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Maßnahmen gegen IndustriekriseÖko­no­men gegen Kürzungen im Sozialen

Weder Bürokratie noch zu hohe Abgaben sind laut einer Studie schuld an der Konjunkturflaute. Neoliberale Konzepte helfen also nicht weiter.

Simon Poelchau

Aus Berlin

Simon Poelchau

Angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute fordern Öko­no­m*in­nen eine EU-weit koordinierte Industriepolitik sowie eine Investitionsoffensive und einen Brückenstrompreis. Kürzungen bei Sozialleistungen seien dagegen kontraproduktiv.

„Anstatt die Herausforderungen durch die aggressive Industriepolitik in China und in den USA sowie durch das Risiko eines globalen Handelskrieges zu adressieren, wird vielfach über vermeintlich überhöhte Sozialausgaben oder falsche Anreize für Bür­ger­geld­emp­fän­ge­r*in­nen diskutiert“, schreiben die Forschenden des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Ihnen zufolge sind Investitionen in die Industrie und Infrastruktur das beste Mittel, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Werden diese schnell umgesetzt, würde das auch die Nachfrage stützen. Ein falscher Druck auf Löhne und soziale Sicherung hingegen würde laut IMK die Binnennachfrage weiter schwächen – und die sei ein wichtiger Stabilitätsanker.

Die IMK-Ökonom*innen gehen davon aus, dass die Wirtschaft dieses Jahr nur um 0,1 Prozent wachsen wird – nachdem sie 2024 vermutlich das zweite Jahr in Folge schrumpfte. Entgegen in der aktuellen Debatte häufig erhobenen Behauptungen sehen sie den Grund für die Wachstumsschwäche allerdings nicht in zu hohen Sozialausgaben oder zu starker Bürokratie.

25 Prozent Wachstum

So hat sich die deutsche Wirtschaft laut IMK-Analyse zwischen 2000 und 2019 noch relativ stark entwickelt, obwohl damals Bürokratie, Löhne und Sozialausgaben nicht sonderlich geringer waren. Trotzdem wuchs in dieser Zeit die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung in Deutschland um rund 25 Prozent. Damit konnte Deutschland noch mit den USA mithalten und europäische Länder wie Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande abhängen.

„Eine Art Agenda 2010 in neuer Verpackung, wie sie von konservativer und wirtschaftsliberaler Seite vorgeschlagen wird, würde mehr schaden als nutzen“, warnt deshalb IMK-Chef Sebastian Dullien. Stattdessen bestehe die größte Herausforderung für die nächste Bundesregierung darin „zu verhindern, dass strategisch wichtige Industriebereiche wegbrechen, und Anreize für Investitionen zu schaffen, die eine zukunftsfähige Produktion von innovativen Gütern und Dienstleistungen ermöglichen“.

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6 Kommentare

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  • jeggert

    Rentner sollen „Zeche“ für höhere Verteidigungsausgaben zahlen, fordert Ökonom



    Mehr Geld für Rüstung fordern die USA. Wo aber sollen die Milliarden herkommen? Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigt auf Deutschlands Rentner. Die ältere Generation habe es versäumt, „ausreichend in unsere Sicherheit zu investieren“.

    www.welt.de/politi...om-Schularick.html

  • Herr Lich

    "zu verhindern, dass strategisch wichtige Industriebereiche wegbrechen, und Anreize für Investitionen zu schaffen, die eine zukunftsfähige Produktion von innovativen Gütern und Dienstleistungen ermöglichen“."

    Und wie? Gibts da auch einen Vorschlag?

  • Janix

    Neoliberales hilft fast nie weiter, so unterkomplex, wie die Linnendners argumentieren.



    Innovation, Infrastruktur, Bildung & Chancen für alle - nicht nur für schlecht erzogene Erben, das sind gute Rezepte. Dafür braucht man ein soziales Netz und einen handlungsfähigen Staat.

  • Wurstprofessor

    Wiki: "Das IMK ist eine Abteilung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung"

    Es wäre also fast ein Wunder, wenn aus der Ecke was anderes käme.



    Im Übrigen hat sich auch Sebastian Dullien in der Vergangenheit kritisch zum Thema Bürokratie geäußert - natürlich mit anderen Schwerpunkten als andere, deren Lohn von anderen Lobbys bezahlt wird.

  • TheBox

    Das IMK ist eine Gewerkschaftseinrichtung. Hätte man als Hintergrund ruhig erwähnen können.

  • shitstormcowboy

    Seh ich ganz genau so. Hinzu kommt, dass die Dämonisierung demokratischer Parteien zusätzlich schadet, so wie Söder es mit den Grünen macht. Der Populismuswahn, der sich bei den Konservativen breitgemacht hat, ist geeignet unser Land in das größte Unglück seit 90 Jahren zu stürzen.