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Nachruf auf Ex-Präsident Ion IliescuEiner, der Rumänien revolutionierte

Ion Iliescu stellte sich Diktator Ceauşescu entgegen, wurde später selbst Präsident und führte Rumänien in die Nato. Er starb im Alter von 95 Jahren.

William Totok

Aus Berlin

William Totok

Hass über den Tod hinaus: Rumäniens faschistoide Rechte bezeichnet Ion Iliescu als Nachfahren eines jüdischen Großvaters und als Sohn einer bulgarischen „Zigeunerin“. In den Augen der neoliberalen Rechten ist er ein bolschewistischer Verbrecher. Der frühere Präsident Rumäniens ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren in Bukarest gestorben.

Die Karriere Iliescus als kommunistischer Funktionär begann nach seinem Studium in Moskau in den 1950er Jahren. Als Chef des Jugendverbandes vertrat er die offizielle Parteilinie. Seine Abkehr von verkrusteten Dogmen mündete in einem Konflikt mit Nicolae Ceauşescu, der ihn des Intellektualismus bezichtigte.

Der in Ungnade gefallene Apparatschik wurde von 1971 bis 1974 als Propagandasekretär nach Temeswar versetzt, was einer Verbannung gleichkam. Die multiethnische Stadt galt Ceauşescu als ideologisch instabil. Durch sein unkonventionelles Auftreten stärkte Iliescu eher die liberalen und kritischen Intellektuellenkreise und unterwanderte indirekt die repressive Politik Ceauşescus.

1974 wurde er in eine andere Stadt versetzt und 1984 zum Direktor eines Bukarester Verlages degradiert. In dieser Funktion wurde er von der Revolution überrascht, die sich in Temeswar an dem Konflikt des ungarischen Pastors László Tőkés mit den kommunistischen Behörden entzündet hatte.

Revolutionär und Vater von Rumäniens Nato-Beitritt

Iliescu schloss sich den Bukarester Aufständischen an und wurde an die Spitze der revolutionären Sammelbewegung Front zur Nationalen Rettung (FSN) gewählt, die den Schauprozess gegen das Diktatorenehepaar veranlasst hatte.

Am 25. Dezember 1989 wurden die Ceauşescus hingerichtet. Dass danach die Kämpfe zwischen bewaffneten Aufständischen und Anhängern des gestürzten Diktators weitergingen, wird Iliescu angekreidet. Seine Gegner behaupten, er habe das Blutvergießen gebilligt, um seine Macht zu festigen. Er selber hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Iliescu erhielt im Mai 1990 bei den ersten freien Wahlen 85 Prozent der Stimmen. Zwei Jahre später wurde er in seinem Amt für vier weitere Jahre bestätigt. Die politische Sammelbewegung versuchte er in eine sozialdemokratische Partei zu verwandeln, nachdem sich darin bereits Profiteure der wilden Privatisierungen der Volkswirtschaft eingenistet hatten. Im Sommer 1990 ließ er Proteste durch Bergarbeiter niederschlagen.

In der Stichwahl für das Präsidentenamt 2000 schlug Iliescu den Kandidaten der rechtsextremen großrumänischen Partei. Bezeichnend für Iliescus letzte Amtsperiode sind seine Bemühungen um die Aufnahme Rumäniens in die NATO. 2004 wurde Rumänien in das westliche Militärbündnis aufgenommen, zwei Jahre später in die EU.

Mit seinem Tod werden die Rachegelüste seiner Gegner abflauen. Das endgültige Urteil über Iliescu, der an diesem Donnerstag beigesetzt wird, bleibt der Geschichte überlassen.

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