Israelischer Verhandlungsführer Leiter: Vom Extremisten zum Diplomaten
Israels US-Botschafter Yechiel Leiter gehörte einer jüdischen Organisation an, die in den USA als Terrorgruppe galt. Nun verhandelt er über Waffenruhe mit dem Libanon.
Sehr aussichtsreich war die Aufgabe des israelischen US-Botschafters, Yechiel Leiter, von Beginn an nicht: Seit Mitte April soll er in Gesprächen mit der libanesischen Regierung unter der Obhut Washingtons einen Waffenstillstand vermitteln. Die eigentliche Kriegspartei, die proiranische Hisbollah, sitzt jedoch nicht mit am Tisch.
Fast täglich bombardiert Israel trotz mehrerer erklärter Waffenruhen Ziele im Libanon und hat mehr als eine Million Menschen vertrieben. Soldaten und vom Militär beauftragte Privatunternehmen reißen ganze Ortschaften im israelisch kontrollierten Gebiet nieder. Woche für Woche werden israelische Soldaten im Libanon durch Angriffe der Hisbollah getötet.
Seit US-Präsident Donald Trump jüngst die Waffenruhe im Libanon an eine Absichtserklärung über ein Ende des Irankriegs gekoppelt hat – ohne die libanesische oder israelische Führung einzubeziehen –, ist in beiden Ländern die Hoffnung auf einen Durchbruch noch weiter zurückgegangen. Israels Führung sträubt sich gegen jeden Rückzug aus dem besetzten Südteil des Landes. Die libanesische Regierung besteht darauf.
Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.
Radikaler Siedler und rechtsextremer Politiker
Ob der Botschafter selbst das Zeug dazu hat, einen Kompromiss zu finden, darf zudem bezweifelt werden. Der rechtsextreme Siedler und Sohn US-amerikanischer Eltern wurde 1959 in Scranton, Pennsylvania, geboren. Er schloss sich laut der israelischen Zeitung Ha’aretz früh der Jewish Defense League des Rechtsextremen und später wegen Terrorismus verurteilten Meir Kahane an. Nach Angaben des FBI war die Gruppe an der Planung und Ausführung terroristischer Anschläge in den USA beteiligt.
Mit 18 ging er nach Israel und trat der Armee bei. 1984 zog er in eine der radikaleren israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland in Hebron. Leiter war Mitglied der heute verbotenen Kach-Partei, die Kahane 1971 in Israel gründete und die den Aufbau eines rein jüdischen Staates unter Einsatz von Gewalt anstrebte.
Später stieg der promovierte Politikwissenschaftler und Vater von acht Kindern in der israelischen Politik auf, unter anderem als Berater des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Mitte der 2000er-Jahre wurde er Stabschef des heutigen Regierungschefs Benjamin Netanjahu, als dieser noch Finanzminister war. 2008 kandidierte er erfolglos für dessen Likud-Partei um einen Sitz im israelischen Parlament.
Mehr Hardliner als Verhandlungsprofi
Auch im Laufe seiner politischen Karriere profilierte sich Leiter kaum als Verhandler, sondern vertrat vor allem rechtsnationalistische Maximalforderungen. Er engagierte sich Jahrzehnte für den Ausbau israelischer Siedlungen und positionierte sich in einem Buch 1994 entschieden gegen die Oslo-Friedensverhandlungen. In einem Artikel 2020 forderte er eine israelische Annexion des besetzten Westjordanlandes.
Rund einen Monat nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde sein Sohn als Reservist bei einem Einsatz im Gazastreifen getötet. Seit Januar 2025 vertritt er Israel als Botschafter in Washington. Als Botschafter gab er sich optimistisch mit Blick auf eine diplomatische Normalisierung mit Syrien und dem Libanon im Rahmen der Abraham-Abkommen.
Gespräche in Washington wenig erfolgversprechend
Historisch sind die Gespräche in Washington trotz der trüben Erfolgsaussichten, sind sie doch der erste offizielle Kontakt von Botschaftern seit Jahrzehnten. Der Libanon erkennt Israel offiziell nicht an, beide Länder befinden sich formal seit Israels Gründung im Kriegszustand.
Rund zwei Monate nach dem Auftakt Mitte April hat jedoch auch der israelische Verhandlungsführer Leiter seinen anfänglich zumindest öffentlich gezeigten Optimismus abgelegt. Damals sprach der 66-Jährige noch davon, dass man mit den Libanesen „auf derselben Seite“ gegen die proiranische Schiitenmiliz stehe. Kurz vor Abschluss von Runde fünf am Freitag sagte Leiter, die Verhandlungen stünden kurz davor, „zu entgleisen“.
Derzeit scheinen sich Israel und Libanon vor allem in einem Punkt einig: Der Iran soll kein Mitspracherecht bei den Verhandlungen haben. Eben das aber steht in der Absichtserklärung zwischen Teheran und Washington. Es scheint der Preis des iranischen Regimes zu sein, um der US-Regierung einen Ausweg aus dem selbst initiierten Krieg gegen Iran zu gewähren. Weder Leiter noch die israelische Regierung zeigen bisher Bereitschaft, das anzuerkennen.
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