John F. Kennedy über Trump : Abschied von Amerika
Die USA teilen die Welt in hegemoniale Einflusszonen auf und machen sich damit selbst klein. Atmen wir noch dieselbe Luft?
Foto: Sven Simon/imago
W enn man von ihnen Abschied nehmen muss, leuchten Dinge und Menschen, auch Ideen manchmal noch einmal hell auf. Was für eine schöne Vorstellung es war, als man, wie defizitär die konkrete Umsetzung stets auch immer gewesen ist, daran glauben konnte, dass die Menschheit, wie John F. Kennedy es irgendwo ausdrückte, gemeinsam diesen „kleinen Planeten bewohnt“.
Das hoffnungsfrohe Tremolo in der Stimme des US-Präsidenten hallt noch einmal nach: „Wir alle atmen dieselbe Luft. Wir alle interessieren uns für die Zukunft unserer Kinder. Und wir alle sind sterblich.“
Auch das war Amerika. E pluribus unum. Klar war da auch Kitsch drin. Aber eben auch ein einleuchtendes Ziel: die vernünftige Einrichtung der von der Menschheit gemeinsam bewohnten Welt. Vorbei. In einer in Einflusszonen von hegemonialen Mächten aufgeteilten Welt wird man nicht mehr dieselbe Luft atmen.
Es wird immer deutlicher, dass die Trump-Vance-Musk-Epoche darauf hinausläuft. USA, Russland, China als imperiale Mächte, die sich gegenseitig in Ruhe machen lassen. Und Europa ist dazu verdammt, entweder zur eigenen Einflusszone oder Spielball zu werden (immerhin hat man als Europäer das unverdiente Privileg, in einer reichen und liberalen Gegend geboren worden zu sein).
Als die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg zweigeteilt war, war es anders. Da standen sich in West und Ost zwei Gesellschaftsentwürfe gegenüber, die jeweils für die ganze Menschheit standen. Jetzt, in der neuen Aufteilung der Welt, geht es zynisch um Macht und Abschottung. Ich schenk euch die Uiguren und die Krim, wenn ich dafür Grönland haben kann. Dass Amerika dieses Spiel betreibt, ist tatsächlich schwer zu verarbeiten. Es macht sich damit auch selbst klein.
Care-Pakete zurückschicken?
Es wird sehr seltsam sein, mit diesem neuen Amerika umzugehen. Kulturell und intellektuell sind die USA und Europa viel zu eng miteinander verbunden – historisch, philosophisch, über Hollywood, Disney, HipHop, was weiß ich noch –, als dass man plötzlich in eine Äquidistanz zu den drei Hegemonialmächten gehen könnte.
Ach, Amerika, fast möchte man in Care-Paketen die einstigen Ideale über den Atlantik zurückschicken. Kann man darauf hoffen, dass die USA sich irgendwann einmal wieder an sie erinnern werden?
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