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Hubertus Heil und der SPD-Vorsitz„Ich kann es nicht ausschließen, dass ich antrete“

Der ehemalige Arbeitsminister macht aus seinen Ambitionen für den SPD-Parteivorsitz kein Geheimnis. Doch er stellt eine interessante Bedingung.

Er ist der Erste, der sich im neu eröffneten Rennen um den SPD-Vorsitz aus der Deckung wagt: Der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil meldete sich am späten Sonntagabend mit einer halb scherzhaften, halb ausweichenden Aussage zu Wort. Seine innerparteilichen Gegner könnten sie fast als Drohung verstehen. Auf die Frage, ob er beim Parteitag im Januar für den SPD-Vorsitz kandidieren werde, sagte der 53-Jährige in der ARD: „Ich kann es nicht ausschließen, dass ich antrete“.

Trotz der geheimnisvollen Verpackung dürfte Heils Ankündigung in der SPD niemanden überraschen. Seit ihn der heutige Parteivorsitzende und Finanzminister Lars Klingbeil nach der Übernahme der Parteiführung etwas unsanft aus dem Rampenlicht drängte, wird über ein mögliches Comeback spekuliert. Als Arbeitsminister von 2018 bis 2025 prägte Heil einige der zentralen sozialdemokratischen Reformen des vergangenen Jahrzehnts mit. Nun nutzt er die Lesereise für sein gerade erschienenes Buch „Der Angriff der Autokraten“, um zu zeigen, dass es ihn noch gibt.

Unter Heils Ministerium kamen das Bürgergeld, der Mindestlohn von 12 Euro und ein strengerer Arbeitsschutz in besonders prekären Beschäftigungsverhältnissen wie in der Fleischindustrie. Auch die liberaleren Regeln bei der Arbeitsmigration nach Deutschland verhandelte er zu Zeiten der Ampel-Regierung maßgeblich mit.

Vor allem in der FDP hegte man einen feinen Hass auf den früheren Arbeitsminister. Man sagte ihm nach, eigene Projekte durchzusetzen, Vorhaben anderer aber im großen Bürokratieapparat seines Ministeriums versanden zu lassen. Aus Sicht der SPD wäre ein solches Hinauszögern unliebsamer Kürzungsideen von Bundeskanzler Merz wohl keine schlechte Voraussetzung für den Parteivorsitz.

Seit 1998 im Bundestag

Doch Heil sagte selbst, ein SPD-Chef dürfe seine Aufgabe nicht darin sehen, Sand ins Getriebe dieser ohnehin schon hakelig laufenden Regierungsmaschine zu streuen. „Diese Regierung darf nicht scheitern, sie muss liefern“, waren seine Worte in der ARD. Außerdem knüpfte er seine mögliche Kandidatur an die inhaltliche Positionierung der SPD und warb für den Kurs einer „solidarischen Leistungsgesellschaft“ – erklärte aber nicht, was er damit meinte.

Im Interview mit der taz hatte Heil als Arbeitsminister zumindest ein Gespür für die Einschnitte, die sich nun an vielen Stellen zeigen. „Die gesellschaftliche Gesamtstimmung ist angespannt, viele Menschen haben existenzielle Sorgen“, sagte er vor drei Jahren. „Das sind verdammt harte Zeiten.“ Dass sie inzwischen nicht leichter geworden sind, muss wohl auch als Teil seines politischen Erbes gelten.

Der amtierende Parteivorsitzende Klingbeil hat sich nach dem Rücktritt von Bärbel Bas vergangene Woche noch nicht zu seiner Zukunft in der SPD-Führung geäußert. Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach sich bereits für dessen erneute Kandidatur aus. Klingbeil und Heil teilen dabei zwei sehr ähnliche Probleme, obwohl den beiden Politiker ein schlechtes Verhältnis zueinander nachgesagt wird: Beide kommen aus dem niedersächsischen Landesverband. Und beiden fehlt für eine Doppelspitze die Frau an ihrer Seite.

An Kontakten dürfte es Heil nicht mangeln. Er ist seit 1988 SPD-Mitglied und zog schon 1998 für den Wahlkreis Gifhorn/Peine erstmals in den Bundestag. Auch bei den Wahlen 2025 wurde er wieder als Direktkandidat ins Parlament gewählt. Dort sitzt er, gemessen an seiner Biografie, etwas fachfremd im Auswärtigen Ausschuss. Beim Parteitag im Januar soll die außenpolitische Strategie der SPD eine entscheidende Rolle spielen. Für eine mögliche Bewerbungsrede Heils ist das praktisch.

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5 Kommentare

  • Westlahn

    Wenn ich mich um einen Job bewerbe, und komme im Gespräch mit dem Spruch: " Ich kann nicht ausschließen, daß ich für Sie arbeiten werde...."



    Glaubt irgend jemand, das ich damit einen Arbeitsvertrag bekomme.



    Ich nicht. Ich denke, das Jobcenter würde mir das ALG streichen, weil ich die Arbeitsaufnahme damit sabotiere....

  • Zangler

    „Dass sie [die Zeiten] inzwischen nicht leichter geworden sind, muss wohl auch als Teil seines politischen Erbes gelten.“ – Was genau soll das denn bedeuten?



    Sind höherer Mindestlohn und Liberalisierung der Arbeitsmigration an hohen Lebenshaltungskosten und Wahlerfolgen der Nationalradikalen schuld, an Putins Krieg gegen die Ukraine, an Trumps Zöllen, an Netanjahus Krieg gegen Iran? Oder hat Heil „nur“ die „notwendigen“ Sozialstaatsreformen, die CDU-Wirtschaftsflügel und FDP so ausgekungelt hatten, versanden lassen? Und reden wir bei einem 53-jährigen schon vom politischen „Erbe“, weil er für Spitzenpositionen entschieden zu alt ist?



    Nichts für ungut, aber wenn ich das so schreibe, scheint mir Heil fast der Lichtblick unter den verantwortlichen Politiker:innen des letzten Jahrzehnts in Deutschland zu sein. Und wenn wir Merz, Trump, Putin etc. als Maßstab nehmen, hat er noch 20 bis 25, vielleicht sogar 30, Jahre Karriere vor sich.

  • Janix

    Dir im Siegerkranz/ Retter des Vaterlands.

    Jeder SPD-Kopf hat das Dilemma, entweder im Kabinett kleingerieben zu werden ob der rechten Mehrheit derzeit noch, oder außerhalb zu wenig mitzubekommen.

    Wer auch immer die SPD-Talentschmiede in Niedersachsen verantwortet, Beifall. Heil ist einer der zahlreichen Talente von dort und könnte sich mehr einbringen als derzeit.

  • Ach Mensch

    Da wäre selbst Otto Grotewohl eine bessere Wahl.(de.wikipedia.org/wiki/Otto_Grotewohl)



    Aber vermutlich geht es um Alterssicherung statt um soziale Dinge.

  • Okay

    Mit seiner Kandidatur für den SPD-Vorsitz schießt sich der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil ins eigene Knie. Die Partei ist am Ende, und die Lage ist so kompliziert wie nie zuvor. Solange die Politik den Finanzbossen die Schuhe putzt, wird sich alles noch weiter verschlechtern. Die SPD ist weder bereit noch in der Lage, die Ökonomie so zu erneuern, dass daraus tatsächlich eine Wohlstandsgesellschaft entsteht.