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Liverpool als Bayern-VorbildDer Traum vom schönen Gejammer

Schlimm, was der FC Bayern München alles anrichtet. Er treibt sogar einen HSV-Fan in die Arme des FC St. Pauli.

A ls HSV-Fan ist man selten für St. Pauli. Obwohl im Fußball fast nichts egaler ist als eine Niederlage gegen den FC Bayern, ist ein Spiel wie am Samstag eine dieser seltenen Gelegenheiten, für den FC St. Pauli zu halten. Und das, obwohl der Kommentator der Sportschau sie laufend als „Hamburger“ bezeichnet.

Leider ist es dann so, wie es oft so ist: Die Braunen verteidigen heldenhaft, ihr 1:0-Torschütze verletzt sich beim Tor, danach haben ihre Konter ungefähr Regionalligaqualität. Die Bayern selbst hätten sich schon 4 Buden reingemacht – St. Pauli geht mit einem 1:1 in die Nachspielzeit, wo es dann passiert, sogar zweimal. Der ARD-Kommentator, vermutlich eh Bayern-Fan, tut, als sei alles normal: 3:1 für den FCB. Immerhin war diesmal kein Schiri in die unglückliche Niederlage verwickelt.

Unter der Woche hat der FCB seine erste Saisonniederlage kassiert, gegen Arsenal, das in den letzten 20 Jahren zu einem Mix aus Leverkusen und Dortmund mutiert ist, also brillanter Fußball plus Hasenfüßigkeit in den entscheidenden Partien und am Ende zweiter Sieger. Ein, sorry, Kackclub eigentlich.

Man denkt ja inzwischen, zum Glück gibt es die Champions League, wo die Bayern nicht automatisch jedes Spiel gewinnen. Dabei gibt es sie, DAMIT die Bayern automatisch jedes Spiel gewinnen, jedenfalls hierzulande.

Das Traurigste und Lustigste zugleich

In der Champions League spielt auch der FC Liverpool, der in meiner persönlichen Sympathie höher rangiert, was entweder mit Jürgen Klopp zusammenhängt oder den Beatles oder den Arbeiterklassenverhältnissen dort. Früher haben sie mir allerdings nicht so gefallen, da haben sie zu oft den nationalen Titel geholt und sorgten international eher für Unmut, to say the least.

Niederlagen wie jenes 1:4 am Mittwoch gegen den PSV Eindhoven machen mir persönlich nicht so viel aus. Aber der Zusammenschnitt von Fan-Reaktionen nach dem Spiel, aufgezeichnet vom LFC TV und über Insta-Reels mir zugespielt (warum auch immer), ist das Traurigste und Lustigste, was es in dieser Woche in Sachen CL zu sehen gab. Hier ein paar Zitate: „I’ve seen bad days, but this is biblical punishment!“ Ein anderer: „It’s psychological torture.“ Klopp machte aus den Spielern Legenden, sein Nachfolger, hier nur „Slopp“ genannt, „turned them into trauma triggers“. Ein Dritter: „Klopp gave us fire. This one is standing there like he’s waiting for a taxi that never comes. We’ve come from thunder to drizzle.“

Wäre schön, so etwas mal von Bayernfans zu hören.

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René Hamann

René Hamann Redakteur Die Wahrheit

schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.
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