Nach Leak von US-Geheimchat: „The Atlantic“ legt in Sachen Signal-Chat nach
Die Infos über den Jemen-Angriff seien nicht geheim, sagt die US-Regierung. Jetzt ist der gesamte Chat-Verlauf öffentlich.
Verteidigungsminister Pete Hegseth, der im Chat besonders viele Einzelheiten, Zeitpläne, Orte und eingesetzte Waffen beschrieben hatte, hatte am Montag genau das vor laufenden Kameras geleugnet. Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hatte, unterstützt von CIA-Chef John Ratcliffe, am Dienstag bei einer Anhörung im Geheimdienstausschuss des Senats ausgesagt, es seien keine als geheim eingestuften Informationen ausgetauscht worden.
Ratcliffe hatte auch beteuert, die Nutzung der Signal-App anstelle regierungseigener gesicherter Kommunikationswege sei ganz normal. Auf die dringende Aufforderung, doch dann den gesamten Chatverlauf mit dem Ausschuss zu teilen, wichen beide aus. Das Gleiche behauptete später auch Donald Trump selbst: Es könne schon mal vorkommen, dass aus Versehen ein Journalist in so eine Gruppe eingeladen würde, das sei aber nicht so schlimm. Der Angriff sei ja auch erfolgreich gewesen. Anders wäre es vielleicht, hatte Trump hinzugefügt, wenn es um geheime Informationen gegangen wäre.
Journalist macht gesamten Chatverlauf öffentlich
Offenbar waren das die Momente, in denen Atlantic-Chefredakteur Goldberg der Kragen platzte. Hatte er in seiner ersten Veröffentlichung noch alle Angriffsdetails zurückgehalten, so publizierte The Atlantic am Mittwoch den gesamten Chatverlauf. In mehrfachen „Team Updates“ informierte Hegseth darin sehr detailliert über die bevorstehenden Angriffe. Niemand bezweifelt, dass diese Daten, wären sie zu diesem Zeitpunkt in die falschen Hände geraten, die gesamte Operation hätten gefährden können. Material also unter typischerweise striktester Geheimhaltung.
„Die Verteidigung von Hegseth und Waltz ist irrwitzig – und ein Grund mehr für ihren Rücktritt. Sie sagen, dass die hochsensible Information über die Bombardierung der Huthi nicht geheim war. Aber nichts verdient mehr Geheimhaltung“, empörte sich der demokratische Senator Richard Blumenthal auf X.
Sicherheitsberater Waltz hatte am Dienstag die Verantwortung dafür übernommen, versehentlich den Journalisten zu der Gruppe hinzugefügt zu haben. Trump verteidigte Waltz dennoch: Der mache einen hervorragenden Job und sei ein guter Mann, sagte Trump. Vonseiten der Republikaner*innen im Kongress blieb es zunächst auffallend ruhig. Man werde sich das ansehen, hieß es. Aber ob der ohnehin umstrittene Hegseth tatsächlich noch zuhalten ist, ist offen.
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