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Wenn das Park-Mensch-Verhältnis stimmtEin Platz, der allen gehört

In öffentlichen Parks betrachten Menschen und Tiere sich auf Augenhöhe. Das ist auch gut so, denn sie alle dürfen da sein.

D ies ist ein Loblied auf den öffentlichen Park, der natürlich auch ein Geschenk ist, an mich, an uns. Der öffentliche Park ist die Natur für die Städter. Die Natur ist natürlich keine richtige Natur, weil sie nicht wild gewachsen ist, sondern angelegt, aber die Pflanzen, Bäume und Tiere sind echte Pflanzen, Bäume und Tiere und also doch Natur. Städtische Tiere, die oft erstaunlich cool sind, sich kaum bei ihrem Tagwerk stören lassen und die Menschen betrachten wie die Menschen sie, quasi auf Augenhöhe.

Für die Parktiere sind Menschen ein gewohntes Umfeld, man teilt sich die Ressourcen. In Planten un Blomen, dem Park im Zentrum Hamburgs, sah ich einen Reiher im Wasserbecken herumstaksen, inmitten der ganzen Leute auf ihren Parkstühlen, er drehte seinen Kopf, beäugte uns und dachte, na ja, was soll’s. Vielleicht dachte er auch was anderes. Aber er wunderte sich nicht. Er ist ein Parktier. Wir Menschen sind ja grundsätzlich auch Parktiere.

Ich mag natürlich die freie Natur, den Wald, die wilde Wiese, die Berge, das Meer, aber wenn man das miteinander vergleicht, dann tut man dem Park unrecht. Man vergleicht ja auch nicht Auto und Fahrrad oder Rucksack und Handtasche.

Im Park mag ich, zum Beispiel, auch Menschen. In der freien Natur mag ich Menschen nicht so sehr wie im Park, wo sie einfach etwas Liebenswertes bekommen. Für mich. Im Park sind sie, die liebenswerten Menschen, in ihrer Privatheit öffentlich ausgestellt. Sie lümmeln, essen, kuscheln, küssen, sie machen ein Nickerchen. Sie treffen sich mit ihren Familien und Freunden auf Decken und Klappstühlen, sie bereiten sich ihr Essen zu, unterhalten sich, lachen, streiten, die Kinder spielen.

Sie gehen in die Büsche

Natürlich machen sie Müll. Menschen können einfach nicht anders. Müll ist in den Parks ein großes Problem. Sowie Ausscheidungen. Im kleinen Wohlerspark in Altona, in dem ich meine Laufrunden drehe, gibt es keine Toiletten. Wo gehen die Leute hin, wenn sie einen Tag lang in diesem Park herumlungern? Wo gehen sie denn hin? Ich denke oft darüber nach – und bin mir sicher und will es gar nicht sein –, sie gehen in die Büsche. Ich denke, die Büsche an der Parkmauer sind die große Toilette des Wohlersparks.

Das ist natürlich kein schöner Gedanke, den ich aber nicht unterdrücken kann. Manchmal denke ich, ich bin umgeben von einem Ring von – nun ja. Menschen in größeren Mengen in kleineren Parks sind oft lästig, weil das Park-Mensch-Verhältnis nicht stimmt. An den Grillsonntagen hüllt eine dicke Wolke den kleinen Park ein, die frische Luft wird undurchsichtig und so dick, dass die Augen tränen und die Lunge schmerzt.

Was mir an städtischen Parks so gefällt: Sie sind der Garten der Menschen, die keinen Garten haben. Jeder kann seine Tasche packen und in den Park gehen. Oft, wenn ich in Planten un Blumen saß oder im Botanischen Garten in Flottbek, dachte ich, was für ein Glück! Wie schön es hier ist! Was für ein Luxus! Ich darf hier sein.

In der freien Natur mag ich Menschen nicht so sehr wie im Park, wo sie einfach etwas Liebenswertes bekommen

Und das ist ja auch so. Das ist das Glück in den Parks. Das urbane Leben, wo der Platz im Grünen allen gehört und nicht dieser einen Familie, dem einen Besitzer, das ist es, was mir so gefällt, die Idee von Allgemeinbesitz, von Fürsorge für die Menschen, eine Schönheit und eine Großzügigkeit. Hier kannst du dein Stück Wiese nicht reservieren oder für dich abstecken. Hier bist du genauso viel wie die anderen und musst dich einfügen.

Wir brauchen sie in der Stadt, wir brauchen unsere Parks, jetzt, mit all diesen Katastrophen, immer noch mehr.

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Katrin Seddig Schriftstellerin

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