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Kommentar Neue Bamf-LeitungEin Rechtsausleger

Christian Jakob

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Christian Jakob

Der Sommer kommt: Durch den vermeintlichen Bamf- Skandal konnte Horst Seehofer jetzt einen maximal loyalen Mann als Behördenchef installieren.

A us dem vermeintlichen Bamf-Skandal ist die Luft in den letzten beiden Wochen fast restlos wieder entwichen. Trotzdem hat Seehofer die Bamf-Präsidentin Jutta Cordt rausgeworfen. Vollmundig hatte Seehofer angekündigt, die Behörde „aufzuräumen“ und umzubauen. Am Dienstag dann wurde bekannt, dass er dem Kanzleramt die Kontrolle über das Bamf entziehen will. All das geschieht, ohne dass sich die Vorwürfe gegen das Bamf ernsthaft erhärtet hätten: brachia­le Symbolpolitik, ohne Rücksicht auf Fakten.

Die Berufung eines Juristen aus dem innersten CSU-Zirkel aber erfüllt noch einen weiteren Zweck. Der designierte Bamf-Chef Sommer war Büroleiter bei Stoiber, Referent bei Beckstein, Kassenprüfer der Partei, Abteilungsleiter im bayrischen Innenministerium. Eine zu Seehofer loyalere Figur ist kaum denkbar.

Er bringt die passende geistige Grundausstattung mit, um Flüchtlinge künftig noch stärker als Sicherheitsproblem zu behandeln. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Asyldiskussion mit großer Härte geführt.

Trotzdem lag die sogenannte Schutzquote 2016 und 2017 höher als je zuvor: 2016 wurden 62 Prozent aller Antragsteller anerkannt, 2017 noch 43 Prozent. Widerspruchsverfahren sind da noch gar nicht eingerechnet. Der Wert ging in den letzten Monaten zwar zurück, ist aber nach wie vor hoch – ein Zustand, der der CSU kaum gefallen dürfte.

Mit Sommer soll nun ein Jurist die Behörde leiten, der in Bayern bewiesen hat, dass er das Recht immer genau so auszulegen vermag, dass die Flüchtlinge, sooft es geht, den Kürzeren ziehen. Als Bamf-Chef hat er da durchaus Möglichkeiten: etwa bei der Einleitung von Widerrufsverfahren bei bereits erteiltem Asyl oder bei der Verschärfung der Herkunftsländer-Leitsätze – einem Hebel, mit dem das Bamf zuletzt schon hingekriegt hat, dass immer weniger Afghanen Asyl bekommen.

Hinweis: In einer früheren Fassung des Textes hatte es geheißen, Sommer habe in der Vergangenheit für den VS in Bayern gearbeitet. Die bayrische Staatsregierung hat dies am Mittwoch erstmals offiziell gegenüber der taz dementiert. Wir haben die entsprechende Passage entfernt.

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Christian Jakob

Christian Jakob Reportage & Recherche

Seit 2006 bei der taz, zuerst bei der taz Nord in Bremen, seit 2014 im Ressort Reportage und Recherche. Im Ch. Links Verlag erschien von ihm 2023 "Endzeit. Die neue Angst vor dem Untergang und der Kampf um unsere Zukunft". Seit 2019 gibt er den Atlas der Migration der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit heraus. Zuvor schrieb er "Die Bleibenden", eine Geschichte der Flüchtlingsbewegung, "Diktatoren als Türsteher" (mit Simone Schlindwein) und "Angriff auf Europa" (mit M. Gürgen, P. Hecht. S. am Orde und N. Horaczek); alle erschienen im Ch. Links Verlag. Seit 2018 ist er Autor des Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt. 2020/'21 war er als Stipendiat am Max Planck Institut für Völkerrecht in Heidelberg. Er ist Autor von Hörfunkfeatures für SWR, Deutschlandradio und ORF und Mitglied im Beirat des Mediendienst Integration. Auf Bluesky: chrjkb.bsky.social
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5 Kommentare

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  • 6G
    60440 (Profil gelöscht)

    Die CDU und ihre missratene kleine braune Schwester hatten bei der letzten Bundestagswahl doch gar keine Mehrheit, wenn ich mich recht erinnere.

    Wer war doch gleich der Steigbügelhalter und warum hört man von denen nichts ?

  • Nationalistische, rassistische Politik braucht willige technokratische Handlanger*innen. Das hat deutsche Tradition.

    • 6G
      60440 (Profil gelöscht)

      @Uranus:

      Besonders geeignet sind furchtbare Juristen.

  • So funktioniert eine staatliche Verschwörungstheorie.

  • Gleichschaltung der Verwaltung, Coup gegen eine Staatsdienerin , der bis jetzt keinen Fehler zugeschrieben werden kann. Liberale Geiste, Demokraten haben Gründe, besorgt zu werden.