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Macron kündigt Atom-Aufstockung anNukleares Dominanzgehabe

Rudolf Balmer

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Rudolf Balmer

Frankreich bietet seinen EU-Partnern den nationalen Schutzschirm an. Die Kontrolle über seine Sprengköpfe will Macron aber nicht aus der Hand geben.

Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht den Marinestützpunkt für Atom-U-Boote von Ile Longue in Crozon, am 2.3.2026 Foto: Lionel Le Saux/imago

F rankreich wird mit seiner nuklearen „Force de frappe“ den amerikanischen Schutzschirm kaum ersetzen können, auf den sich Westeuropa seit dem Kalten Krieg in einem blinden Vertrauen verlassen hatte. Wie trügerisch dieses Vertrauen in die Nato unter US-Vorherrschaft war, hat Donald Trump mit seiner strategischen Wende erwiesen.

Die indirekte Aufforderung des US-Präsidenten, die Europäer sollten künftig selber für ihre Sicherheit sorgen, kommt aber auch dem seit Langem geäußerten Wunsch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron entgegen, dass die Europäische Union eine eigenständige Verteidigungspolitik mit einer von den USA unabhängigen Rüstung entwickelt – ohne allerdings der Nato und den nordamerikanischen Paktstaaten ganz den Rücken zu kehren.

In der von Macron in seiner Grundsatzrede angesprochenen Debatte zur europäischen Verteidigung stellt sich dann unweigerlich die Frage, welchen Stellenwert die Atomwaffen einnehmen sollen. Diese sollten ursprünglich im Sinne der nuklearen Abschreckungsdoktrin der Sicherheit Frankreichs dienen. Für das restliche Westeuropa waren ja die USA zuständig. Inzwischen bietet Frankreich seinen nationalen Schutzschirm den EU-Partnern an, ohne aber die Kontrolle über seine Atomsprengköpfe aus der Hand geben oder effektiv teilen zu wollen.

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Passive Mitgliedschaft im Atom-Club

Es ist eine Art Versicherungspolice. Und diese wird es für die interessierten Staaten bestimmt nicht umsonst geben. Wer mitmacht, muss mitbezahlen. In der einen oder anderen Form. Diese Aussicht dürfte die Nachfrage sogleich etwas vermindern.

Macron bietet den anderen EU-Ländern im exklusiven Klub der Atommächte nur eine Passivmitgliedschaft an. Das heißt, auch in Zukunft entscheidet der französische Staatschef ganz alleine über die Abschreckungs- und Einsatzdoktrin. Eine Mitsprache kann es zum Ausbau des atomaren Arsenals geben, zu gemeinsamen Übungen und Manövern sowie – und das ist ein wichtiger Punkt – zur eventuellen Stationierung von Kernsprengkörpern in anderen EU-Staaten.

Europa wird damit in absehbaren Zukunft nicht eine eigenständige Atommacht. Aber das ist wohl auch besser so. Wer in diesem Poker der gegenseitigen Abschreckung mit Weltuntergangszenarien mitmacht, geht enorme Risiken ein. So etwas wie geruhsame Sicherheit ist damit nicht zu gewinnen.

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Rudolf Balmer
Auslandskorrespondent Frankreich
Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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6 Kommentare

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  • Mal ganz unabhängig vom Atomwaffensperrvertrag:



    Atomwaffen erfordern etwas mehr Know-How als eine Handgranate an eine Baumarkt Drohne zu kleben.



    Deutschland hat sich, glücklicherweise, von der Atomenergie verabschiedet. Frankreich hat das nicht vor.



    Dort bleibt Know How erhalten und ist für den Bau der Bombe vorhanden.



    Wie genau Polen ohne Know How im gesamten Bereich eine Atombombe bauen "will" ist fraglich.



    Wir sollten jedenfalls die Idee einer deutschen Atombombe mit sämtlichem MiniAKW Ideen zusammen zum Mond schießen .



    Wenn Frankreich diesen Bereich stärker ausbaut, ist eine finanzielle Beteiligung sinnvoll.



    Deutschland könnte sich dann weiter auf den konventionellen Schutzschirm konzentrieren.



    Die Verteidigung muss zunehmend europäisch gedacht werden.



    Daher ist es ungünstig einen Merz zu haben.



    trump die Füße zu küssen ist weder militärisch, noch wirtschaftlich eine Zukunftsperspektive.



    Frankreich denkt da lokaler und das ist die Zukunft.



    Wenn der Weltmarkt zu teuer wird, kaufe ich besser zu Hause ein.



    Und zu Hause, das ist Europa.

  • ""Wer in diesem Poker der gegenseitigen Abschreckung mit Weltuntergangszenarien mitmacht,.........""



    =



    hat eine Chance ein souveräner Staat/souveräner Staatenbund zu bleiben. Das Gleichgewicht des Schreckens hat eine Ost - West Konfrontation während des kalten Kriegs verhindert.



    =



    Die Russische Förderation setzt seine Atomwaffen aktuell als Drohkulisse ein damit sich Europa nicht allzusehr für eine Verteidigung der Ukraine einsetzt. Besonders betroffen ist die Bundesrepublik da mit Atomwaffen bestückte ballistische Raketen,



    abgeschossen in Kaliningrad, Berlin innerhalb von Minuten erreichen können.



    =



    Da der atomare Schutzschirm der USA bezogen auf Europa momentan eher Zweifel als Verlässlichkeit produziert hat Bundeskanzler Merz vor seiner USA Reise Gespräche über ein gemeinsames Atomprogramm mit Macron geführt deren Bedingungen und Einsatzpläne noch lange nicht ausbuchstabiert sind.



    =



    Mit diesen Ansatz atomarer europäischer Zusammenarbeit fährt Merz in die USA zu Gesprächen mit Trump. Mit europäischen Plänen zur Gewinnung von Unabhängigkeit macht Merz gegenüber Trump eine bessere Figur - als wenn es die vorausschauenden Vorplanungen von Macron/Merz nicht gegeben hätte.

  • "Wer mitmacht, muss mitbezahlen. In der einen oder anderen Form. Diese Aussicht dürfte die Nachfrage sogleich etwas vermindern."

    Genau, und zwar auf einen Staat: nämlich Deutschland, wie immer. Merz hat ja schon zu einer Teilhabe zugestimmt. allerdings ohne irgendetwas über Geld zu sagen. Und ohne MItspracherecht beim Einsatz. Vor den Wahlen is BW wäre das wohl nicht so klug gewesen, und die Bevölkerung wird mal wiedr pber den Tisch gezogen. Typisch Merz eben.

  • Von Frankreich eine Aufgabe der Sicherheits-Souveränität zu erwarten, ist, als würde das Gallische Dorf seinen Barden preisgeben. Nicht zu erwarten.



    Die französische Karte ist eine sinnvolle, bei allen Differenzen. Wie schaffen wir es, dass es so bleibt (Präsidentschaftswahlen dort), und dass auch die USA nach Trump wieder kooperativ wird?

    • @Janix:

      "...französische Karte ist eine sinnvolle, bei allen Differenzen."



      Noch 2019 kam von der Union:



      "Die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer macht einen spektakulären Vorschlag: Gemeinsam mit Frankreich soll Deutschland einen Flugzeugträger bauen. 4,5 Milliarden Euro würde er kosten. Wie realistisch ist die Idee?"



      Bei welt.de



      AKK damals:



      "Im nächsten Schritt könnten wir mit dem symbolischen Projekt des Baus eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers beginnen, um der globalen Rolle der Europäischen Union als Sicherheits- und Friedensmacht Ausdruck zu verleihen.“



      ...schon fast vergessen, aber noch nicht sehr lange her

      • @Martin Rees:

        Macron machte seine große Rede und ein großes Angebot. Merkel, wie so häufig westeuropäisch unmusikalisch, ließ ihn einfach auflaufen. Scholz korrigierte das nicht. Merz auch nicht.



        Beim Flugzeugträger hätte ich dabei nicht eingeschlagen. So etwas projiziert Macht und wäre womöglich die Idee gewesen, Französisch-Afrika von Deutschland mitfinanzieren zu lassen. Dann lieber Rüstung für die Verteidigung ohne Machtspielchen zusammen machen.



        Und auf keinen Fall die Freunde anschweigen. Im besten Fall das Französisch aufpolieren. De Gaulle schaffte Reden weitgehend in Deutsch, wer tut das mal andersherum?