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Kane schießt England ins Achtelfinale„Der englische Messi“

Dank des zweifachen Torschützen Harry Kane zieht England gegen DR Kongo ins WM-Achtelfinale ein. In der nächsten Runde hat das Team einen klaren Nachteil.

Vermutlich haben sich viele Engländer selbst gewundert. Abpfiff in einem bombastisch anmutenden WM-Stadion, und es war nach einem ausgiebig besungenen Happy End in Atlanta immer noch fast eine Stunde bis zur klassischen „Teatime“. Was nach dem schwer erkämpften Weiterkommen im Sechzehntelfinale gegen die Demokratische Republik Kongo (2:1) die Gelegenheit gab, die Nähe zu Downtown für den Abstecher in Bars und Pubs zu nutzen, um ein spektakuläres Spiel bei amerikanischem Bier in die dritte, vierte und fünfte Halbzeit zu überführen.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Erstaunlich: Ihre Kulthymne „Football’s Coming Home“, einst zur Heim-EM vor 30 Jahren aufgelegt, haben sie mit einem Vers auf Thomas Tuchel unterlegt. Hört sich nett an, diese umgedichtete Zeile. Der deutsche Teamchef ist bei den Anhängern deutlich beliebter als bei der Presse. Der gebürtige Schwabe lächelte sanft, als er darauf angesprochen wurde. Ansonsten kam der 52-Jährige gar nicht umhin, erneut Harry Kane aufs Podium zu heben. „Er ist Kapitän, er ist Anführer, er entscheidet Spiele mit seinem unglaublichen Finish.“

Vielleicht wäre die Olympiastadt von 1996 – jener Sommer, in der Englands Titeltraum im Elfmeterschießen gegen die Deutschen in Wembley platzte – zum Ort der Schmach geworden, wenn „King Kane“ nicht wieder zweimal, per Kopf (75.) und Fuß (88.), unnachahmlich zugeschlagen hätte. „God save the Kane“, meinte die Expertenrunde bei Fox Sports, während sich England-Kenner Jürgen Klopp bei Magenta TV ebenfalls zu Wort meldete. „Den Einfluss, den Harry Kane hat, habe ich so noch nie gesehen. Ich bewundere diesen Spieler so sehr für alles, was er auf dem Fußballplatz macht. Er ist noch dazu ein Riesentyp. Im Grunde ist Harry Kane der englische Messi.“

Tatsächlich avanciert der 32-Jährige gerade zu einer ähnlichen Galionsfigur für die „Three Lions“. Er half hinten aus, er verteilte Bälle in der Mitte – und er traf vorne, nachdem sein Einfädler gegen den überragenden kongolesischen Keeper Lionel Mpasi keinen Elfmeterpfiff von Referee Adham Makhadmeh (Jordanien) rechtfertigte. Sein Unverständnis aus dieser Szene sollte noch der Erleichterung weichen. „Es fühlt sich großartig an, es war ein verrücktes Spiel. Ihr Torwart hat einige unglaubliche Bälle gehalten, aber man muss weitermachen. Es gibt richtig heldenhafte Momente – und für mich war es so ein Tag“, sagte der Mittelstürmer vom FC Bayern ergriffen.

Wettschießen der Stürmerstars

„Wir wollten nicht ausscheiden, wir haben uns dagegengestemmt. In diesem Moment musst du noch einen Weg finden“, erklärte sein Trainer. Tuchel hatte mit Anthony Jordan den richtigen Wegbereiter eingewechselt, der beide Treffer für Englands Rekordtorschützen auflegte. „Er ist eine Inspiration für uns alle. Er ist immer da, wenn es darauf ankommt“, lobte er den flinken Flügelspieler, den auch der FC Bayern gerne verpflichtet hätte, sich aber für den FC Barcelona entschied.

Kane fügt sich mit seinen fünf WM-Toren ins Wettschießen der illustren Stürmerstars. Tuchel fiel dazu ein martialischer Vergleich ein: „Sie sind alles Haie. Wenn sie Blut riechen, dann sind sie da und treffen.“ Es folgten die üblichen englischen Stimmungslieder, die unter dem verschlossenen Dach mit dem gewaltigen Rundumbildschirm beeindruckend klangen. Enden in diesem Sommer in Nord- und Mittelamerika die ewigen Schmerzen? Völlig abwegig sind die Träume vom zweiten WM-Titel nach 1966 nicht.

Diese Auswahl ist vielleicht nicht immer voller Esprit, aber voller Engagement. Das hat der Bessermacher Tuchel gut hinbekommen. Das englische Team verkörpert eine Resilienz, die der deutschen Mannschaft völlig abgegangen ist. Allerdings war es für die Vielspieler aus der Premier League unter den klinischen Bedingungen von Atlanta leichter, ihr Energielevel zur Mittagszeit hochzuhalten.

Drinnen war es mindestens zehn Grad kühler als draußen. Doch so angenehm wird es nicht bleiben. Im Achtelfinale im Aztekenstadion von Mexiko-City wartet das Kontrastprogramm. Atmosphärisch und klimatisch. Das Abendspiel gegen den Mitausrichter Mexiko (Montag 2 Uhr MESZ) wird in jeder Hinsicht eine hitzige Angelegenheit. Man habe zwar in der Vorbereitung spezielles Hitze- und Höhentraining absolviert, aber binnen drei Tagen könne die Anpassung an die auf 2.200 Meter Höhe gelegene Hauptstadt Mexikos nicht gelingen, sagte Tuchel: „Das ist ein großer Nachteil.“ Sein größter Vorteil: Harry Kane spielt mit.

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