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Neue StatistikFleischverzehr 2024 leicht gestiegen

Die Menschen in Deutschland haben im Schnitt 0,6 Prozent mehr Fleisch gegessen. Vegetarier fordern mehr Engagement von der künftigen Bundesregierung.

Nix vegetarisch: Die Deutschen haben 2024 mehr und nicht weniger Fleisch gegessen. Sehr beliebt war Hühnerfleisch Foto: Westend61/imago

Berlin taz | Der Fleischverzehr in Deutschland ist 2024 um rund 0,6 Prozent gestiegen. Im Schnitt kamen auf jede Person 53,2 Kilogramm, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung am Donnerstag mitteilte. Auch im Vergleich zu 2022 war der Verzehr im vergangenen Jahr etwas höher.

„Wie sich dies weiterentwickelt, bleibt abzuwarten“, erklärte die Behörde. „Eine Rückkehr zu Verzehrmengen früherer Jahre erscheint vor dem Hintergrund des Trends zur flexi­ta­rischen Ernährung unwahr­scheinlich.“ Aus statistischer Sicht sei zu beachten, dass sich der ausgewiesene rechnerische Fleischverzehr je Kopf ab 2022 auf aktualisierte Bevölkerungszahlen bezieht und derzeit ein Vergleich mit Vorjahren nicht möglich ist. „Sobald die Rückrechnung der Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus 2022 vorliegt, können wir den Pro-Kopf-Verzehr zehn Jahre rückwirkend berechnen und Aussagen zum langfristigen Trend treffen“, so die Bundesanstalt.

Der leichte Anstieg im Jahr 2024 sei dadurch begünstigt, dass sich die Inflation laut Statistischem Bundesamt mit 1,3 Prozent gegenüber 2023 in Grenzen hielt. Insbesondere Hühnerfleisch war demnach beliebter, während der Verzehr von Schweinefleisch in den vergangenen Jahren nahezu stagnierte. Die Fleischerzeugung legte erstmals seit 2016 wieder zu.

„Die aktuelle Verzehrstatistik Fleisch zeigt einmal mehr, dass die Politik ihre Anstrengungen für eine zukunftsfähige Ernährung unbedingt fortsetzen muss“, sagte Matthias Rohra, Geschäftsführer der Organisation ProVeg Deutschland, die sich für eine vegetarische Ernährung einsetzt. Die künftige Bundesregierung müsse einen Zukunftsplan Ernährung mit konkreten und verbindlichen Meilensteinen aufzustellen.

Vor allem Schweinefleisch

Wie aus der Versorgungsbilanz Fleisch 2024 hervorgeht, lag Schweinefleisch beim Verzehr mit 28,4 Kilogramm je Einwohner erneut vorn, jedoch mit rund 100 Gramm weniger als 2023. Die Beliebtheit von Geflügelfleisch stieg erneut und lag mit einem Plus von 500 Gramm bei 13,6 Kilogramm pro Kopf. Der Zuwachs geht insbesondere auf Hühnerfleisch zurück. Der Verzehr von Rind- und Kalbfleisch blieb trotz gestiegener Verbraucherpreise mit 9,3 Kilogramm pro Person stabil.

Laut Umweltbundesamt verursachte die Landwirtschaft 2023 inklusive der Emissionen aus Böden und Maschinen 14 Prozent der Treibhausgase in Deutschland. Der Großteil hängt mit der Tierhaltung zusammen. Viele Tiere werden unter Bedingungen gehalten, die die meisten Deutschen kritisieren.

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12 Kommentare

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  • Da die Zahl der VegetarierInnen und VeganerInnen gleichzeitig steigt, ist der Trend schwieriger zu beurteilen, auch die Preisgestaltung der Marktriesen mit Flutungen der Kühlregale vor Festtagen und im Intervall ist ein Faktor, ein Markt mit Angebot und Nachfrage.



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    "Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Vegetarier einordnen, lag im Jahr 2024 laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse bei 8,43 Millionen. Damit waren es rund 310.000 Personen mehr als noch vor einem Jahr. Bei einer vegetarischen Ernährung bzw. Lebensweise wird typischerweise auf den Konsum von Fleisch sowie Fisch verzichtet."



    Quelle de.statistica.com



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    "Geflügeltagung Bonn



    Ökolebensmittel unter Preisdruck - Discounter werden 2024 stärkste Biohändler



    Auf der Bioland Geflügeltagung in Bonn war die schwierige Situation bei Bio-Eiern und -Geflügelfleisch Thema. Die Discounter haben den Hofläden das Geschäft abgenommen, die Preise sind grenzwertig."



    Quelle topagrar.com

  • Das ist EssKaPissMuss. Im WahlMampf.

  • Dieses Thema ist ein interessanter Gradmesser für Logik, Aufrichtigkeit, Aufklärung und - hinsichtlich Werbung und Marketing - auch angeheizter Gruppendynamik: Welcher aufgeklärte Mensch mit dem Willen zur Umsetzung von offensichtlichen Fakten kann heute noch Fleisch essen ohne vor dem Spiegel tiefrot zu werden? Und auch wieder in 2025 "Angrillen" - mit Wonne Leichenteile bruzeln und als Event darstellen ... und da reden manche von Transformation.

  • Vegetarier, esst einfach weiterhin kein Fleisch mehr, aber haltet euch von meinem Teller fern!

  • Ich bin Vegetarier.....mir würde es im Traum nicht einfallen, irgendetwas diesbezüglich von anderen zu fordern. Jeder muss das selbst wissen, inwieweit er den Tellerinhalt mit dem Halten und Schlachten von Nutztieren verantworten kann. Wie vieles andere auch.

  • Die Überschrift "Fleischkonsum etwa gleich geblieben" wäre zutreffender. Null-Komma-Sechs Prozent Steigerung ist praktisch nichts und ohne den Vergleich zu den jährlichen Schwankungen (zB. der letzten 10 Jahre) kann man dazu gar nix sagen. Das Einzuordnen wäre journalistische Pflicht.

  • „Die aktuelle Verzehrstatistik Fleisch zeigt einmal mehr, dass die Politik ihre Anstrengungen für eine zukunftsfähige Ernährung unbedingt fortsetzen muss“, sagte Matthias Rohra, Geschäftsführer der Organisation ProVeg Deutschland, die sich für eine vegetarische Ernährung einsetzt. Die künftige Bundesregierung müsse einen Zukunftsplan Ernährung mit konkreten und verbindlichen Meilensteinen aufzustellen.

    Nein, das muss, das soll, und das darf die Politik auch nicht tun. Wir leben in einem freien Land, und da muss man auch essen dürfen, was man mag - auch wenn es ungesund ist (wobei sich die Vorschläge für gesunde Ernährung mindestens alle 10 Jahre ändern: damals war Fett ganz böse, heute ist es Zucker).

    Freiwillig vegetarisch essen ja, in der Bundestagskantine kann das die Bundesregierung von mir aus auch durchsetzen, aber mein Essen will und werde ich noch selbstbestimmen.

    • @Offebacher:

      Ich verstehe es so, dass es bei "zukunftsfähiger Ernährung" nicht primär um gesundheitliche sondern um umwelt- und klimapolitische Aspekte geht. Die für den deutschen Konsum erforderliche Tierhaltung ist derzeit einfach nicht nachhaltig.

    • @Offebacher:

      Aus eigener Erfahrung würde ich wieder sagen, dass ich Zucker deutlich besser finde als Süßmittel. Bei denen beginnt bei mir dann die maßlose Fresserei. Wenn jetzt durchgesetzt würde, man dürfe keinen richtigen Zucker mehr verwenden, würde ich quasi im Kühlschrank leben und immer dicker werden.

  • Vielleicht ist es ein Fehler, die Nachteile von zu viel Fleischkonsum öffentlich zu machen.



    Das weckt in den freiheitsliebenden Konsumverwahrlosten natürlich Widerspruch und Gegenreaktionen.



    Gilt auch für Kleidung, Straßenverkehr, Reisen, Wahlzettel....

    • @Erfahrungssammler:

      Seit aus Spitze der Politik solche Signale kommen, ist es ungleich schwerer geworden, sich für Tierwohl und Tierrechte wirksam einzusetzen:



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      "Politiker im Fast-Food-Fieber



      Nur jetzt im Angebot – der McWahlkampf!



      Friedrich Merz, Markus Söder, Christian Dürr: Wer in Deutschland Wahlkampf macht, muss sich in einer McDonald's-Filiale zeigen. Nur die Linke klammert sich noch an nostalgische Mittelschichtträume von der Bratwurst."



      Quelle spiegel.de



      Besonders deftig sind Sprüche und Videos des bayerischen MP.



      "Markus Söder im Wahlkampf



      Der Würstchen-Populist"



      taz.de/Markus-Soed...ahlkampf/!5947595/



      Er sagte unlängst, er wäre auch gerne Metzger geworden.

  • Ich denke, Vegetarier essen gar kein Fleisch. Was soll die künftige Bundesregierung denn in Sachen Fleischkonsum für diese Klientel noch tun?