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Plötzlich Filme aus Mediathek gelöschtKauft Blu-Rays!

Wenn Anbieter die Lizenz für Filme verlieren, können diese aus der Mediathek verschwinden – selbst wenn man sie bereits gekauft hat. Zum Glück gibt es physische Medien.

E in Gedankenspiel: Sie wachen mitten in der Nacht auf, weil Sie Geräusche in Ihrer Wohnung hören. Sie sind sich sicher, dass es ein Einbrecher ist. Auf Zehenspitzen tippeln Sie in Ihr Wohnzimmer und sehen eine Person, die eine große Tasche vollpackt: mit Ihren Schallplatten, Büchern und DVDs.

Eine völlig absurde Vorstellung, wer besitzt schließlich noch Medien, die man in den Händen halten kann? Dabei ist das, physische Medien zu besitzen, der einzige Weg, wie man noch Zugang zu seinen Lieblingsfilmen haben kann, ohne zu fürchten, dass sie einem wieder gestohlen werden.

Echte Einbrecher plündern derzeit zwar keine Wohnzimmer, dafür den digitalen Raum. Dabei handelt es sich nicht um dubiose Gestalten aus den dunklen Ecken des Internets, sondern um ganz andere Gauner: die Anbieter, die Ihnen die Filme zuvor verkauft hatten.

Rückerstattung gibt es nicht

Vor wenigen Tagen berichtete ein Google-User, dass seine gekauften Extended-Editions der „Herr der Ringe“-Filme aus seiner Mediathek gelöscht wurden. Eine Benachrichtigung bekam er nicht. Auf seine Nachfrage gab Google an, dass die Filme nicht mehr Teil ihres Katalogs seien – und dass er keine Rückerstattung bekomme. Kein Einzelschicksal: Immer wieder verschwinden Filme aufgrund von abgelaufenen Lizenzen.

Auch mit der Playstation kann man Filme „kaufen“. Also, für sie bezahlen, sie eine Weile in der Mediathek vor Augen haben, bis sie dann verschwinden – denn auch Sony wird am 1. September 551 Filme und Serien aus deren Mediathek löschen. Das Unternehmen verliert seine Lizenz mit StudioCanal. Eine Rückerstattung oder sonstige Kompensation wird es für betroffene User_innen nicht geben.

Einen Film zu kaufen, heißt nicht mehr, ihn zu besitzen. Zumindest, wenn der Kauf digital stattfand. Viele Regisseur_innen rufen deshalb seit Jahren dazu auf, zu physischen Medien zurückzukehren. Guillermo del Toro etwa nannte DVD- oder Blu-ray-Besitzer_innen „die Hüter dieser Filme für die kommenden Generationen“. Sie schützen etwas Filmgeschichte.

KI-Unternehmen zerstört Bücher

Es gibt aber noch ganz andere Gründe für DVDs. Vielleicht würden wir etwas langsamer werden und zurückkehren in eine Zeit, als noch kein Algorithmus bestimmt hat, was wir uns am Abend ansehen würden, sondern ein nerdiger Typ in einer Videothek, der den ganzen Tag damit verbrachte, Filme zu sehen. Ich habe die DVD-Sammlungen der Freund_innen bestaunt, wir haben uns gegenseitig Lieblinge ausgeliehen oder gebrannte Kopien vom Onkel bekommen.

Zu diesen Filmen hatte ich eine enge Beziehung: Ich musste gut auf sie achtgeben, da jeder Kratzer auf der Scheibe bedeutete, dass das Bild einfrieren oder springen konnte. Ein paar besondere packte ich in DVD-Ordner, diese mit den Klarsichthüllen, etwa um sie in den Urlaub zu nehmen. Da war Bonusmaterial, Bloopers, Directors Cut und Kommentare des Casts, alles in einem Produkt. Es gab kein Buffering, keine beschissene Streamingqualität und keine Anbieter, die sie mir irgendwann wieder wegnehmen würden.

Vor wenigen Wochen wurde die Nachricht publik, dass das Unternehmen Anthropic zum Training seiner KI massenweise Bücher kauft, sie aufschneidet, um sie zu scannen, und anschließend entsorgt. Es scheint also, als könnten all jene, die analog lesen, hören, sehen, bald zu Hütern der Kunst werden.

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Valérie Catil

Valérie Catil Gesellschaftsredakteurin

Redakteurin bei taz zwei, dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Studierte Philosophie und Französisch in Berlin. Seit 2023 bei der taz.
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4 Kommentare

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  • TGV

    Ja wow, jungmensch glaubte tatsächlich er würde Teile der 'Cloud' besitzen. Geschichte hat auch erst vor 10 Jahren begonnen und AGBs braucht niemand lesen.

  • Dorothea Pauli

    Ich möchte auf die örtliche Leihbibliothek verweisen. Dort gibt's physische Medien in solchen Mengen, dass es für's ganze Leben reicht :)

  • Sikasuu

    ... Guillermo del Toro etwa nannte DVD- oder Blu-ray-Besitzer_innen „die Hüter dieser Filme für die kommenden Generationen“ ...



    ----



    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!



    Buch, Negativ, Platten, CD/DVD uvam. physikalische Informationsträger sind nur durch Buch, Negativ, ... zu ersetzen!



    Denn nur die o.a. ermöglichen realen physischen Besitz!



    Btw. Klar es ist bequem DIE in der Mediathek, Cloud, usw. zu haben, doch da sind diese "Informationen" NUR GELIEHEN! (Vergl. dazu Smartphone! Da ist der "User" nur "Nutzer", weder "Besitzer noch Eigentümer"!)



    Doch selbst einen "Download" wenn der überhaupt möglich ist, scheinen heutige "User" lästig zu finden! :-(



    Unverständlich bleibt mir auch, bei den HEUTE fast vernachlässigbaren Speicherkosten, wie wenig frei verfügbare Programme wie "Nextcloud, Owen-Cloud, usw. " genutzt werden.



    Mein Fazit dazu: Bei solchen Handeln geht nicht nur unsere "Persönliche Geschichte" verloren, sondern wir nähern uns mMn. einem Zustand wie er in "Fahrenheit 451"(1) beschrieben wird! :-(



    Ps. Der Trend geht zum Zweitbuch? = Veraltet!



    Neue Edition von "Goethes E-Mail an Fr. v. Stein" wird der nächste Bestseller! :-(



    (1)de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451

  • Dreja

    Leider ist es genauso, wie in der Kolumne beschrieben.



    Ich versuche deshalb nach wie vor alles, was mir wichtig ist, als DVD zu kaufen. Natürlich kann man Filme, die man digital gekauft hat, auch downloaden, aber das habe ich immer noch nicht geschafft. Ich weiß auch nicht, wie bequem es dann ist, sie anzusehen. Trotzdem werde ich das demnächst angehen.