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Krieg im Nahen OstenKonsensuelle Euphorie

Gastkommentar von

Gil Shohat

In breiten Teilen der israelischen Gesellschaft gilt der Krieg gegen Iran als alternativlos. Kritische Stimmen geraten zunehmend ins Abseits.

Premierminister Benjamin Netanjahu während einer Ansprache am 1. März 2026 auf dem Dach des Kirya-Gebäudes in Tel Aviv, Israel Foto: Avi Ohayon/Israel's Government Press Office/epa

J enseits der Fokussierung auf die Bekanntgabe von zu erwartendem Raketenalarm und damit zusammenhängenden Appellen an die israelische Bevölkerung, den Anweisungen des örtlichen Home Front Command zu folgen, dominiert in der seit Samstag laufenden Dauerberichterstattung im israelischen Hörfunk im Zuge des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels gegen Iran vor allem die eine Frage: Kann man Regierungschef Benjamin Netanjahu für die offensichtliche Überzeugungsarbeit, die er beim US-Präsidenten Donald Trump geleistet hat, dankbar sein, und in welchem Verhältnis steht der neuerliche von Israel begonnene Krieg im Nahen Osten zur innenpolitischen Situation des Premierministers? Es ist bezeichnend, wie auch nahezu alle führenden Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ke­r*in­nen in Israel einhellig für die Bombardierung Iran öffentlich Partei ergriffen haben.

Gil Shohat

ist als Sohn israelischer Eltern in Bonn aufge­wachsen. Er ist Historiker, hat in Berlin promoviert und leitet seit Frühjahr 2023 das Israel-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv.

Oppositionsführer Jair Lapid von der Zukunftspartei sprach von einer „existenziellen Bedrohung“, was symptomatisch ist für eine Opposition, die sich ausschließlich der innenpolitischen Auseinandersetzung gegen den verhassten Netanjahu verschrieben hat. Sie beruht – wie bereits im Hinblick auf den Genozid an den Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen im Gazastreifen in den vergangenen zweieinhalb Jahren – auf der Annahme, dass kein Zusammenhang bestünde zwischen der autoritären Führung einerseits und der Militarisierung der Gesellschaft auf der anderen Seite.

Die allgemeine Akzeptanz von militärischer Aggression als „alternativlos“ in großen Teilen der jüdischen Bevölkerung und die politische Unterstützung durch die Opposition sind Zeugnis der tiefen Verankerung der Systems Netanjahu. Wenn Fragen von Krieg und Frieden als „unpolitisch“ gelten, können antimilitaristische Stimmen in den Bereich des Illegitimen gerückt werden. Sie gelten bisweilen sogar als staatsfeindlich. Das militärische Dogma wird hingegen weiter vertieft und dient – mit Ausnahme der Orthodoxen – als Klebstoff für die sonst tief fragmentierten Gesellschaft.

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3 Kommentare

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  • ""Die allgemeine Akzeptanz von militärischer Aggression als „alternativlos“ in großen Teilen der jüdischen Bevölkerung und die politische Unterstützung durch die Opposition sind Zeugnis der tiefen Verankerung der Systems Netanjahu.""



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    1.. Es gibt kein anderes durch das Völkerrecht anerkanntes Land welches seit seiner Staatsgründung 1949 so häufig durch Staaten, Staatenbündnisse, Terrorgruppen und islamistische Milizen angegriffen wurde. Seit wann ist Notwehr in der Abwehr von Angreifern - noch dazu von Angreifern die Israel vernichten wollen - eine militärische Agression?



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    2..Von einem Mangel an Auseinandersetzungen der israelischen Bevölkerung inklusive der Opposition gegen Netanjahu kann nun wirklich keine Rede sein - siehe die Kämpfe und Demonstrationen



    gegen Netanjahu während des Gazakrieges.



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    3..Schon mal daran gedacht das die israelische Einigkeit im Krieg



    gegen das islamistische Regime im Iran allein damit zusammen hängt zu verhindern wieder mal vernichtet zu werden?

  • Ist aber auch ein klassisches Syndrom. Militärischer Erfolg aller Orten führt schnell zum Besäufnis in nationaler Arroganz.

  • Wie immer kann man nur fragen: Israel, wo siehst du dich, deine Nachbarn und das Verhältnis zwischen euch in 20 oder 40 Jahren?



    Ich befürchte, da gibt's nicht nur Gutes zu prognostizieren, auch wenn der Krieg jetzt kurzfristig eindeutig "gewonnen" wird.



    Kurzum: Da wird in Quartalen höchstens 1 Jahreszeiträumen gedacht. Langfristig zu kurz gesprungen.