Kürzungen an der FU Berlin: Kein Geld für Afrika
Der Afrika-Schwerpunkt des Studiengangs Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin ist in Gefahr. Studierende sehen darin ein fatales Signal.
Ausnahmsweise sitzen die rund 30 Studierenden der Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin am Donnerstagmittag nicht für eine Vorlesung im Hörsaal. Vielmehr geht es um die Zukunft ihres Studiengangs, der möglicherweise bald schon ohne seinen bundesweit einzigartigen Afrika-Schwerpunkt auskommen muss. Denn feststeht: Entweder die Professur für Architekturgeschichte oder die Professur für die Kunst Afrikas wird künftig gestrichen.
Letztere geht jedoch über eine Professur hinaus: Ganze Bachelor- und Master-Studiengänge mit dem Schwerpunkt Kunst Afrikas würden damit auslaufen. Die Architekturgeschichte ist hingegen im Schwerpunkt Europa und Amerika angesiedelt. Hintergrund der Pläne sind die drastischen Mittelkürzungen des Senats im Wissenschaftsetat. Die FU muss voraussichtlich mit rund 37 Millionen Euro weniger in diesem Jahr auskommen. Gespart werden soll unter anderem dort, wo Professuren unbesetzt sind. Am Kunsthistorischen Institut ist das der Fall.
Welche der beiden Professuren erhalten bleiben wird, wird in traditioneller Uni-Manier letztlich von oben entschieden: Das letzte Wort wird das Dekanat haben. Bereits am kommenden Montag wird das Institut selbst seine Stimme abgeben – und das jeweils nach Gruppen: Professor:innen, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen und schließlich die Studierendenschaft. Die Stimme letzterer wird am wenigsten Gewicht haben – wenngleich sie diejenige ist, die am stärksten von der Entscheidung betroffen sein wird.
Bei der „Notversammlung“ der Fachschaft der Kunststudierenden am Donnerstag sagte eine Studentin: „Die Einzigartigkeit, global auf Kunstgeschichte zu blicken, ist in Gefahr.“ Für die Fachschaft steht fest, dass eine mögliche Streichung des Afrika-Schwerpunktes nicht nur die Vielfalt des Instituts schmälern würde, sondern auch ein fatales Signal aussendet angesichts eines weltweiten Abbaus von Minderheitenrechten.
Entscheidung fällt im Herbst
„Kein anderer Standort in Deutschland bietet eine vergleichbare institutionalisierte Ausbildung in diesem Fachbereich“, appellierten rund 130 Studierende schon Mitte Juni in einem Brief an die Leitung des Fachbereichs. Mit der Einrichtung eines Afrika-Schwerpunktes habe die FU auf eine eklatante Leerstelle im Fach geantwortet – sie nun zu streichen, hieße, diese Leerstelle wiederherzustellen.
Erst Anfang der Woche habe die Fachschaft erfahren, dass das Institut über die Professur abstimmen werde. Dass ein gesamter Studiengang dabei auf dem Spiel steht, sei dabei nicht klar kommuniziert worden. Das Institut wollte sich auf Anfrage der taz nicht zu den Vorgängen äußern. Die FU will im Herbst eine endgültige Entscheidung fällen.
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