Klimadeal zwischen China und USA: Reine Symbolik
Dass sich die zwei größten CO2-Emittenten beim Klimagipfel auf einen Pakt einigen, klingt großartig. Doch es gibt es an dem Papier nichts, was hilft.
D ie Beziehungen zwischen den zwei führenden Weltmächten sind derart angespannt, dass man sich mit rein symbolischen Schritten in die richtige Richtung schon zufrieden gibt. Allein dass China und die USA wieder miteinander reden, ist angesichts der jüngsten Entwicklungen begrüßenswert. Dass sich die zwei größten CO2-Emittenten nun in Glasgow auf einen Klimaschutzpakt einigen, klingt auf dem ersten Blick geradezu großartig.
Nur: Bei näherer Betrachtung gibt es an dem Papier nichts, aber auch gar nichts Neues. Was der internationalen Staatengemeinschaft wirklich helfen würde, wäre ein konkreter Zeitplan zur Schadstoffreduktion der Chinesen. Wie schnell wird der CO2-Ausstoß sinken und wann genau werden die einzelnen Wirtschaftsbereiche ihren CO2-Höhepunkt erreicht haben? Noch will sich Peking in vielen dieser zentralen Punkte nicht festlegen.
Insofern sollte der Klimaschutzpakt eher als politisches Vorspiel zur Entspannung der bilateralen Beziehungen gesehen werden, eine Art roter Teppich für die diplomatischen Ereignisse in der nächsten Woche: Dann werden US-Präsident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping zu einem virtuellen Gipfeltreffen zusammenkommen. Dass es dabei auch prominent um Klimafragen gehen wird, ist zu hoffen.
Doch das jetzige Dokument aus Glasgow dient noch einem weiteren Zweck: Nachdem die Nichtteilnahme von Xi Jinping für Kritik und Spott gesorgt hat, möchte die Volksrepublik nun das PR-Desaster wiedergutmachen.
In Peking ist das Thema Klima gerade wieder etwas nach hinten gerückt. China hat gerade erst die schlimmsten Folgen der Energiekrise abgewendet, indem man die Kohlekraftwerke hochfuhr. Nun nimmt der größte Covid-Infektionsausbruch seit der ersten Welle sämtliche Energien der Behörden in Anspruch. Dann stehen die Olympischen Winterspiele an, und schon bald folgt Xi Jinpings politische „Krönung“ zur dritten Amtszeit. Der konkrete Plan zur Schadstoffneutralität muss wohl warten. Dabei wäre er eigentlich die wichtigste aller Angelegenheiten.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert