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Hamburg schließt SchutzunterkunftKein Schutz für geflüchtete Frauen

Hamburg hat eine Schutzeinrichtung für von Gewalt betroffene Geflüchtete kurzfristig geschlossen. Der Senat begründet das mit Sanierungsarbeiten.

Ende Januar wurde die Geflüchtetenunterkunft in der Kaltenkirchener Straße in Hamburg-Altona überraschend geschlossen. Bei der Erstaufnahmeeinrichtung handelt es sich um eine Schutzunterkunft für von Gewalt betroffene geflüchtete Frauen und andere vulnerable Gruppen. Der Senat begründete dies mit dringenden Sanierungsarbeiten. Die Be­woh­ne­r*in­nen wurden kurzfristig auf andere Standorte verteilt.

Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Demnach verließen die letzten Be­woh­ne­r*in­nen die Unterkunft am 23. Januar. Die Innenbehörde informierte die Bezirksversammlung Altona allerdings erst vier Tage später über die Schließung.

Carola Ensslen, fluchtpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, kritisiert dies. Sie sagt, solche Sanierungsbedarfe entstünden nicht über Nacht. „Die Verlegung hätte rechtzeitig geplant werden müssen“, gibt sie gegenüber der taz an. „So ein Hin und Her ist für die Betroffenen sehr anstrengend.“

Die Erstaufnahmeeinrichtung Kaltenkirchener Straße war seit 2016 in Betrieb. Noch im November 2025 lebten dort 120 Menschen, vornehmlich Frauen und ihre Kinder. Nun wurden 40 der Be­woh­ne­r*in­nen in einen gemischten Erstaufnahmestandort verlegt, vier Chemotherapie-Patient:innen in eine Unterkunft beim Universitätsklinikum Eppendorf. Auch die acht queeren Be­woh­ne­r*in­nen der Unterkunft Kaltenkirchener Straße wurden in allgemeine Standorte der öffentlich-rechtlichen Folgeunterbringung verlegt.

Besonders Schutzbedürftige mussten zweimal umziehen

Die Bewohner:innen, bei denen die Innenbehörde „besondere medizinische und sonstige Schutzbedarfe“ festgestellt hatte, mussten gleich zweimal innerhalb von drei Wochen umziehen. Sie wurden ebenfalls in eine gemischte Erstaufnahmeunterkunft verlegt. Das ihnen vertraute Personal aus der Kaltenkirchener Straße wurde ihnen dabei nur in den ersten zwei Wochen nach dem Umzug zur Seite gestellt.

Von der Schließung der Schutzunterkunft sind zudem 13 Schulkinder betroffen, die gemeinsam mit ihren Familienangehörigen in andere Unterkünfte verlegt wurden. Drei von ihnen wurden aus ihrem bisherigen Sozialraum gerissen.

In einer Pressemitteilung wird die Verlegung schutzbedürftiger Personen an Standorte ohne geschultes Personal kritisiert, wo sie mit Cis-Männern zusammen leben und gemeinsame Sanitäranlagen nutzen müssen. Das gefährde diese Personen und sei plan- und rücksichtslos.

Die dort untergebrachten Frauen und ihre Kinder haben grausame Dinge erlebt und brauchen Stabilität, besonderen Schutz und gesundheitliche Versorgung, um zur Ruhe zu kommen und einen beständigen Alltag entwickeln zu können

Carola Ensslen, Die Linke

„Ich bin absolut entsetzt von der plötzlichen Schließung dieser Schutzunterkunft“, sagt Ensslen. „Die dort untergebrachten Frauen und ihre Kinder haben grausame Dinge erlebt und brauchen Stabilität, besonderen Schutz und gesundheitliche Versorgung, um zur Ruhe zu kommen und einen beständigen Alltag entwickeln zu können.“

Hierbei verweist die Linksfraktion auf die Istanbul-Konvention, nach der der Senat zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, also auch zu einer angemessenen Unterbringung schutzbedürftiger Geflüchteter in der Erstaufnahme, verpflichtet sei. Die Umverlegung der Betroffenen in ungeschützte Räume bezeichnet Ensslen als Vertrauensbruch. Die Linke-Bürgerschaftsfraktion hat den Senat dazu aufgefordert, schnellstmöglich eine neue Schutzunterkunft zu schaffen.

Wiedereröffnung steht in den Sternen

Auf die Anfrage der Linksfraktion, ob die verlegten Personen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten zurückverlegt werden sollen, gab der Senat keine abschließende Antwort. Aufgrund des umfangreichen Sanierungsbedarfes könne zu der weiteren Nutzungsperspektive der Immobilie derzeit keine Aussage getroffen werden. Die Planungen seien hierzu noch nicht abgeschlossen.

Die Innenbehörde spricht auf Nachfrage von „nicht mehr gegebener Betriebssicherheit“ und bezeichnete die Entscheidung als alternativlos. Wieso das Gebäude überhaupt saniert werden soll, wenn über eine Wiederinbetriebnahme noch nicht entschieden ist, bleibt unklar.

Bereits 2018 wollte die Innenbehörde die Unterkunft schließen. Damals, noch bevor wegen des Ukrainekriegs erneut viele Menschen nach Deutschland flüchteten, begründete sie dies mit der Prognose, dass die Auslastung der Kapazität in Zukunft nicht mehr zu erwarten sei. Die damalige Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) hatte seinerzeit laut Hamburger Abendblatt zugesichert, dass es eine andere Perspektive für die Frauen geben solle. Davon ist heute keine Rede mehr.

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3 Kommentare

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  • Der Sanierungsbedarf wird nicht in Abrede gestellt. Was wäre also das Alternativverhalten gewesen ?

    • @DiMa:

      Man könnte z. B. statt eines neuen Kanzleramtes neue Schutzeinrichtungen bauen/planen.

      • @Erfahrungssammler:

        Es wäre doch besser, die Auslastung nach unten zu korrigieren. Die Steuereinnahmen werden absehbar sinken (siehe auch taz.de/Probleme-de...dustrie/!6145453/).