Nachruf auf Cees Nooteboom: Der europäische Tramp
Cees Nooteboom liebte das Reisen und schrieb darüber sowie über seine Kriegserfahrungen. Nun ist der niederländische Schriftsteller im Alter von 92 Jahren verstorben.
Europa war sein Thema, seine kulturellen Traditionen, deren Lasten und das, was bleibt. Cees Nooteboom kannte sich auf seinem Kontinent aus, er reiste viel, als junger Mensch liebte er, nicht und sogar nicht vorwiegend aus finanziellen Gründen, das Trampen. Losfahren und nicht wissen, wohin es geht, sagte er einmal, neugierig bleiben, wach, aufmerksam, aber nicht zerspannt.
Der Niederländer war ein großer Schriftsteller, obwohl er in seiner Heimat weniger berühmt war als in Deutschland, wo Suhrkamp eine Werkausgabe von ihm herausgab. „Allerseelen“, „Rituale“, „Die folgende Geschichte“ sind bekannte Titel seiner Bücher.
Nooteboom, Kind aus einer katholischen Familie, geboren 1933 in Den Haag, Halbwaise seit 1943, weil sein Vater bei einem fehlgeleiteten britischen Bombenangriff (auf die nazibesetzten Niederlande) ums Leben kam. Zur Schule gegangen zunächst auf Klosterschulen, die er aber – aus Gründen des prinzipiellen Zweifels am Dogma des Klerus – wieder verließ.
Nooteboom hielt es in der Enge seiner Verhältnisse nicht aus, er wollte raus, reisen – und unternahm, ohne dies besonders geplant zu haben, ausgedehnte Reisen durch den kriegsverwüsteten Kontinent.
Der Nobelpreis wurde ihm angeraunt
Losfahren, um sich loszulassen, so ließe sich das Momentum seines Lebens vielleicht fassen: Nooteboom, der in den sechziger und siebziger Jahren Lieder für Künstler wie Hermann van Veen oder Lisbeth List schrieb – mit ihr war er auch viele Jahre liiert –, schuf ein preisgekröntes Werk, nur der ihm angeraunte (von Marcel Reich-Ranicki und anderen) Literaturnobelpreis wurde ihm nicht zuerkannnt.
Nooteboom, ein Unruhiger im Gemüt, liebte die Ruhe, so schrieb er in einem seiner Reiseberichte, mochte gerade den (touristischen) Dauertrubel in seiner Heimatstadt Amsterdam sehr, aber doch nicht immer, was er auch in puncto Venedig bekannte: sehr hübsch, ja mehr noch, aber doch oft sehr lärmend.
Silvester in größeren Städten mied er am liebsten, des Böllerns wegen, weil der „wahnsinnige Krach der Silvesternacht (erinnert) mich immer an den Krieg“. Da war er wieder, dieser beiläufig-feine Ton in Nootebooms Literaturen, beobachtend, in diesen innerlich notierten Blicken sattelfest, hier die entsetzliche Kriegserfahrung seiner ersten Jugendjahre spiegelnd.
Am 11. Februar ist er im Alter von 92 Jahren in seinem Haus auf Menorca gestorben.
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