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Nachwahl in EnglandNigel Farage kehrt ins Parlament zurück

Der Chef der rechten Partei Reform UK gewinnt die Nachwahl in Clacton-on-Sea. Doch das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt ein anderer Kandidat.

Die Stimmauszählung dauerte ungewöhnlich lange, gab es doch 34 Kan­di­da­t:in­nen auf einem 90 cm langen Wahlzettel, darunter der Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK und der Scherzkandidat Count Binface (Graf Mülleimer). Doch gegen sechs Uhr morgens britischer Zeit stand der 62-jährige Farage als erwarteter Sieger der Nachwahl des südostenglischen Wahlkreises Clacton-on-Sea fest.

Farage holte 62,8 Prozent, insgesamt 22.239 Stimmen. Im Juli 2024 lag er noch bei 46,2 Prozent. Für Farage ist das eine Bestätigung seiner Position.

Der Chef der Partei Reform UK hatte bereits Stunden vor der offiziellen Verkündung seines Wahlsieges eine Rede gehalten. „Ich habe am heißesten Tag des Jahres, mitten im August in der Urlaubszeit, mit mehr Stimmen als bei der Nationalwahl 2024 gewonnen“, sagte er vor jubelnden Unterstützer:innen.

Bei der Verkündung der Wahlergebnisse werde er jedoch nicht dabei sein, da die Polizei vor organisierten Störaktionen gewarnt habe, so Farage. Wahlleiter Ian Davidson widersprach dem jedoch: Die Veranstaltung sei geschützt und sicher. Auch die BBC, welche die Wahlnacht übertrug, konnte keine polizeilichen Warnungen bestätigen. Dennoch wurde auch eine von Farage geplante Ansprache am Vormittag von Reform UK abgesagt. Farage hatte schon häufig von einer Gefährdung seiner Sicherheit gesprochen. Im Hinterkopf hatte er dabei wohl auch die Ermordung der Reform UK-Politikerin Ann Widdecombe in ihrem Haus in Devon im Juli.

Scherzkandidat als Hauptkonkurrent

Farages Hauptkontrahent war der Scherzkandidat Count Binface, (Graf Mülleimer), der mit eben diesem Mülleimer als Helm über dem Kopf und im Motorradanzug auftritt und sich als Wesen vom Planeten Sigma IX ausgibt. Er kam mit 9.455 Stimmen auf 26,93 Prozent, mehr als bei den fünf vorherigen Wahlen, bei denen er angetreten war.

Damit hat Binface, hinter dem der britische Comedian Jonathan Harvey steht, das höchste Scherzkandidaten-Ergebnis in der britischen Geschichte erzielt.

Geldgeschenk als Rücktrittsgrund

Zur Nachwahl in Clacton-on-Sea war es gekommen, weil Nigel Farage am 8. Juli von seinem Posten als Parlamentarier aus diesem Wahlkreis zurückgetreten war. Zuvor hatte die Prüfstelle für parlamentarische Standards eine Geldzuwendung des Milliardärs Christopher Harborne in Höhe von 5 Millionen Pfund (rund 5,85 Millionen Euro) überprüft, die Farage drei Monate vor seinem Eintritt ins Unterhaus erhalten hatte.

Farage hatte behauptet, es habe sich um ein persönliches Geschenk gehandelt, das er zum Schutz und zur Sicherheit seiner Person genutzt habe. Medienberichten zufolge hatte es Farage womöglich versäumt, diese Summe offenzulegen, obwohl die parlamentarischen Richtlinien eindeutig verlangen, dass alle größeren Geldspenden und finanziellen Transaktionen in dem Jahr vor dem Einzug ins Parlament öffentlich gemacht werden müssen.

Um eine mögliche parlamentarische Suspendierung und damit eventuell verbundene Neuwahlen zu vermeiden, trat Farage proaktiv zurück. Die Untersuchung an sich bezeichnete er als Ergebnis einer medial gesteuerten Hexenjagd.

Doch diese Nachwahl, die die britischen Steu­er­zah­le­r:in­nen jetzt umgerechnet 300.000 Euro gekostet haben könnte, beendet die Untersuchungen der Prüfstelle für parlamentarische Standards gar nicht. Nach Farages Rücktritt waren sie zwar auf Eis gelegt worden, doch werden sie mit seiner jetzigen Wiederwahl wieder aufgenommen.

Untersuchungen werden mit Neuwahl wieder aufgenommen

Farage könnte demnach doch noch parlamentarisch suspendiert werden, wodurch es zu einer zweiten Nachwahl kommen könnte. Gerade deshalb hatten sich sämtliche größeren Parteien – Labour, Konservative, Li­be­ral­de­mo­kra­t:in­nen und Grüne – nicht an der Wahl beteiligt, die sie als Inszenierung Farages bezeichneten. Nur deshalb war Count Binface überhaupt zum Hauptgegenkandidaten geworden. Insgesamt traten schlussendlich noch 32 andere zur Wahl an, darunter vor allem unabhängige Kandidat:innen. Sie kamen insgesamt auf 3.375 Stimmen.

Neben der ausstehenden parlamentarischen Untersuchung zu seinen Geldangelegenheiten sind die Probleme für Farage und seine Partei noch nicht beendet. Seitdem die Labour-Partei Andy Burnham zum Nachfolger Keir Starmers als Premierminister ernannt hat, sind die Umfragewerte der rechtspopulistischen Reform UK rückläufig. Am Montag lag Labour in einer Meinungsumfrage von Yougov mit 24 Punkten zum ersten Mal zwei Punkte vor Reform UK und auch die Tories holten stark auf.

Anm. d. Red. In einer früheren Fassung war die Rede davon, die Nachwahl dürfte umgerechnet rund 300 Millionen Euro gekostet haben. Richtig ist: 300.000 Euro. Wir haben die Stelle korrigiert.

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1 Kommentar

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  • Don Geraldo

    "Doch diese Nachwahl, die die britischen Steu­er­zah­le­r:in­nen jetzt umgerechnet 300 Millionen Euro gekostet haben könnte, ...."

    Wie kommt denn diese Zahl zustande?



    Hochgerechnet auf die 650 Wahlkreise würde ja dann eine normale landesweite Wahl 195 Milliarden kosten.



    Kann ich mir nicht vorstellen.