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Klimakiller LuftfahrtWeniger Kondensstreifen, langsamere Erderwärmung

Eine günstige Methode, CO₂‑Emissionen beim Fliegen zu verringern: Kondensstreifen vermeiden. Wie das geht und dem Klima hilft, zeigt eine Studie.

Die durch den Luftverkehr verursachte Erderwärmung kann um zehn Jahre verzögert werden, wenn Kondensstreifen vermieden werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Verkehrs-NGO Transport & Environment, die der taz vorliegt. Laut dem Bericht, der an diesem Dienstag erscheint, könnte der Beitrag des Luftverkehrs zur globalen Erderwärmung ohne Kondensstreifen von 0,08 Grad im Jahr 2040 auf 2050 verschoben werden. Eine Halbierung der Klimaeffekte von Kondensstreifen könnte bis zu 23 Prozent der weltweiten CO₂‑Emissionen des Luftverkehrs einsparen. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von bis zu 50 Millionen benzinbetriebenen Pkws. So vielen, wie derzeit in Deutschland zugelassen sind.

Die prognostizierten Verzögerungen der Erderhitzung klingen minimal, können aber enorm positive Folgen für das Weltklima haben. Zudem ist die Vermeidung von Kondensstreifen eine der simpelsten und kostengünstigsten Methoden zur Reduzierung des Klimaeffekts der Luftfahrt. Piloten können sie nämlich durch geringe Änderungen der Flugrouten vermeiden, ohne dass bedeutend mehr Kerosin benötigt wird. Gleichzeitig sind Kondensstreifen aktuell für etwa die Hälfte des Treibhausgaseffekts des internationalen Flugverkehrs verantwortlich – also für etwa ein bis zwei Prozent der gesamten weltweiten CO2-Emissionen.

„Kondensstreifen vermeiden ist eine einfache Klimamaßnahme mit großer Wirkung. Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, diese Beschleuniger des Klimawandels in den Griff zu bekommen“, sagt Anna Comino von T&E.

Kondensstreifen entstehen in großer Flughöhe, wenn heiße Abgase auf sehr kalte, feuchte Luft treffen. Aus den unscheinbaren Linien am Himmel werden so Eiswolken. Sie lassen das Sonnenlicht durch, halten aber die von der Erde abgestrahlte Wärme wie eine Decke zurück – und verhindern so, dass diese ins Weltall entweicht. Vor allem in den Nachtstunden überwiegt der wärmende Effekt, da dann kein Sonnenlicht reflektiert wird, die Erde aber Wärme abstrahlt. Der Effekt tritt nur bei wenigen Flügen auf, zum Beispiel über dem Atlantik. Der klimaschonende Effekt tritt ein, wenn die kalten Luftschichten einfach umflogen werden.

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Verspätungen von höchstens zwei Minuten

Der Touristikkonzern Tuifly hat bei Tests mit leichten Höhen- und Routenkorrekturen bei 5 Prozent seiner Flüge 80 Prozent der Treibhauseffekte eingespart. Es habe nur Verspätungen von höchstens zwei Minuten gegeben, die Passagiere hätten wahrscheinlich wenig davon gemerkt, ist Tuifly sicher.

In diesem Winter wird ein Konsortium, dem unter anderem die britische Regierung und Flugsicherungsdienste angehören, den weltweit ersten Test im Luftraum über dem Atlantik durchführen.

Es gibt derzeit nicht nur viel Forschung zur Vermeidung von Kondensstreifen im Luftverkehr, auch die Politik ist aktiv: Die EU-Kommission schlug erst kürzlich im Rahmen der Überarbeitung des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) kostenlose Emissionszertifikate für Fluggesellschaften vor, denen es gelingt, Kondensstreifen zu vermeiden. T&E empfiehlt dem Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten, den Vorstoß zu unterstützen.

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1 Kommentar

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  • Heiner Petersen

    Freut mich als einmal im Jahr Flieger sehr, dass diese Idee aufgegriffen wurde. Die erste Studie zu dem Thema, die ich gesehen habe, kam 2020 raus und wurde zunächst wenig beachtet. Dass es aber schon 6 Jahre später jetzt aktiv in Angriff genommen wird, ist doch nicht schlecht! Und vor allem kann da soviel mehr und schneller was erreicht werden als mit Beimischung von anderen Treibstoffen. Von technischen Umrüstungen ganz zu schweigen.