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Kommentar Gewalt gegen RomaDer Staat als schlechtes Beispiel

Rudolf Balmer

Kommentar von

Rudolf Balmer

Im Norden von Paris wird ein junger Rom brutal misshandelt. Die französische Politik der Abschreckung trägt daran eine Mitschuld.

A lles deutet darauf hin, dass es sich bei der brutalen Aggression gegen einen jungen Rom im Norden von Paris um eine Form von Lynchjustiz handelt. Nichts kann aber eine solche beschönigend „Selbstjustiz“ genannte Gewalttat rechtfertigen. Auch wenn die neuen Nachbarn den „Ureinwohnern“ ein Dorn im Auge waren, berechtigt sie nichts dazu, auf diese Art ein Exempel zu statuieren.

In einer ersten Reaktion äußert der Bürgermeister in Pierrefitte-sur-Seine jedoch Verständnis – wenn nicht für das Vorgehen, so doch für die Motive mancher Mitbürger. Auch der zuständige Innenminister hatte es nicht sehr eilig, die Wildwestmanieren zu verurteilen.

Denn die Politik der Abschreckung gegen Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien ist so ziemlich die einzige Strategie, welche die französischen Behörden gefunden haben, um gegen das „Roma-Problem“ vorzugehen. In diesem Sinne liefert der Staat den aufgebrachten Bürgern regelmäßig selbst ein schlechtes Beispiel mit ostentativ vor Fernsehkameras durchgeführten polizeilichen Räumungsaktionen.

Der Sinn dieser behördlichen Gewaltanwendung ist es nicht bloß, Menschen zu vertreiben, die nicht ins Bild passen, sondern abschreckend auf die einzuwirken, die noch vorhaben, nach Frankreich zu kommen.

Was aber der Staat im Namen des Gesetzes in größerem Stile tut, werden selbstgerechte Bürgerwehren rasch nachahmen. Selbsthilfegruppen von Freiwilligen, die in Quartieren patrouillieren, um der Polizei verdächtige Personen zu melden, beginnen bereits überall aus dem Boden zu schießen. Falls die Lynchjustiz von Pierrefitte-sur-Seine ungestraft bleiben sollte, wird es nicht lange bei friedlichen Rundgängen bleiben. Der Fall Darius ist leider auch in dieser Hinsicht exemplarisch.

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Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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2 Kommentare

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  • Ist eigentlich an den Gerüchten was dran, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder einer Vorortgang handelt? In den Artikeln findet man dazu natürlich nichts genaueres, aber einige Kommentare gingen in Richtung "Jetzt kümmern sich die Araber um die Roma".

  • Sorry - geschätzter Herr Balmer -

     

    jetzt gibt's mal Zanke -

     

    "…. Auch wenn die neuen Nachbarn den „Ureinwohnern“ ein Dorn im Auge waren, berechtigt sie nichts dazu, auf diese Art ein Exempel zu statuieren.…"

     

    mit Verlaub - das geht gar nicht -

    einfach mal gegen den Strich lesen - klar!¿

     

    wenn Sie solches in einem Strafrechts-/Asylurteil finden würden,

    bin ich mir sicher -

    das würden Sie aufspießen -

    zu recht - das Gegenteil von gut ist

    gut gemeint.

     

    und - nochens - der Rest rettet's auch

    nicht wirklich - wie auch.