch in der Verschiedenheit der einzelnen Ausgaben her. Was nun hinzukommt: Diese Cover haben auch etwas sinnlich Verspieltes.
Dabei verteilt Suhrkamp hier nicht einfach Farbflächen, sondern blinkt dabei überzeugend in die Richtung, dass man Leser*innen ernst nehmen muss – und nimmt sie dabei auch tatsächlich ernst. Wenn man die Bücher der Reihe aufschlägt, hat man sofort ein angenehmes klassisches Schriftbild vor sich, über das man sich kurz freut, das man dann aber gleich vergisst, sobald man in den Text eintaucht.
So machen diese Ausgaben nicht nur im Regal was her, sondern haben auch ein hohen Gebrauchswert. Man möchte den Texten, die in dieser neugestalteten Reihe erscheinen, gleich gratulieren; sie müssen aber auch zeigen, dass sie es draufhaben. So soll es sein.
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