Neue Musik aus Berlin: Verästelt und gespenstisch
Mit E-Gitarre und Cajón durchstreifen Ale Hop und Laura Robles folkloristische Rhythmen von den Küsten Perus und übersetzen sie in Klangexperimente.
A lejandra Cárdenas alias Ale Hop und Laura Robles stammen aus Lima. Kennengelernt haben sich die beiden Musikerinnen allerdings erst in Berlin – wo sie dann auch eine andere Beziehung zu folkloristischen Traditionen ihrer Heimat fanden, um diese munter zu dekonstruieren.
Zu hören ist das auf dem elektroakustisch-experimentellen Album „Aqua Dulce“, benannt nach einem Strand in ihrer Heimatstadt. Denn Ausgangspunkt ihrer spröden, oft düster grundierten Tracks sind Rhythmen der peruanischen Küstenregionen. Immer wieder wird Tanzbares angedeutet und umgehend in seine Bestandteile zerbröselt. Oder ganz zerhackt.
Im Fokus ihrer Klangforschung steht die in ihrer Heimat allgegenwärtige Kastentrommel Cajón. Die wurden einst von versklavten Menschen aus Obstkisten gebaut, nachdem die spanischen Kolonisatoren traditionelle Fußtrommeln verboten hatten. Zu ihrer persönlichen Geschichte mit diesem Instrument erzählte Robles, die mittlerweile als eine der besten Spielerinnen Perus gilt, der taz vor zwei Jahren: „Mit 11 Jahren fing ich an, seltsamere Rhythmen zu spielen, wurde aber schnell kritisiert. Weil ich eine Frau bin, weil ich nicht arm genug bin, um Folklore zu spielen, und weil ich spielen sollte, wie die Männer es taten.“
Ale Hop & Laura Robles: „Aqua Dulce“ (Buh Records); Live am 12. 4., Galiläakirche, 19.30 Uhr, Eintritt frei
Es gilt also einigen kulturelle Ballast zu verdauen. Cárdenas produzierte dann auf Basis dieser Rhythmen verästelte Elektronik und führt die Tracks auf Terrain, das immer wieder herausfordert und oft fasziniert. Etwa im Track „Lamento“, dem ein sich durchziehender, eher quälender Synthesizerton eine ziemlich gespenstische Anmutung gibt.
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