Gute Vorsätze: Nicht mehr rauchen? Klar, vielleicht … oder doch nicht
Mit festen Vorsätzen ist das so eine Sache. Die sind oft nicht so leicht umzusetzen. In gewissen Fällen wäre das auch gar nicht ratsam.
Foto: Andreu Dalmau/dpa
H aben Sie auch ein schlechtes Gewissen, weil Sie am 1. Mai wieder nicht demonstriert haben, obwohl Sie doch zu den sensiblen 81 Prozent gehören, die es ungerecht finden, wie der Wohlstand im Land verteilt ist? Dann sind Sie nicht allein. Die allermeisten blieben trotzdem zu Hause oder haben sich sonst wo vergnügt, nur nicht bei einer Demo.
Dabei hatte doch eine spektakuläre Umfrage der ARD gerade erst ergeben, dass vier von fünf Deutschen ein Ungerechtigkeitsgefühl verspüren. 81 Prozent! Der Hammer! Man muss zwar nicht so weit gehen wie der Kollege René Hamann, der deshalb bei der taz-Titelkonferenz erfolgreich vorschlug, ganz Deutschland „gesichert linksextrem“ zu nennen. Der Mann hat als Ehrenpräsident des taz Panter FC qua Amt ein Herz für Schwache und sucht nach jedem Strohhalm.
Aber bemerkenswert war es schon, dass sich 81 Prozent der Deutschen mehr Gerechtigkeit wünschen, während die Regierung meist für das Gegenteil sorgt, die Reichen noch reicher macht, den Armen die Hautkrebsvorsorge streicht und das Bier verteuert. Warum also kämpft kaum jemand dafür, dass sich daran etwas ändert?
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Tja. Am 1. Mai wollten die meisten wahrscheinlich weder den langweiligen Reden auf den traditionellen DGB-Demos lauschen noch beim traditionellen Krawall mitmachen, also lieber lauschig im Biergarten sitzen. Und bei den Wahlen kommt den Gerechtigkeitsfreunden auch immer irgendwas dazwischen. Den Grünen-Fans zum Beispiel die Umwelt, die im Zweifel wichtiger ist. Die SPD kommt für mindestens 81 Prozent nicht mehr infrage, weil sie die SPD ist.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
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Lieber nicht die AfD wählen
Die Linke ist für 90 Prozent zu links oder zu israelkritisch. Und der große Rest findet es im Zweifel wichtiger, die Wirtschaft anzukurbeln und Ausländer rauszuschmeißen, auch wenn sich das widerspricht. Feste Vorsätze sind eben schwer umzusetzen. Es haben auch schon 81 Prozent für mehr Klimaschutz votiert und dann jede Maßnahme abgelehnt, die sie betreffen könnte.
Gerade wir Linksgrünversifften fliegen gern weit weg von den Sorgen. Auch mindestens 81 Prozent der RaucherInnen wollen sicher aufhören, werden es aber trotz der Erhöhung der Tabaksteuer wohl nicht tun. So bleibt nur eine, zugegeben kleine Hoffnung: Vielleicht überlegen es sich auch die vielen Menschen, die in Umfragen „AfD“ sagen, noch mal anders, wenn es darauf ankommt.
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