Islamistischer Anschlagsplan: Anschlag auf israelische Botschaft in Berlin verhindert
Die Bundesanwaltschaft hat einen Mann in Bernau verhaften lassen, der die israelische Botschaft in Berlin angreifen wollte. Er soll Anhänger des IS sein.
Zur Planung des Vorhabens habe sich der Mann in einem Messenger-Chat mit einem Mitglied des IS ausgetauscht. Die Polizei nahm laut den Angaben den Beschuldigten am Samstag Abend in Bernau bei Berlin fest und durchsuchte seine Wohnung. Zudem sei die Wohnung eines nicht Tatverdächtigen im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen durchsucht worden, hieß es. „Tagesschau“ und Bild berichteten, der Hinweis auf den Anschlagsplan sei von ausländischen Geheimdiensten gekommen. Ein Sprecher des Generalbundesanwalts wollte das zunächst nicht bestätigen.
Die Bild-Zeitung schrieb, bei dem Festgenommenen handele es sich um einen abgelehnten Asylbewerber. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, der Beschuldigte werde am Sonntag Nachmittag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt, der über die Untersuchungshaft entscheidet. Der Mann sei der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland dringend verdächtig.
Bundesinnenminister Nancy Faeser (SPD) erklärte, der Zugriff der Sicherheitsbehörden zeige, dass der Schutz jüdischer und israelischer Einrichtungen in Deutschland lebenswichtig und sei und höchste Bedeutung habe. „Wir handeln mit höchster Wachsamkeit und Aufmerksamkeit angesichts der hohen Bedrohungslage durch islamistische, antisemitische und israelfeindliche Gewalt“, betonte die Ministerin. „Ich danke insbesondere dem Bundeskriminalamt und dem Bundesamt für Verfassungsschutz für die intensiv geführten Ermittlungen.“
Angriff auf Konsulat in München
Auch der israelische Botschafter Ron Prosor bedankte sich bei den deutschen Sicherheitsbehörden. Auf X erklärte er: „Der muslimische Antisemitismus beschränkt sich nicht auf hasserfüllte Rhetorik, sondern fördert den weltweiten Terrorismus. Die Mitarbeiter der israelischen Botschaft sind besonders gefährdet, weil sie an vorderster Front der Diplomatie stehen.“
Erst Anfang September hatte ein 18-Jähriger Österreicher in München mit einer Repetierbüchse vor dem israelischen Konsulat das Feuer eröffnet. Der Angriff fand am Jahrestag des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft 1972 statt. Polizeibeamte erschossen den Täter. Er soll den österreichischen Behörden wegen möglicher islamistischer Radikalisierung aufgefallen sein, die Ermittlungen wurden jedoch im April eingestellt.
Die Union warnte indes vor möglichen Angriffen auch auf andere jüdische und israelische Einrichtungen. Diese seien seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 „mögliche Ziele von Terroranschlägen“, sagte der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Alexander Throm (CDU), der Rheinischen Post (Montagsausgabe). Die Bedrohungslage werde „wohl leider hoch bleiben“.
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