Hamburgs Olympia-Finanzplanung : Die Pippi-Langstrumpf-Spiele
Hamburgs Finanzierungskonzept für Olympische Spiele ist künstlich kleingerechnet. So wird der Senat die knauserigen Hanseat:innen kaum überzeugen.
Foto: Christian Charisius/dpa
H amburgs Senat hat seinen Plan für die Finanzierung Olympischer Spiele vorgelegt. Zwei Monate vor dem Referendum über eine Bewerbung ein guter Schritt, denn die unklare Finanzierung gilt als Hauptgrund dafür, dass die Hamburger:innen die vorige Olympia-Bewerbung 2015 abgelehnt haben.
Damals hatte die Stadt so getan, als werde das Gros der Kosten der Bund übernehmen, aber bis zur Abstimmung keine Belege dafür gebracht. In der jetzigen Kalkulation steht der Bund nur noch mit jämmerlichen 200 Millionen Euro. Das ist entwaffnend ehrlich.
Doch was als Beruhigung skeptischer Bürger:innen gedacht ist, könnte durchaus eine gegenteilige Wirkung entfalten. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) hat ausrechnen lassen, dass Hamburg bei einem Budget von 4,8 Milliarden Euro sogar einen kleinen Gewinn machen könnte – jedenfalls, wenn man die Spiele zu heutigen Kosten veranstalten könnte. Da es aber um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 geht, müsste eine seriöse Kalkulation Kostensteigerungen einkalkulieren.
Da springt Dressels Parteifreund und Sportsenator Andy Grote gern bei: „Dann werden auch die Einnahmen wachsen, und wenn das nicht reicht, dann müssen wir die Ausgaben ein Stück weit reduzieren.“ Das klingt nach Pippi Langstrumpf: „Ich mach’ mir Olympia, widdewidde wie es mir gefällt.“
Dass Baukosten in den vergangenen Jahren deutlich rasanter gestiegen sind als die allgemeinen Preise, spricht gegen die Annahme, die Einnahmen würden im selben Maße mitwachsen. Und in Hamburg stimmt die Erfahrung mit Bauprojekten der öffentlichen Hand nicht gerade optimistisch, was das Reduzieren von Ausgeben angeht.
Die meisten Baukosten sind in der Rechnung ohnehin nicht enthalten. Bauten wie das Olympische Dorf verbucht der Senat nämlich einfach auf der Habenseite – mit dem Argument, sie würden ohnehin gebraucht. Das Volksparkstadion will die Stadt dem privaten Eigentümer HSV angeblich ohnehin neu bauen lassen, weil es keine 40 Jahre nach Errichtung ein wirtschaftlicher Totalschaden sein werde.
Nur mit solchen Taschenspielertricks ist es gelungen, den Kostenansatz unter 5 Milliarden Euro zu drücken – weniger als die Hälfte als bei der vorherigen Kampagne, obwohl seitdem elf Jahre Inflation ins Land gegangen sind.
Finanzsenator droht mit Infrastruktur-Stillstand
Dass die Kosten für die Sicherheit im Finanzkonzept komplett fehlen, ist ebenfalls peinlich. Vor allem Grote, der ja im Hauptberuf Innensenator ist, dürfte das Thema nicht komplett fremd sein. In Paris sollen es 1,4 Milliarden Euro gewesen sein, also fast ein Drittel des Hamburger Gesamtbudgets. Und die Weltlage bietet derzeit wenig Anlass zu der Annahme, dass es künftig billiger wird.
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Wirklich dreist ist aber, wie Dressel versucht, die öffentliche Meinung für die Spiele zu drehen: Er wirft Infrastrukturprojekte wie die U-Bahn-Linie 5, die S-Bahn-Linie 6 und die Erweiterung des Hauptbahnhofs in die Waagschale, die längst als vereinbart galten. Dressel behauptet nun, Bundesmittel dafür würden bei einer erfolgreichen Bewerbung „gezielter und schneller nach Hamburg fließen“ – und nicht nach München oder in die Rhein‑Ruhr‑Region. Wer eine U-Bahn will, müsste demnach für Olympia stimmen.
Klingt seltsam aus dem Mund eines Finanzsenators, vor allem, was die U5 betrifft: Das teure Prestigeprojekt ist ja längst in Bau. Und wer hätte wohl dafür sorgen müssen, dass die Finanzierung steht?
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