Großunterkunft für Flüchtlinge: Lübeck sagt Nein
Die Stadt hat gegen den Verkauf eines Geländes am Bornkamp an das Land entschieden. Das muss seine Flüchtlingsunterkunft nun von vorn planen.
Die Pläne des schleswig-holsteinischen Innenministeriums für eine Erstaufnahmeeinrichtung in Lübeck sind fürs Erste geplatzt. Am Donnerstag stimmte die Lübecker Bürgerschaft gegen den Verkauf eines Grundstücks am Wohngebiet Bornkamp an das Land. Dort hatte das Ministerium eine Einrichtung mit 600 Plätzen geplant, in der Flüchtlinge wohnen sollten, bis sie in dauerhafte Unterkünfte umzögen.
Dagegen protestierten Anwohner. Auch den meisten Politikern im Lübecker Stadtparlament sind die Pläne eine Nummer zu groß. Sie fordern mehrere dezentrale Erstaufnahmeeinrichtungen in Lübeck mit maximal 250 Plätzen – auch am Bornkamp.
Nur die SPD stimmte für den Deal mit dem Land. Die Grünen enthielten sich. „Lübeck sagt nicht Nein zu Flüchtlingen“, stellte der Fraktionsvorsitzende der Lübecker Grünen Thorsten Fürter klar. Alle Fraktionen hätten sich für eine Aufnahme in der Stadt ausgesprochen. Doch kleinere Einrichtungen seien „verträglicher“ für die Asylsuchenden. Zudem sei die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung höher. Das käme auch der Integration der Flüchtlinge zugute, sagt Fürter.
Innenminister Stefan Studt (SPD) bezeichnete die Entscheidung der Bürgerschaft hingegen als „unglückliches Signal“ für die Flüchtlingspolitik. „Das Nein zum Grundstücksverkauf wirft uns um Monate zurück“, sagte er. Das gehe zu Lasten der Asylsuchenden. Schon seit April verhandeln das Land und die Stadt um das 1,7 Hektar große Grundstück. 2,04 Millionen Euro sollte es kosten.
Das Ministerium schließt die dezentrale Lösung wegen höherer Kosten weiter aus. Auch die Betreuung und medizinische Versorgung sei in einer größeren Einrichtung besser gewährleistet.
Rückendeckung bekommt Studt vom Flüchtlingsrat. Indem die Bürgerschaft den Anwohnerprotesten nachgegeben habe, würden Gegner von Unterkünften Morgenluft wittern, sagte Sprecher Martin Link den Lübecker Nachrichten. Das werde „weit über Lübecks Grenzen Probleme bringen“.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert