Hacker-Attacken in Spanien: Gefahr von rechts

Zahlreiche spanische unabhängige und linke Medien sind seit Tagen Cyber­angriffen ausgesetzt. Die Betroffenen vermuten eine gezielte Kampagne.

Ein Mann mit Trump-Muetze

Mit dem Aufstieg der rechtsextremen Partei VOX nahmen Angriffe auf linke Medien zu Foto: Matthias Oesterle/ZUMA/imago images

Seit Tagen sind mehrere spanische Alternativmedien schweren Cyberattacken ausgesetzt. „Die bestehen darin, die Zugriffe auf eine bestimmte Seite so stark zu erhöhen, dass sie zusammenbricht“, erklärte La-Marea-Herausgeberin Magda Bandera. „DDoS vom Typ L7“ heißt der genaue Fachbegriff.

La Marea ist eine Zeitschrift, die sich am Genossenschaftsmodell der taz orientiert. Neben einigen weiteren kleineren unabhängigen Onlinemedien traf es auch die Kollegen von El Salto. Diese Zeitschrift ist das Ergebnis des Zusammenschlusses mehrerer regionaler sowie feministischer und kultureller alternativer Medien. Sowohl La Marea als auch El Salto erscheinen auf Papier, unterhalten aber auch eine zugehörige Website.

„Am Samstag (20. November) kollabierte unsere Website vollständig“, berichtete Herausgeberin Bandera. „Jedes Mal wenn wir einen Teil der Seite wieder zum Laufen bringen und dies bekannt wird, kommt ein neuer Angriff“, sagte sie am Dienstag. „Mal geht sie, mal nicht“, fügte sie hinzu. Sie hofft, dass die Informatiker das Problem bald in den Griff bekommen.

Sowohl La Marea als auch El Salto haben ihre Seite bei dem alternativen Provider Nodo50 auf den Servern. Nodo50 entstand in den 1990er Jahren, damals noch als Nachrichtengruppe und als einer der ersten E-Mail-Provider Spaniens. „Die Intensität hat deutlich zugenommen“, hieß es von den dortigen Technikern. Mit kräftiger Software würden sie des Angriffs dennoch langsam aber sicher Herr werden. Mehr wollten die Informatiker von Nodo50 nicht sagen, um den Angreifern keine Hinweise zu geben.

Übergriffe auf LGBTI-Menschen nehmen zu

„Es traf uns, als wir zusammen mit El Salto eine Abo-Kampagne starteten“, sagte Bandera. „Gemeinsam gegen den Hass“ heißt der Werbeslogan. Seit die rechtsextreme VOX vor knapp drei Jahren als drittstärkste Partei aus den Parlamentswahlen hervorging, nehmen in Spanien die Übergriffe auf LGBTI-Menschen, auf Immigranten und auf alles, was nicht in die rechte Vorstellung einer Gesellschaft passt, zu. Auf Twitter bekannte sich ein User, dessen Account­name nur aus Zahlen bestand, zu den Hackerangriffen. Mittlerweile ist das Konto wieder gelöscht.

Die Plattform Unabhängiger Medien fordert die sofortige polizeiliche Untersuchung der Vorfälle

Die Hackerkampagne gegen linke und alternative Medien begann bereits in der zweiten Novemberwoche. Da wurde erstmals La Última Hora, eine der linksalternativen Unidas Podemos (UP) nahestehende Nachrichtenseite, attackiert. UP ist einer der beiden Koalitionspartner der Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez.

„Die Cyberattacken sind die neue Methode der Mächtigen, um die Meinungsfreiheit zu beenden“, erklärte die Chefin von La Última Hora, Dina Bousselham, auf Twitter. Kaos En La Red, eine linke Zeitung mit längeren analytischen Texten und Debattenbeiträgen, verzeichnete ebenfalls „einige immer wieder auftretende Probleme beim Zugriff auf die Seite“. Auch die Website der regionalen Zeitung Arainfo aus Aragonien wurde angegriffen.

Die Plattform Unabhängiger Medien (PMI), der sowohl La Marea als auch El Salto angehören, fordert die sofortige polizeiliche Untersuchung der Vorfälle. „In der Vergangenheit war es üblich, dass Gruppen von Provokateuren in Druckereien, in denen unbequeme Zeitungen gedruckt werden, eindrangen und die Produktionsmittel angriffen. Heute sind es DDoS-Angriff“, heißt es in der PMI-Erklärung. La Marea und El Salto haben mittlerweile zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen, um ihre Inhalte dennoch zugänglich zu machen. Die Zeitschriften können – solange ihre Webseiten nicht normal funktionieren – per Direktnachricht auf Twitter abonniert werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de