piwik no script img

Kevin Kühnert über Umverteilung„Ich spreche Politik immer noch fließend“

Er war SPD-Generalsekretär, jetzt ist Kevin Kühnert Lobbyist für die Bürgerbewegung Finanzwende. Milliardär sein sei zu billig.

„Ich bin am Ende nicht heil aus der Sache rausgekommen“: Kevin Kühnert in den Räumen der Bürgerbewegung Finanzwende Foto: Jens Gyarmaty
Anna Lehmann

Interview von

Anna Lehmann

taz: Herr Kühnert, wie geht es Ihnen?

Kevin Kühnert: Richtig gut. Ich habe eine spannende neue Aufgabe und auch ein bisschen mehr Zeit fürs Leben.

Im Interview: Kevin Kühnert

Jahrgang 1989, war Juso-Vorsitzender und von 2021 bis 2024 Generalsekretär der SPD. Nach einer Auszeit arbeitet er seit Dezember 2025 als Bereichsleiter für Steuern, Verteilung und Lobbyismus bei der Bürgerbewegung Finanzwende.

taz: Sie sind mit 15 in die SPD eingetreten. Waren Juso-Vorsitzender und Generalsekretär und haben im Oktober 2024 mit 35 Jahren Ihre politische Karriere abrupt beendet. Sind Sie froh, den Absprung geschafft zu haben?

Kühnert: Nein, weil die Umstände keine schönen gewesen sind. Das waren 20 sehr wertvolle Jahre, und ich will das alles überhaupt nicht missen. Aber ich bin am Ende nicht heil aus der Sache rausgekommen. Und habe einen Preis gezahlt, der mich dazu gezwungen hat, es sein zu lassen.

taz: Was hat letztlich dazu geführt, dass Sie die Politik aufgeben haben? War es die Ampel, die Krise der SPD?

Kühnert: Krisen gehören in der Politik dazu. Es sind also neben der Gesundheit eher grundsätzliche Erwägungen gewesen. Vor allem die Frage nach meiner Wirksamkeit in Parteipolitik und Parlament. Also inwieweit ich als Person in der Lage bin, dort Spuren zu hinterlassen, die diesen enormen Einsatz auch rechtfertigen. Ich habe mich befragt: Bin ich dafür der Richtige? Die Antwort kennen Sie.

taz: Und jetzt sind Sie in der APO.

Kühnert: Das ist so. Wir sitzen mit Finanzwende nicht in einem Parlament.

taz: Wie fühlt es sich an, sind Sie freier?

Kühnert: Selten habe ich mich Christian Lindner so nah gefühlt.

taz: Sie haben also noch Kontakt?

Kühnert: Wir hatten eigentlich nie Kontakt. Aber im Ernst, den Großteil meines politischen Wirkens bin ich nicht Berufspolitiker gewesen, sondern war ehrenamtlich in einem Jugendverband, in Bündnissen und Netzwerken. Insofern ist vieles, was mir hier wieder begegnet, sehr vertraut: die zivilgesellschaftliche Sicht und der Ansatz, über Öffentlichkeit, über Kampagnen andere zu politisieren und zum Handeln zu bringen. Wahrscheinlich liegt mir das auch besser.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

taz: Finanzwende macht zurzeit eine Kampagne für eine Reform der Erbschaftssteuer und fordert die Bundesregierung auf, die Privilegien für Milliardäre abzuschaffen. Sie sind also wieder Antreiber Ihrer eigenen Partei – back to the roots?

Kühnert: Auf eine Art ja, wobei es jetzt gar nicht nur darum geht, die SPD anzutreiben. Wir sind auch keine rot-grüne Vorfeldorganisation. Finanzwende ist eine überparteiliche Organisation, unsere Botschaft geht an die gesamte Bundesregierung, an alle demokratischen Kräfte und vorneweg: an die Gesellschaft.

taz: Sie sind jetzt Lobbyist.

Kühnert: Mein Name steht im Lobbyregister des Deutschen Bundestages, korrekt. Aber ich finde Lobbyismus an sich nicht verwerflich – auch nicht den der Gegenseite. Finanzwende wurde gegründet, weil wir eine extreme Unwucht beim Lobbyismus haben, nämlich eine Überpräsenz derjenigen, die das große Geld und die Kapitalmärkte vertreten bei gleichzeitig weitgehender Abwesenheit der Zivilgesellschaft in diesem Bereich. Und ungleiche Interessenvertretung führt zu ungleichen Politikergebnissen und das festigt ungleiche Machtverhältnisse in der Gesellschaft.

taz: Geht es nicht auch um Umverteilung?

Kühnert: Verteilung spielt auch eine Rolle, aber Finanzwende ist nicht Robin Hood. Uns geht es zunächst darum, die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, dass Vermögenskonzentration ab einem gewissen Punkt zu unguten Entwicklungen für alle führt.

taz: Wann ist dieser Punkt erreicht?

Kühnert: Er ist längst erreicht. Es gibt ein massives Machtungleichgewicht in der Gesellschaft. Und keine ernsthafte Möglichkeit für die untere Hälfte der Gesellschaft, sich durch eigene Anstrengung aus ihrer Situation zu befreien. Die Grundlage von Chancen und Wohlstand ist heute nicht das Erwerbseinkommen, sondern das Vermögen. Und das wird in Deutschland vererbt. Chancen werden vererbt.

taz: Die SPD hat kürzlich ein Konzept für eine gerechtere Besteuerung von großen Erbschaften veröffentlicht. Aber es kommt ohne konkrete Steuersätze daher. Wie glaubwürdig ist das?

Kühnert: Man kann die SPD dafür kritisieren und sagen, sie verschweigt einen wichtigen Teil. Als jemand, der das politische Geschäft kennt, glaube ich aber, dass es strategisch überlegt gewesen ist. Denn die SPD weiß, dass sie einen Koalitionspartner hat, der nicht von Haus aus etwas an der Erbschaftssteuer ändern will. Ich interpretiere dieses Konzept ohne konkrete Steuersätze als Verhandlungsangebot an die Union.

taz: SPD-Parteichef Lars Klingbeil hat das Konzept einen wichtigen Impuls genannt. Sehr distanziert. Haben Sie das Gefühl, dass in der SPD alle dahinterstehen?

Kühnert: In der Breite der Partei habe ich schon den Eindruck, dass das so ist.

taz: Und an der Spitze?

Kühnert: Die gehört ja auch zur Breite

taz: Na ja.

Kühnert: Es wird eine Neuregelung der Erbschaftssteuer in dieser Wahlperiode geben. Alle gehen davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht wieder die bisherige Gesetzeslage mit Blick auf die Betriebsvermögen rügen und den Gesetzgeber zu einer Veränderung auffordern wird. Und deswegen ist es folgerichtig, dass die SPD die Debatte begonnen hat. Aber messen lassen muss sie sich am Ende daran, was sie über die Ziellinie bekommt. Ohne die Autorität von Parteivorsitzenden kommt man da nicht weit.

taz: Die Union hat das Erbschaftssteuerkonzept der SPD prompt abgelehnt. Glauben Sie, dass dieser Koalition noch eine gerechte Reform der Erbschaftssteuer gelingt?

Kühnert: Ja, das glaube ich. Denn ich spreche und verstehe Politik immer noch fließend. Ich habe auf der Unionsseite viele Schaufenstersätze gehört, die man halt so sagt, wie etwa: Wir werden keiner Erhöhung einer Steuer zustimmen.

taz: Und wie übersetzen Sie das?

Kühnert: Niemand hat die Erhöhung einer Steuer vorgeschlagen. Wir von Finanzwende, die SPD und in Umfragen auch die Bevölkerung wollen zuvorderst die Begünstigung besonders großer Betriebsvermögen abschaffen. Wenn die weg wären, stünden zusätzliche Milliardeneinnahmen zur Verfügung, mit denen die Politik an anderer Stelle natürlich auch entlasten kann. In diesem Punkt kann man also aufeinander zugehen.

taz: Das Bundesverfassungsgericht hat dreimal die Ausnahmen beanstandet. Die damalige Große Koalition hat die Erbschaftssteuer 2016 reformiert. Seitdem sind die Ausnahmen noch ungerechter. Was macht Sie denn optimistisch, dass es diesmal anders kommt?

Kühnert: Das gesellschaftliche Umfeld, in dem die Debatte stattfindet, hat sich verändert. 2016 hat es Finanzwende noch nicht gegeben und somit keine Gegenöffentlichkeit, die die gesellschaftlichen Interessen herausarbeitet. Wir sind gut vorbereitet auf das, was in diesem Jahr kommt. Und wir merken, dass das auch in Teilen der Union einen Widerhall findet – wenigstens hinter vorgehaltener Hand.

taz: Aber mächtige Lobbyverbände sind nach wie vor gegen eine Reform. Etwa die Familienunternehmen. Kämpft David gegen Goliath?

Kühnert: Finanziell ist das David gegen Goliath. Aber David hat Goliath ja auch mit einer Steinschleuder besiegt. Unsere Steinschleuder sind unsere Argumente.

taz: Welche denn?

Kühnert: Familienunternehmen ist ein rührend gewählter Begriff, hinter dem sich die reichsten deutschen Konzerne verbergen, die mit Sentiment versuchen, dass sich ganz normale Leute für die Interessen von Milliardärsfamilien einsetzen. Und hier setzen wir an: Diese Verbände sprechen nicht für Handwerksbetriebe, sondern für Leute, die wirklich keine finanziellen Probleme haben. Wir denken da etwa an Frau Klatten und Herrn Quandt, denen die Hälfte von BMW gehört. Sie bekommen in manchen Jahren Milliardenbeträge nur an Dividendenausschüttung. Auf dieser Grundlage zu behaupten, eine gerechtere Behandlung bei der Erbschaftssteuer würde die Geschäftstätigkeit gefährden, ist offensichtlich hanebüchener Unsinn.

taz: Aber auch der Parlamentskreis Mittelstand springt ihnen bei. Das ist die große Mehrheit der Unionsabgeordneten, die sagen, der Wirtschaft in Deutschland geht es schlecht. Steigt die Steuerlast der Unternehmen, wäre das Gift für die Konjunktur. Haben sie nicht einen Punkt?

Kühnert: Die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht gut, stimmt. Aber die politische Botschaft der Union lautet: Die Unternehmen müssen rundheraus entlastet werden, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jedoch müssen mehr arbeiten, weniger Rentenansprüche erwerben, mehr Beiträge für die Sozialversicherungssysteme zahlen. Die Summe dieser Äußerungen ist eigentlich eine Schuldzuweisung.

taz: So ist es. Arbeit sei zu teuer.

Kühnert: Wir sagen: Arbeit ist in Deutschland so teuer, weil Milliardär zu sein so billig ist. Wenn die Reichsten nicht am günstigsten bei der Besteuerung davonkommen würden, und zwar über alle Steuerarten hinweg, dann hätte der Staat nicht das Problem, an anderer Stelle immer mehr Geld bei Konsumsteuern, bei der Einkommensteuer und per Abgaben reinholen zu müssen, um Renten, Gesundheit und Infrastruktur finanzieren zu können.

taz: Sie haben in einem Podcast gesagt, Sie möchten nie wieder nur eine Sache voll und ganz ausüben. Wollen Sie auch nie wieder ein politisches Amt?

Kühnert: Eine Aussage wie diese treffe ich nicht. Dafür hat man auch mit 36 schon genug Lebenserfahrung, um zu wissen: Manchmal kommen die Dinge anders als man denkt.

taz: Was könnte Sie denn überzeugen, in die Politik zurückzukehren?

Kühnert: Ich verspüre gar kein Bedürfnis danach. Ich bin hier bei Finanzwende nicht auf einem Parkplatz, auf dem ich warte, bis die Schranke wieder hoch geht, sondern ich bin sehr bewusst hier und will bleiben.

taz: Und mit welchem Gefühl beobachten Sie Ihre Partei jetzt vom Spielfeldrand?

Kühnert: Von der Tribüne und mit einer professionellen Distanz.

taz: Bleiben Sie SPD-Mitglied?

Kühnert: Ja, klar.

taz: Das sagen Sie so selbstverständlich.

Kühnert: Was spricht dagegen?

taz: Was spricht dafür?

Kühnert: Mein Opa, der erst nach mir SPD-Mitglied wurde, pflegt in solchen Fällen immer zu sagen: Wenn man in einem Verein Mitglied wird, muss man sich die Satzung angucken. Und wenn man damit übereinstimmen kann, sollte man auch Treue an den Tag legen. Denn die besteht gegenüber den Grundwerten der Organisation und nicht gegenüber Fragen wie: Welche Rolle spiele ich gerade? Gefällt mir der aktuelle Vorstand? Gefällt mir der letzte Beschluss? Ich finde, mein Opa hat recht.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

30 Kommentare

 / 
  • Mh. Mal ganz polemisch: Ein Studienabbrecher, dessen einzige Berührung mit Wirtschaft ein Callcenter von mytoys war, will also genau wissen, dass es in D zu einfach ist Milliardär zu sein und was dagegen zu tun ist?! Mir persönlich ist der Kevin eher ein Beispiel dafür, dass es in D viel zu einfach ist ein ausschließlich staatlich alimentiertes Leben zu führen (witzigerweise überwiegend von den Milliardären bezahlt).

    • @Samvim:

      Amen.



      Kein politisches Amt vor 30.



      Besser 40 als Mindestalter, wie beim Bundespräsident.



      www.gesetze-im-int....de/gg/art_54.html



      Würde das dann zu einer Minderrepräsentation der Jungen führen?



      Möglich.



      Dennoch wiegt für mich die Lebenserfahrung weitaus wichtiger. Es ist unverantwortlich Menschen die Führung des Landes anzuvertrauen, die noch keinen einzigen Tag im Leben ehrlich gearbeitet haben.



      Wer noch nie im Handwerk war, wer noch nie 8 Stunden täglich 40 Stunden die Woche malocht hat, hat keine Ahnung vom Volk - wie will er/sie es dann vertreten?🤷



      Es müssen endlich wieder Menschen mit Ahnung vom normalen Leben nach Berlin.



      Dieses Land vermisst nichts anderes mehr als Politiker, die die Interessen, Ängste und Nöte des 0815-Deutschen verstehen - und dann auch aktiv etwas dagegen tun.



      Das beweist die immer höher steigende Politikverdrossenheit, das beweist der enorme Zulauf zur AfD.



      85% sagen Politiker kümmern sich nicht um den kleinen Mann, 82% das Politiker keinen Kontakt mit der Bevölkerung WOLLEN!



      Juckt in Berlin aber keinen. Völlig entrückt.



      www.zeit.de/politi...kommen-wahrnehmung

  • Ein schönes Portrait vom 'guten Lobbyisten' Kühnert.



    Kritische Fragen wie immer auf Sparflamme bei politisch nahen Interviewpartnern und zweite Nachfragen wurden gar nicht gestellt.



    So verkommt jede 'Frage' zum unwidersprochenen Elfmeter für Kühnert.



    Aber derlei 'Interviews', die eher vorbereiteten Monologen mit höflichen Zwischenfragen gleichen, beherrschen mittlerweile längst durch alle Medien das Geschäft.



    Sehr schade, wirklich kritisch bissige Interviews gibt es fast nicht mehr.



    Aber wenigstens ein Lichtblick bleibt aus diesem Text:



    "taz: Was könnte Sie denn überzeugen, in die Politik zurückzukehren?



    Kühnert: Ich verspüre gar kein Bedürfnis danach."



    Amen.

  • Kühnert ist für mich seitdem er "No-GroKo" gerufen hat, um dann doch in verantwortungsvoller Parteiposition in diese einzutreten endgültig durch. Zuvor macht er sich schon der Rückgratlosigkeit verdächtig. Studium erst einklagen und dann Abbrechen riecht schon stark nach viel Recht mit wenig korrespondierender Pflicht und Durchhaltevermögen. Einen Bewerber mit dieser Vita würde ich nicht einstellen.

    • @Flocke:

      Kühnert war nie Mitglied irgendeiner GroKo.

      • @Yes:

        Wikipedia sieht das anders:



        „2019 wurde er mit 70,4 Prozent der Delegiertenstimmen zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Im Februar 2020 wurde er Verantwortlicher des SPD-Parteivorstands für den Bereich Immobilien, Bauen und Wohnen.“

        Die letzte GroKo war von 2018-2021 und Kühnert war in dieser Zeit in führenden Positionen in der SPD.

  • Ich vertrete nicht die Standpunkte von Kevin Kühnert, weshalb ich 1998 das letzte mal SPD wählte. Er gehört aber zweifellos zu den intelligenteren politisch Aktiven, weshalb ich ihn durchaus sehr respektiere.

  • Ständig verurteilt man hier in der taz, völlig zu recht, Lobbyisten und deren "Arbeit", um dann einem Lobbyisten zu huldigen weil er für das "richtige" Lobbyarbeit macht ? Doppelmoral ?

    • @Günter Witte:

      Ja natürlich, das hat mit Doppelmoral nichts zu tun. Genau so unsinnig ist die pauschale Verurteilung von Populismus. Es kommt natürlich auf den Inhalt an und nicht nur auf die Form, wie man uns gerne weismachen will. Wenn Populisten und Lobbyisten für die gute Sache Populismus und Lobbyismus betreiben, dann kann man vielleicht Naserümpfen, aber das bleibt dann doch nur elitär.

      • @Axotono:

        Eben. Völlig egal, was einer tut oder sagt. Es zählt allein, wer.

  • Wen interessiert das Geplapper von Alpha-Kevin? Sobald es ernst wird, zieht er sich zurück.

  • > Frau Klatten und Herrn Quandt, denen die Hälfte von BMW gehört



    Herr Kühnert (er-)kennt offenbar nicht einmal den Unterschied zwischen Aktiengesellschaften und unternehmergeführten Familienunternehmen.



    Erstere werden geleitet von auf Zeit angestellten Vorständen, die sich strukturell nicht oder kaum von den von der Partei eingesetzten Führungskadern der VEB unterscheiden. Erben der Firmenanteile erhalten nichts als frei handelbare Aktienpakete, von denen Sie ohne Auswirkung auf den Betrieb einen Teil als Steuer hergeben könnten. (Allerdings kann das Angebot eines größeren Paketes auf dem Markt den Kurs einbrechen lassen.)



    Ein Familienunternehmer ist natürlich absolut gesehen auch reich. Sein Vermögen ist allerdings nicht frei verfügbar sondern besteht in der Regel aus wenig anderem als dem Betrieb selbst. Für sich und seine Familie ist ihm an dessen Erhalt und Wohlergehen gelegen und nicht daran, wieviel er in einer kurzen Amtszeit herausziehen kann. Ein Erbe kann keine Mittel für große Steuerzahlungen aufbringen, ohne erheblich in den Betrieb eingreifen zu müssen.



    In gewisser Weise ähneln große AG sozialistischen Staatsbetrieben und leben ähnlich oft von Subventionen.

    • @Axel Berger:

      Genau diese beiden von Ihnen erwähnten "Aktieninhaber" sind treibende Mitglieder in diesem schnuckelig-treuherzigen Verband der "Familienunternehmen".



      WER kennt also nicht den Unterschied zwischen Aktiengesellschaften und unternehmergeführten Familienunternehmen?

      • @michisms1:

        Wikipedia über BMW: Das Grundkapital der Gesellschaft ist aufgeteilt in 639 Millionen Aktien. Der stimmberechtigte Anteil davon sind rund 580 Millionen Stammaktien. Davon befinden sich 51,4 % im Streubesitz. Der als Festbesitz geltende Anteil verteilt sich wie folgt: 9,4 % Aqton SE, 17,2 % Aqton GmbH & Co. KG für Automobilwerte, 21,5 % Susanne Klatten Beteiligungs GmbH, 0,2 % Susanne Klatten, 0,2 % Stefan Quandt.



        Falls eine GmbH, deren einziger Geschäftszweck darin besteht, Aktienpakete im Namen einer Person oder Familie zu halten, erbrechtlich als Familienbetrieb gilt, ist das ein offensichtlicher Mißbrauch. Wundern würde es mich nicht und entspräche der Kompetenz der Berufspolitik, Gesetze zu schreiben.



        Im Urteil zu Cum/Ex steht sinngemäß, es entspricht zwar dem Wortlaut des Gesetzes, ist aber so offensichtlich mißbräuchlich, daß jeder das hätte erkennen können. Hier gälte ganz klar dasselbe.

    • @Axel Berger:

      Und wo ist der Vorteil das diese „sozialistischen Betriebe“ einzelnen wenigen gehören, die nichts für das Unternehmen tun? Außerdem haben Sie die Dividende vergessen, diese wird für gewöhnlich in Geld ausgezahlt.

      • @Jesus:

        Börsengehandelte Wertpapiere gehören eher wenigen, die meisten haben keine; das stimmt. Und sowohl Vorständen auf Zeit wie Aktienkäufern, die Gewinne sehen wollen, ist der Erhalt des Unternehmens egal, es zählt nur, was sie in ihrer begrenzten Zeit für sich herausziehen.



        Das hat beides gar nichts mit der Frage der Erbschaftssteuer auf Familienbetriebe zu tun. Für Aktien und andere Wertpapiere gibt es jetzt schon keine Ausnahmen, die da hineinzuziehen ist Unwissenheit oder im Fall Kühnert eher eine bewußt geworfene Nebelkerze.

        • @Axel Berger:

          Also wenn Frau Klatten von Ihren 22% die Hälfte abgeben müsste beim Erben, wären diese Teile von BMW ja nicht weg sondern nur woanders. BMW würde weiter Autos produzieren und Frau Klatten könnte sich einen Job suchen.

  • Die entscheidende Reform wird die Einbeziehung von Politikern, neuen Beamten und Selbständigen in die Rentenversicherung werden. Keine Extrawürste mehr für Politiker und zukünftige Beamte. Die ganzen Privilegien und überhöhten Pensionen müssen abgebaut werden. Bärbel Bas, SPD dies hat im Frühjahr 2025 gefordert. WAs für ein Geschrei bei vielen Politikern und Beamten. Österreich, Schweiz und andere europäische Länder haben das bereits vor 20 Jahren hingekriegt, eine Kasse für alle. Solidarisch und gerecht. Da sollte sich Kevin Kühnert drum kümmern. Und die TAZ sollte gerade CDU Politikern auf die Finger sehen. Das sind die schlimmsten, nach unten treten, aber für sich selbst auf Pfründen und Privilegien bestehen.

  • Mit viel Geld kann man politisch viel bewegen. Das kann man in den Diskusionen über den fiskalen Umgang mit den sog. Superreichen gut beobachten. Einerseits sind die imstande, ein mediales Sperrfeuer zugunsten ihrer eigenen Interssen zu forcieren. Andererseits ist die hohe Kompexität des Themas problematisch, denn das verlangt einem viel Konzentration und Ausdauer ab, um in die Materie einzudringen. Das überfordert verständlicherweise viele und sie steigen mental schnell aus.

    Dem Argument mit der Treue gegenüber den Grundwerten einer Organisation unabhängig von den aktuell darin aktiven Akteuren stimme ich voll zu. Ich hätte von Kevin Kühnert an dieser Stelle noch gern erfahren, wie es mit seiner Treue zu Arminia Bielefeld steht und ob er sich noch regelmäßig die Spiele im Stadion anschaut.

    • @DerekBerlin:

      "Ich hätte von Kevin Kühnert an dieser Stelle noch gern erfahren, wie es mit seiner Treue zu Arminia Bielefeld steht und ob er sich noch regelmäßig die Spiele im Stadion anschaut."

      Mein Studienkollege war dort mal Trainer. Wir waren nach der Uni oft in Jöllenbeck.

  • Die Erbschaftssteuer etwas anpassen (erhöhen will er sie ja anscheinend gar nicht, nur etwas die Ausnahmetatbestände kürzen) wird nicht reichen. Ich glaube, die SPD spricht von 2 Milliarden. Das ist doch lächerlich.



    Weltweit haben sich Staaten seit 2008 mit 70.000 (!) Mrd. $ verschuldet, aus Angst davor, dass sonst das Finanzsystem zusammenbricht. Von denen haben ein guter Teil dazu geführt, dass die Aktienkurse enorm gestiegen sind und dadurch alle, deren Vermögen aus Aktien besteht, ohne eigene Leistung enorm viel reicher geworden sind. Alleine die Miliardäre um 30.000 -40.000 Mrd. $ Wenn es halbwegs fair zuginge, müssten die Teile der 70.000 Mrd., die auf den Konten der reichsten gelandet sind, wieder zurückgefordert werden. Mit 2 Mrd. € wird das nicht klappen. Das Mindeste wäre, dass in Deutschland das Haushaltsdefizit, das über 3% hinausgeht, von den Superreichen beglichen werden müsste. Das würde einer Vermögenssteuer von 2-5 % entsprechen. Und würde noch nicht einmal dazu führen, dass ihr Vermögen abnimmt. Es würde nur langsamer zunehmen.x

     

    Kommentar gekürzt. Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

    Die Moderation

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      "Das würde einer Vermögenssteuer von 2-5 % entsprechen. Und würde noch nicht einmal dazu führen, dass ihr Vermögen abnimmt. Es würde nur langsamer zunehmen."



      👍👍



      "Arbeit ist in Deutschland so teuer, weil Milliardär zu sein so billig ist."



      Das hat auch er erkannt.

      Wie muss man drauf sein, wenn man etwas abgeben könnte, ohne selbst Verluste zu haben, um sein eigenes Land zu unterstützen, es aber trotzdem strikt verweigert?



      Solche Leute werden auch noch von der Regierung hofirt und mit weiteren Steuergeschenken belohnt.



      Geht einem nicht in die Birne.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Aktien sind Wertpapiere. Die haben mit der Diskussion über Betriebserben nichts zu tun und mit dem wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands und der Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung auch nicht.



      Alle andern Länder Europas haben sich vom Rückschlag der Covidzeit erholt. Nur Deutschland bleibt unten und sinkt immer tiefer.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      👍

  • Man kann seit Schröder SPD Politik nur gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit umsetzen, d.h. nur in einer Demokratie.

  • Alle Antworten sind in sich schlüssig und entsprechen dem authentischen Charakter von Kevin Kühnert. Seine politische Denke und Handlungsweise ist Links. Ich bin 1967 als 19 jähriger in die SPD eingetreten. Als Jusovorsitzender eines kleinen Bezirkes waren meine Gallionsfiguren damals Egon Bahr, Willy Brandt, Hans-Jochen Vogel...Die Stationierung der Pershing Raketen infolge des Natodoppelbeschlusses 1979 machten meiner Parteizugehörigkeit ein Ende. Die SPD ist daran zerbrochen und zerbricht immer noch am Spagat sozialen Interessen zu dienen und gleichzeitig am Kniefall vor marktwirtschaftlich kapitalistischen Vorgaben. Kevin Kühnert wäre für mich der Mann, der diesen Spagat verengen hätte können.

    • @Struppo:

      Gerade wenn Sie Bahr, Brandt und Hans-Jochen Vogel als aktive Politiker erlebt haben und sie für Sie Galionsfiguren gewesen sind, müssten Sie doch erkennen, welche Welten zwischen denen und einem Kevin Kühnert liegen, der noch nicht einmal einen Berufsabschluß zustande gebracht hat.

      Meine nicht-akademischen Bekannten, alle zwischen Anfang 50 und Mitte 60 haben meist seit ihrem 15ten oder 16ten Lebensjahr gearbeitet. Die können mit Leuten, wie Kühnert oder Ricarda Lang nichts anfangen, sie können sie einfach nicht ernst nehmen.

      Vielleicht ist das auch ein Grund für den Niedergang der SPD, oder der Grünen, dass ihr Führungspersonal fast nur noch aus dem Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal-Topf kommt.

      Bei der SPD in Rheinland-Pfalz kandidiert jetzt einer, der bis zu seinem Einzug in den Landtag 2011 bei der Straßenmeisterei arbeitete. Damit ist er in der "Arbeiterpartei" eine Ausnahme, die nur möglich wurde, weil die eigentlich über die Landesliste ins Parlament gekommene Dame als Staatssekretärin ihr Mandat abgeben musste. Das hat sich dreimal wiederholt, nun "darf" er endlich offiziell antreten.

      • @ PeWi:

        Dass man sich nie am Juristenverband CDU stört. Die kennen so viel vom echten Leben. Alle identische Lebensläufe. Gut. Da ist noch der von der Sparkasse.



        Nie gearbeitet, sowohl Herr Kühler als auch Frau Lang sind nicht mit dem goldenen Löffel geboren, setzen sich ein und haben Konzepte. Dass die keiner will, gut, dann macht die CDU eben nun alles wie 1991 oder muss feststellen, dass ihr poulistisches Gequake, alles muss unbedingt zurückgedreht werden, zu nicht mehr führt als Namensänderung und natürlich ist ne Steiersenkung drin.

    • @Struppo:

      Hatte auch mal die de Hoffnung in Bezug auf Kevin Kühnert. Aber nachdem er erst eine Kampagne gegen die Grösse Koalition und Olaf Schulz gefahren hatte und dann hinter beide ges stellt hatte, war diese Hoffnung weg. Auch nur ein Parteisoldat, der tut, was die Chefs ihm sa g en.

  • Opa for President.